Auf dem Weg in die totale Überwachung: The Circle

© Universum Film GmbH & Co. KG

Mae bewirbt sich nach ihrem Studium erfolgreich bei einem Social-Media-Riesen. Schon bald merkt sie, dass dessen Gründer vorhat, die gesamte Welt transparent werden zu lassen, indem er jedem Menschen die Privatsphäre nimmt und alles und jeden mit Kameras ausstatten möchte. Während sie dieser Idee zuerst ablehnend gegenübersteht, ändert ein Unfall ihre Meinung, bei dem ihr nur jemand zur Hilfe kommen konnte, weil Kameras das Ganze filmten. Während sie das Projekt der totalen Überwachung zunächst erfolgreich vorantreibt, scheint es immer mehr außer Kontrolle zu geraten, woraufhin sie wiederum Zweifel an der Richtigkeit des Vorgehens beschleichen.

Der Anfang von The Circle ist durchaus gelungen. Die titelgebende Firma ist ein Konglomerat aus den fiktiven Pendants der drei großen Technologiekonzerne, welches wie Facebook arbeitet, wie Google organisiert ist und von einer Art Steve Jobs gegründet wurde. Die Arbeitsabläufe werden nachvollziehbar widergegeben und Tom Hanks‘ Verschnitt des ehemaligen Applechefs überzeugt ebenfalls restlos, auch wenn er leider nur eine Hand voll Auftritte hat. Gegen Beginn des zweiten Aktes aber bröckelt die Fassade und bis zum Ende schaffen die Filmemacher es nicht mehr, sie zu kitten. Es bleibt sogar fraglich, ob sie das überhaupt versuchen. Der Plot ist unmotiviert und konfus, enthält Logiklöcher und das Ende wirkt, als hätte man einfach aufgegeben, statt die letzten fünf Minuten noch zu drehen.

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Den Film 1984 etwas zu modernisieren und an aktuelle Technologie und potentielle Entwicklungen anzupassen, ist prinzipiell keine schlechte Idee. Im Grunde wirkt The Circle, als wäre genau diese Idee aufgegriffen, aber leider in eine andere Richtung verwirklicht worden. Statt das ursprüngliche Material zu erweitern, fasst der Film es gewissermaßen eher zusammen, ohne sich weiter damit zu beschäftigen. Es werden viele durchaus interessante Punkte und Probleme in Bezug auf das Wegfallen der Privatsphäre und der Generalüberwachung angeschnitten, aber nichts wird auch nur ansatzweise vertieft. Dadurch wirkt The Circle eher wie eine stark abgespeckte Version von 1984, welche nicht zu kritischem Denken anregen soll. Wobei diese Beschreibung dem Film nicht gerecht wird, denn man kommt kaum umhin darüber nachzudenken, wieso der von John Boyega gespielte Firmenchef Mae die Server zeigt, auf denen alle gesammelten Daten gespeichert werden, sie später aber bittet, niemandem zu erzählen, dass er es getan hat – obwohl er sehr genau wissen müsste, dass sie zu diesem Zeitpunkt bereits als öffentlich bekannte Testperson rund um die Uhr observiert wird. Darüber hinaus ist es auch in der Filmrealität undenkbar, dass so eine heikle Einrichtung, welche quasi das Heiligtum der Firma darstellt, nicht selbst lückenloser Überwachung unterliegt. So bleibt für The Circle am Schluss die einzige Gemeinsamkeit mit 1984, dass beide auf jeweils einem Roman basieren.

Generell hält sich der Film aus allem heraus und bleibt durchgehend neutral. Das wäre kein Problem oder vielleicht sogar wünschenswert, wenn er dem Zuschauer etwas an die Hand geben würde, aufgrund dessen er eigene Schlussfolgerungen ziehen könnte. Dadurch aber, dass kein Unterthema richtig beleuchtet wird und der Film zu nichts Position bezieht, gibt es keine Grundlage, um sich als Zuschauer eine Meinung zu bilden. Die von Emma Watson verkörperte Protagonistin bleibt durchgängig farblos und trifft Entscheidungen scheinbar ohne irgendwie darüber nachzudenken oder eine Motivation zu haben. The Circle hat in dieser Hinsicht also ein ganz ähnliches Problem wie Snowden, auch wenn letzterer in anderen Punkten mehr überzeugen konnte.

The Circle fängt interessant an, hat nach etwa einer halben Stunde sein Pulver aber schon wieder verschossen. Der mitunter hochkarätige Cast wird auf einen größtenteils undurchdachten Plot losgelassen und letzten Endes wirkt der Film wie eine auf die Schnelle produzierte Gelddruckmaschine, für die um jeden Preis – hier eben auf Kosten des Inhalts – ein erfolgreicher Roman adaptiert werden musste.

Bewertung: 4/10

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