A single man

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Der Uni-Professor George Falconer ist im mittleren Alter, unglücklich, untröstlich, schwul, allein und steht kurz vor dem Selbstmord. Erst vor wenigen Monaten hat er seine große Liebe bei einem Autounfall verloren, hat aber niemanden, mit dem er seine Trauer teilen kann, denn in den 60ern ist ein Coming-Out undenkbar. Wir begleiten einen einzigen Tag im Leben von George, der an diesem 30. November 1962 seinen Selbstmord geplant hat. Leise und nachdenklich geht er den Tätigkeiten seines schnöden Alltags nach und verabschiedet sich insgeheim vom Leben, das seinen Sinn verloren hat.

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„A Single Man“ ist ein wunderschöner und hochästhetischer Film, schließlich handelt es sich um das Regie-Debüt des Modedesigners Tom Ford. Abgesehen von den vielen Designklassikern in Form von Autos und Möbeln aus den 60er Jahren, die an sich schon eine wahre Augenweide sind und das Herz eines jeden Design-Liebhabers höher schlagen lassen werden, sind die Charaktere logischerweise immer perfekt gekleidet. Aber auch die Kameraarbeit und die Bildkomposition passt sich an die hohen ästhetischen Ansprüche an – Tom Ford präsentiert uns kein einziges Bild, das nicht perfekt durchkomponiert, ausgewogen und stimmig ist. Wunderbare langsame Kamerafahrten strahlen eine besondere Ruhe aus und erzeugen allein durch die Bilder und die Bewegung eine Melancholie, die perfekt zur Handlung passt. Gekrönt wird die Ästhetik der Bilder durch den gekonnten Einsatz von Farben, die zu jeder Zeit die innere Gefühlswelt des Protagonisten vermitteln. So brennt das Bild zum Beispiel in flammendem Rot, als George auf einen traumhaft schönen James Dean Verschnitt trifft oder wird unendlich farblos und grau, wenn die Tristesse seines Alltags gezeigt wird.

Diese Symbiose von Bild und Handlung ist selten und macht den Film zu etwas ganz Besonderem. Obwohl „A Single Man“ auf einer Romanvorlage basiert, schafft es Tom Ford seine eigene Persönlichkeit einfließen zu lassen und trotzdem dem Roman gerecht zu werden. Die Geschichte wird mithilfe von Rückblenden und Erinnerungen spannend und nachvollziehbar inszeniert und zieht den Zuschauer in ihren Bann. Der Film lebt von der Atmosphäre und der wunderbaren Ästhetik der Bilder, die durch die hervorragende Leistung der Schauspieler auch inhaltlich gefüllt wird. Nicht umsonst erhielt Colin Firth für seine Performance eine Oscar-Nominierung, sein Schauspiel ist beeindruckend und intensiv. Doch auch Julianne Moore und Nicholas Hoult machen in ihren Nebenrollen eine ausgezeichnete Arbeit.

Insgesamt ist „A Single Man“ ein wunderbarer Film mit einer dichten Atmosphäre, perfekten Bildern und einer wirklich schönen, melancholischen Geschichte. Dank dem Schauspiel von Colin Firth fällt es dem Zuschauer leicht, sich in den Film fallen zu lassen und sich den berauschenden Bildern hinzugeben. Trotz allen Äußerlichkeiten und der anfänglich kühlen Atmosphäre, gibt es eine emotionale und berührende Geschichte zu entdecken, die man nicht so schnell vergisst.

Bewertung: 8,5/10

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