American Ultra

American_Ultra_Still_Film
© Concorde Filmverleih GmbH

Something very weird is happening to me: I keep killing people! There’s a chance I may be… a robot!

Mike und Phoebe sind das perfekte Loser-Paar. In schlabberigen Karohemden (die 90er lassen herzlich grüßen) verbringen sie ihre Tage in eintönigen Jobs, ihre Nächte kiffend auf dem heimischen Sofa. Dass Mike diese Heimat nicht verlassen kann, liegt an seinen Panikattacken, die ihn immer wieder heimsuchen und für die wiederum seine Ausbilder gesorgt haben – der ängstliche Nerd ist nämlich eigentlich ein Superagent mit nahezu übermenschlichen Kampffähigkeiten. Das findet er zufällig heraus, als er eines Abends von zwei Typen angegriffen wird und die beiden prompt ins Jenseits schickt. Die CIA will ihren ehemaligen Schützling nämlich aus dem Weg räumen – doch Mikes unvermutet bestens entwickelten Skills kommen den ausgesandten Agenten in die Quere.

American-Ultra-film-still
© Concorde Filmverleih GmbH

Die Kombination dieser Kampftechniken und dem ansonsten hochgradig verpeilten und auch sensiblen Charakter von Mike macht American Ultra so unterhaltsam. Das Sympathische an der ganzen Karate-Schiene ist nämlich, dass Mike’s Langsamkeit oder Verwirrtheit durch die neu dazugewonnenen Fähigkeiten keinesfalls abnehmen. Eben noch zackig einen Angreifer mit einer ungewöhnlichen Waffe niedergestreckt, verfolgt er im nächsten Moment verdutzt die Flugbahn einer herannahenden Handgranate. Die absolut authentische Darstellung des Kiffer-Typen von nebenan gelingt Jesse Eisenberg mühelos – inklusive hängenden Schultern, schlurfendem Gang und nuschelndem Gerede über Affen im Weltall. Natürlich ein wandelndes Klischee, aber ein sympathisches.

Weitere Klischees werden versammelt (der strahlende Arschkriecher, der ganz nach oben will, der Drogendealer mit dem Ghetto-Slang und die Bande vollkommen irrer Kampfmaschinen), nur um sie im nächsten Moment aufzubrechen und den Zuschauer aus seinen gewohnten Bahnen zu reißen. Überhaupt ist der Verlauf der Story einigermaßen unberechenbar, die Geschichte der Figuren ungewiss und die Gags unerwartet – trotz kleiner Schnelldurchlauf-Zusammenfassung zu Beginn von American Ultra. Ungewohnt ist auch die Gewaltdarstellung, die für einen Film dieses Kalibers relativ explizit ausfällt. Auch die Gag-Dichte ist unerwartet inkonsistent, es gibt zwar immer wieder Lacher, aber bei weitem nicht so gezielt und dicht aneinandergereiht wie erwartet. Dem Film wohnt außerdem eine sehr authentische und angenehm unkitschige Romantik inne, man hat das Gefühl, man hätte es mit echten Menschen zu tun, die echte Beziehungen führen – inklusive albernen Ich-vermisse-dich-Fotos bei Whatsapp oder dem gnadenlosen Austausch jeglicher hirnrissiger Gedanken im Drogenrausch.

american-ultra-film-still-1
© Concorde Filmverleih GmbH

Alles in allem ist American Ultra ein großer Spaß und überrascht mit einigen Brüchen hinsichtlich Genre und Story. Die große Liebeserklärung wird vollkommen selbstverständlich neben kopfexplodierende Action gereiht, was dem Ganzen eine gesunde Portion Skurrilität verleiht. Stark überzeichnete Charaktere, die trotzdem eine gewisse Authentizität ausstrahlen, coole Action-Szenen und mit Bedacht eingesetze Komik machen aus American Ultra den perfekten Film für alle 90s-Nerds mit Hang zum Groben. Einziger Makel sind einige unnötige Schlenker in der Story, die mittig für kleinere Längen sorgen, über die man aber problemlos hinwegsehen kann.

Bewertung: 8,5/10

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.