Boogie Nights

Boogie-Nights-Still-Film
© Arthaus Filmverleih

„I got a feeling that behind those jeans is something wonderful just waiting to get out.

Es war einmal ein junger Mann, der nichts hatte und nichts wirklich gut konnte, aber zum Glück hatte er einen enorm großen Penis. Er war so gigantisch und der junge Mann war so gut im Bett, dass bald ein Pornofilm-Regisseur auf ihn aufmerksam wurde und die beiden von nun an viele tolle Filme zusammen drehten. Es waren die wilden Siebziger, alle trugen fetzige Klamotten, koksten sich die Nasenscheidewand weg, gingen auf krasse Partys und träumten vom großen Geld. In „Boogie Nights“ begleiten wir den jungen Eddie Adams (noch grün hinter den Ohren: Mark Wahlberg) in eben diese Szene, in der er dank seines ausgprägten Geschlechtsteils schnell aufsteigt. Doch die Berühmtheit, die vielen Komplimente und auch die unausweichliche Drogensucht bekommen dem Pornostar nicht gut.

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© Arthaus Filmverleih

„Boogie Nights“ ist ein detailverliebtes Siebziger-Feuerwerk, das vor allem in der ersten Stunde jede Menge Spaß macht. Wunderschöne Kamerafahrten durch allerlei Nacht-Etablissments, die teilweise die Grenzen zur Plansequenz überschreiten, zeigen das wilde Treiben und die vielen verrückten Menschen in all ihren Facetten. Allein die Ausstattung und die Kostüme ziehen den Zuschauer in den Bann, die interessante Geschichte und das Eintauchen in das Millieu der Pornoindustrie machen daraus eine Filmperle mit Seltenheitswert.

Obwohl anfangs besonderes Augenmerk auf die Geschichte des jungen Eddie Adams (später Dirk Diggler) gelegt wird, sind auch alle anderen Charaktere glaubwürdig und haben ihre eigenen Probleme, die den Film vielfältig machen und auflockern. Die Menge an Charakteren und deren Hintergründen machen aus „Boogie Nights“ eine Millieustudie, die immer wieder überrascht und interessiert. Die Stimmung im Film passt sich zudem wunderbar an die Lebensumstände des Protagonisten an. Was auch für den Zuschauer als ausgelassene Party mit vielen Lachern und Skurrilitäten beginnt, wandelt sich bald passend zum allmählichen Abstieg Digglers in ein Drama um, dem auch die anderen Charaktere zum Opfer fallen – sei es nun, weil sie aufgrund ihres Jobs ausgegrenzt und diskriminiert werden oder weil das Video allmählich die Filmrolle verdrängt.

Spannung, Spiel und Spaß gibt es vor allem in der ersten Hälfte von „Boogie Nights“, zwischenzeitlich hat der Film leider einige Längen. Mit seinen 150 Minuten Spielzeit gibt es trotz der vielen Witze, Dramen und Eigenartigkeiten immer wieder kleinere Hänger, die etwas langweilen können. Der Aufstieg und lange Fall eines Pornostars hätte hier und da vielleicht noch einige Schnitte gebrauchen können, verdichtet sich zum Ende hin aber glücklicherweise wieder, sodass der Gesamteindruck trotzdem positiv bleibt.

„Boogie Nights“ ist ein ungewöhnlicher und meisterhaft gemachter Film, der den Zuschauer voll und ganz in die Siebziger entführt. Tolle Schauspieler und eine grandiose Szenerie helfen dem Zuschauer über die eine oder andere Länge der Handlung hinweg und machen den Film zu einem außergewöhnlichen und interessanten Erlebnis.

Bewertung: 7,5/10

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