A Million Ways to Die in the West

© Universal Pictures
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Albert ist ein Farmer, sein Spezialgebiet sind Schafe und sein ganzer Hass gilt dem wilden Westen, den er für einen besonders lebensfeindlichen Ort hält. Nachdem seine Freundin ihn für einen schnurrbarttragenden Schönling, dem der Erfolg nur so zuzufliegen scheint, verlässt, setzt Albert alles daran sie zurückzuerobern und fordert den Störenfried zum Duell. Glücklicherweise taucht die taffe Anna auf, die dem Schäfer innerhalb von sieben Tagen nicht nur das Schießen, sondern auch eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein beibringt.

Es ist ein Rätsel wie Seth MacFarlane hochkarätige Schauspieler wie Charlize Theron oder Liam Neeson dazu bekommen hat, bei A Million Ways to Die in the West mitzuwirken, der Cast ist nämlich im Grunde das einzige Sehenswerte an der Wildwest-Blödelei. Hätte der milchgesichtige MacFarlane mit unbekannteren Gesichtern gearbeitet, wäre seine eigene schauspielerische Eindimensionalität vielleicht weniger aufgefallen. Neben einem Charakterdarsteller wie Giovanni Ribisi, der seinen besten Freund spielt, kann MacFarlane, dessen mimische Gefühlspalette offenbar nur von traurig/treudoof bis leicht schockiert reicht, keine gute Figur machen.

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Für eine Komödie reichlich ungünstig erweist sich auch die Tatsache, dass der große Teil der angelegten Gags nicht zündet. Besonders problematisch ist MacFarlanes Versuch, die komische Struktur, die bei Family Guy vorherrscht, in A Million Ways to Die in the West zu übernehmen. Die komödiantischen Ausflüge, die im Dialog angedeutet werden und anschließend in kurzen eigenständigen Szenen durchgespielt werden, funktionieren selbst in der Animationsserie nicht immer perfekt – im Spielfilm wirkt diese Technik jedoch total fehlplatziert. Die einzigen Parts, die tatsächlich für einen kurzen Lacher gut sind, sind die kreativen Todesarten, mit denen die Gefährlichkeit des wilden Westens einfallsreich illustriert wird – die meisten davon sind aber leider schon aus dem Trailer bekannt.

Diese kurzen Ausflüge in die Bereiche des Slapstick und der visuellen Komik sind zwar witzig, aber leider auch ziemlich hohl. Nahezu alle anderen Gags werden ausschließlich über die Dialogebene präsentiert und kaum durch visuelle Elemente rückgekoppelt. Das kann natürlich funktionieren, A Million Ways to Die in the West bietet allerdings wenig überzeugenden oder funkensprühenden Witz an, sondern begnügt sich damit, dieselben anfangs etablierten Witze beständig zu wiederholen.

Hinzu kommt die wenig innovative Kameraarbeit und die damit einhergehend langweilige Inszenierung der Dialoge. Das am häufigsten auftretende Bild in A Million Ways to Die in the West ist die Schuss-Gegenschuss-Konstellation, die vollkommen ohne Abwechslung oder narrativ rückgekoppelte Elemente auskommt. Zu der technisch uninteressanten Machart gesellt sich außerdem die vollkommen vorhersehbare und einfallslose Handlung, die zwar den klassischen Loser in die unbekannte Welt des wilden Westens versetzt, sonst aber keinen Unterschied zu üblichen Storys ähnlichen Kalibers macht.

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Besonders ärgerlich ist die Rolle von Anna (Charlize Theron), die von ihrem gewalttätigen Ehemann unterdrückt wird. Im gesamten Film wird dann eindrücklich gezeigt, dass sie sich im Grunde problemlos von ihm befreien könnte. Immer wieder werden ihre überragenden Fähigkeiten im Umgang mit der Schusswaffe inszeniert, die sie dann offensichtlich beim Trainieren an den Loser Albert überträgt und selbst verliert. Vor dem finalen Kampf, bei dem sie hilfreich sein könnte, wird sie schlicht weggeschickt, um den Platz für den neuen Helden der Stunde zu räumen. Ein fieser Fall von Trinity Syndrome, der nicht nur absolut unnötig, sondern auch unlogisch ist.

Fazit: Das absolute Schweigen im Walde ist eine Zuschauerreaktion, die wohl für jede Komödie ein Todesurteil ist. A Million Ways to Die in the West versagt auf nahezu allen Ebenen, die Gags sind überwiegend deplatziert und zünden nicht, die Handlung ist vorhersehbar und einfallslos abgefilmt. Hinzu gesellen sich nahezu nicht vorhandene Schauspielqualitäten des Hauptdarstellers und Rollenbilder, die jenseits von Gut und Böse liegen. Ein Trostpunkt für die kreativen Todesarten im wilden Westen.

Bewertung: 1/10

2 Comments

  1. Jan-Gerrit Heddinga

    Der Artikel zu Trinity Syndrome ist ziemlich gut und bringt es auf den Punkt, wennauch teilweise sehr polemisch. Das Problem wird ja auch weiterhin in den Medien behandelt, aber glücklicherweise durch nun mehr positive Beispiele in 2015 wie Mad Max: Fury Road (ein Aufruf zum Boykott durch Men’s Rights Activists ist ja eigentlich schon ein win by default…), Ex Machina, Mission Impossible: Rouge Nation, Inside Out und natürlich Star Wars – The Force Awakens. Es bahnt sich ein langsamer Wandel an, den die Studios hoffentlich erkennen. Dieses Jahr war ein wenig mau bisher in der Richtung (Room ist da wohl noch das beste Beispiel), aber wenigstens hatDisney mit dem nächsten Star Wars ein neues Beispiel parat, während man bei Warner Bros./DC auf Wonder Woman gespannt sein kann.

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