Byzantium

Byzantinum-Movie
© Universum Film

„I had eyes that cut through lies, I had lungs that breathed eternity. Felt I’d lived my whole wretched life just to prepare me for that moment.“

Vampire trinken Blut, sie mögen keinen Knoblauch, sterben im Sonnenlicht, schlafen in Särgen und können sich in Fledermäuse verwandeln. Dass diese Konventionen sich im Laufe der vielen Filmvampire immer wieder verändert haben ist bekannt, doch in „Byzantinum“ haben die Blutsauger wirklich nur noch sehr wenig mit dem traditionellen Graf Dracula von Anno Dazumal gemeinsam. Nicht einmal ihre Geburt wird durch einen beherzten Biss oder den Austausch mit Vampirblut bewerkstelligt. Stattdessen müssen die Sterblichen zu einer unheimlichen Insel reisen, eine vermoderte Hütte betreten und sich selbst begegnen, bevor die Verwandlung mit einer Dusche in blutigen Wasserfällen beendet ist.

Byzantium-Film-movie-saoirse-ronan„Byzantinum“ handelt von zwei Frauen, die eben diese Verwandlung vor über 200 Jahren durchgemacht haben. Die auf ewig 16-jährige Eleanor Webb schreibt gebetsmühlenartig ihre Lebensgeschichte auf unzählige Papierbögen, die anschließend im Wind zerrissen werden. Ihre Mutter Clara versucht derweil, ihren Lebensunterhalt mit Prostitution zu bestreiten. Auf ihrer Flucht vor einigen geheimnisvollen Männern gelangen sie eines Tages zufällig in das Küstendorf, in dem ihre Geschichte einst ihren Anfang nahm.

Das Mutter und Tochter Gespann, mit dem wir es in „Byzantium“ zu tun bekommen, könnte unterschiedlicher nicht sein. Mutter Clara wirkt aufgekratzt und wollüstig, während ihre Tochter Eleanor weise und zurückhaltend dargestellt wird. Diese Gegensätze sorgen im Laufe des Filmes immer wieder für Spannung und verändern sich mit fortschreitender Handlung. Besonders elegant und unterhaltsam ist die Erzählung der gegenwärtigen und vergangenen Geschichte gestaltet, die sich oft überschneidet und den Zuschauer sein Bild der Charaktere immer wieder revidieren lässt.

Die Geschichte der beiden Vampire wird in poetischen Bildern erzählt, die Hafenstadt wirkt fast wie ein menschenleerer Ort irgendwo am Ende der Welt. Ihrer blauen und kühlen Erscheinung wird der Ort der Verwandlung entgegengesetzt, der mit seinen Wasserfällen aus Blut optisch zu überzeugen weiß. Überhaupt wird sehr schön mit den Farben gespielt, rot und blau werden immer wieder spannungsvoll ins Verhältnis gesetzt und erzeugen direkt die passende Atmosphäre. Inmitten dieser Gegensätze erscheint die blasse Eleanor scheinbar unschuldig und vernunftgesteuert, rutscht nur ab und an in die Rolle des animalischen Vampirs ab. Saoirse Ronan macht ihre Sache sehByzantium-Film-movie-saoirse-ronanByzantium-Film-movie-saoirse-ronanr gut und füllt den Charakter perfekt aus, doch auch Gemma Arterton und vor allem Sam Riley machen schauspielerisch eine gute Figur.

Der Regisseur Neil Jordan liefert mit „Byzantium“ eine schöne Weiterführung von „Interview mit einem Vampir“, in dem er sich schon 1994 das erste Mal mit den Blutsaugern und ihrem Dasein beschäftigte. Auch „Byzantium“ kann mit eleganten Kompositionen und ästhetischen Bildern überzeugen, die Geschichte ist ansprechend, aber leider nicht bedingungslos fesselnd. Die Neugestaltung der Vampire und ihrer Fähigkeiten ist jedoch überraschend und vermag zu überzeugen, besonders die Verwandlung entpuppt sich als spannende und bildgewaltige Neuinterpretation.

Bewertung: 7,0/10

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