Circle

© Taggart Productions
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50 wohl zufällig ausgewählte Leute stehen auf roten Punkten in einem schwarzen Raum in konzentrischen Kreisen um eine Maschine. Wer seinen Punkt verlässt, wird von ihr getötet. Diese Art „in-medias-res-Mystery“ erinnert an Cube oder den japanischen Anime Gantz, aber auch an die Webserie The Vault, welche das erste Projekt der Macher von Circle war und einige Parallelen zu Cube aufweist. Der kleine Überraschungserfolg kann kostenlos auf YouTube angeschaut werden.

Unter „in-medias-res-Mystery“ fasse ich Filme mit folgendem Grundsetting zusammen: Der Film beginnt damit, dass eine bestimmte Anzahl Menschen in einen oder mehrere Räume gesperrt sind, ohne zu wissen, wo sie sind oder wie sie dorthin kamen. Nun müssen sie durch das Aufspüren und Kombinieren von diversen Hinweisen detektivisch den Ausweg finden. Meist weiß der Zuschauer nicht mehr als die Protagonisten und erlebt so jeden Schritt mit ihnen. Manchmal erhält er auch Informationen, die für die Figuren (zunächst oder überhaupt) nicht zugänglich sind. Bekanntester Vertreter dieses Subgenres dürfte die Saw-Reihe sein.

Wie in The Vault versuchen die Menschen in Circle, herauszufinden, wie sie der Situation entkommen bzw. in diesem Fall, wie sie überleben können. Dabei werden – ebenfalls ähnlich wie in The Vault – einige philosophische Grundfragen gestreift. Wer in der Schule Philosophieunterricht hatte, wird das Muster schnell erkennen. Die Fragen drehen sich um bekannte Beispiele der Art „zwei Menschen sind in Lebensgefahr, man kann nur einen retten, für wen wird man sich entscheiden?“ Während diese Fragen in The Vault integraler Bestandteil mit Auswirkungen auf die Handlung sind, wirkt es in Circle auf den ersten Blick eher wie ein nutzloses Gimmick, da die Diskussionen der Teilnehmer nur scheinbare Konsequenzen haben. Aber das ist wahrscheinlich genau der Sinn der Sache.

© Taggart Productions
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Wer seinen Punkt verlässt, stirbt sofort. Wer seinen Nachbarn berührt, stirbt sofort. Doch schon bald finden die Protagonisten heraus, dass sie auch demokratisch darüber abstimmen können, welcher der von der Maschine in unregelmäßigen Abständen vorgeschlagenen Kandidaten sterben soll. Manchmal wirken die Argumente zu rational für die Situation, oft aber schwingt die Panik und Todesangst mit. Es wird schamlos gelogen, um die eigenen Interessen durchzusetzen. Moral spielt keine Rolle, oft sterben die vermeintlich Guten und Unschuldigen.

Circle ist ein gut inszeniertes Kammerspiel mit einem schwachen Ende, das dafür sehr kurz gehalten ist und somit nicht all zu viel kaputt macht. Der Cast besteht überwiegend aus nicht ausgebildeten Schauspielern, einige Darsteller aus The Vault kamen auch hier zum Einsatz und das Schauspiel ist für Laien weitgehend überzeugend.

Wer sich nie mit Philosophie beschäftigt hat, wird mit Circle ein interessantes Gedankenexperiment entdecken und sollte sich den Film nicht entgehen lassen. Wer bereits entsprechende Vorkenntnisse besitzt, wird nicht ganz so beeindruckt sein, bekommt aber immer noch eine interessante Variante davon.

Bewertung: 6/10

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