Dallas Buyers Club

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© Paramount

Let me give y’all a little news flash. There ain’t nothin‘ out there can kill fuckin‘ Ron Woodroof in 30 days.

Ron Woodroof ist das personifizierte Texaner-Vorurteil: er liebt Rodeo, wohnt in einem dreckigen Campingwagen im Trailerpark, geht einem harten Männerjob nach, setzt niemals seinen Cowboyhut ab und ist homophob bis ins Mark. Das ändert sich zunächst auch nicht, als er die niederschmetternde Diagnose AIDS bekommt und die Prognose, dass er nur noch 30 Tage zu leben hat. Im Amerika des Jahres 1985 sind Medikamente gegen die tödliche Krankheit allerdings rar und die Zulassung der lebensrettenden Mittel lässt auf sich warten. Völlig verzweifelt greift Ron zu allen Mitteln, um am Leben zu bleiben – nicht nur, dass er anfängt massenhaft Medikamente zu schmuggeln, er freundet sich sogar mit einem homosexuellen Transvestiten an.

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Die unglaublichen 23,5 Kilo, die Matthew McConaughey für „Dallas Buyers Club“ abgenommen hat, haben sich gelohnt. Noch nie sah man den sonst so gesund aussehenden Schauspieler in derart abgemagerter Gestalt und diese Erscheinung verbunden mit seinem wirklich atemberaubend guten Schauspiel macht schon die halbe Miete von „Dallas Buyers Club“ aus. Obwohl Ron Woodroof vor allem anfangs kein sympathischer Charakter ist, fällt es leicht, ihn glaubwürdig zu finden und als Person zu akzeptieren. Obwohl die schauspielerischen Leistungen den ganzen Film über konstant bemerkenswert sind, sind es vor allem die emotionalen Momente, in denen Woodroof seine äußerliche Stärke aufgibt, die den Zuschauer erschaudern lassen. Auch Jared Leto, der übrigens auch außerhalb der Dreharbeiten ständig im Charakter blieb und ebenfalls gehörig abspeckte, vermag in der Rolle des homosexuellen Rayon zu überzeugen. Angesichts der tragischen Geschichte und des homophoben Hauptcharakters kann er stellenweise etwas auflockernde Komik in den Film zu bringen und mausert sich außerdem für mich persönlich zu einem der schönsten Transvestiten der Filmgeschichte. Jennifer Garner kommt im Vergleich mit diesen beiden exellenten Schauspielern leider etwas blass und eindimensional daher – es könnte aber auch an der wirklich langweiligen Figur der Ärztin Dr. Eve Sacks liegen, die als Moralapostel und Sauberfrau irgendwie die Stimmung verdirbt.

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Nach „Philadelphia“ ist „Dallas Buyers Club“ der erste große Hollywoodfilm seit langem, der sich vordergründig mit dem Thema AIDS auseinandersetzt – hoffentlich eine Entwicklung, die sich fortsetzen wird, ist doch noch lange nicht alles zu diesem Thema gesagt. Die Geschichte der Buyers Clubs Amerikas ist trotz aller Tragik spannend und unterhaltsam aufbereitet und vermag über die Filmlänge hinaus zu faszinieren. Obwohl im Mittelpunkt der Handlung die persönliche Geschichte von Ron Woodroof steht, wird auch die allgemeine Stellung der AIDS-Kranken und das Verhalten der Pharma-Industrie dieser Zeit eindrücklich und interessant präsentiert.

„Dallas Buyers Club“ ist auf ganzer Linie überzeugend und für mich einer der emotional packendsten Filme der letzten Monate. Die überaus beeindruckenden Performances von Matthew McConaughey und Nebendarsteller Jared Leto sowie die spannende und mitreißende Geschichte regt auch nach dem Filmgenuss zum Nachdenken an und lässt den Zuschauer tief bewegt zurück. Poetische Bilder und eine mehr als passende musikalische Untermalung runden das Filmerlebnis ab.

Bewertung: 9,5/10

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