Baskin

© Capelight Pictures/Central
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Denkt man hierzulande an türkische Filme, kommt einem wohl als erstes der Name Fatih Akin in den Sinn. Vielleicht ist dem einen oder anderen auch DKAO – Türken im Weltall aus den IMDb Bottom Rated Movies (die aktuell von einem weiteren türkischen Film von 2015 angeführt werden) ein Begriff. Dass der türkische Film mehr kann, zeigt Can Evrenol nun mit Baskin – zu deutsch: Razzia; Überfall -, welcher auf seinem gleichnamigen Kurzfilm basiert und als der erste international bekannte türkische Horrorfilm gehandelt wird.
Fünf Polizisten sitzen abends zusammen in einer Kneipe und scherzen und unterhalten sich in nicht gerade jugendfreier Manier. Als sie einem Notruf nach Verstärkung folgen und bei einem lange verlassenen Polizeirevier ankommen, erwartet sie buchstäblich die Hölle auf Erden.

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Baskin nimmt sich die Zeit für einen langsamen, spannenden Aufbau und packt den Zuschauer auch visuell, verliert sich in der zweiten Hälfte aber in wirren Handlungsfäden und mündet in ein pseudocleveres Ende, das relativ vorhersehbar ist. Die Spielfilmlänge scheint nicht dafür genutzt worden zu sein, etwas Substanzielles zu erzählen. Die religiöse Symbolik, mit welcher der Film Tiefe und Gehalt vortäuschen will, führt nirgendwo hin und ist nur für sich genommen sinnlos. Die Charaktere bleiben etwas farblos und wirken eher unsympathisch, was hier allerdings nicht unbedingt negativ und eventuell sogar beabsichtigt ist. Die Gore-Szenen wären wohl noch um einiges schwerer zu ertragen, hätten wir diese Polizisten liebgewonnen. Erstere muss man nicht mögen, wird aber zugeben müssen, dass sie mit viel Liebe zum Detail inszeniert sind. Anleihen an andere Werke finden sich auch außerhalb des Horrorgenres, so erinnert eine Auseinandersetzung zwischen einem der Polizisten und dem Kellner an eine Szene aus Goodfellas („But, I’m funny how? Funny like a clown?“), während die Art der Dialoge in der ersten Hälfte fast wie eine Tarantinoreminiszenz wirkt.

Baskin ist ein handwerklich gut gemachter, atmosphärischer Film, der vor allem in Sachen Musik und Look punktet, aber auch in Kombination mit den überzeugenden Leistungen der Schauspieler nicht über die dünne Story hinwegtäuschen kann.
Ich gebe einen „Motivationspunkt“ extra. Evrenol macht die Welt auf den türkischen Film aufmerksam und ebnet den Weg für nachfolgende Landsmänner. Der Regiedebütant hat bewiesen, dass er auf der großen Leinwand erzählen kann. Er braucht nur noch eine Geschichte, die es sich zu erzählen lohnt.

Bewertung: 6/10

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