Das cineastische Äquivalent zum Autounfall: Voll verkatert

© Universum/Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

Auf dem Papier klingt es erst mal super: Francis Underwood und Captain Koons unter der Regie des Mannes, der Kay und Jay durch die Men-in-Black-Reihe geführt hat. Als der erste Trailer zu Voll verkatert erschien, war ich ernsthaft davon überzeugt, es mit einem bewusst lustig inszenierten Faketrailer zu tun zu haben. Zu absurd wirkte alles, was da gezeigt wurde, zu groß die Namen, um sich für so etwas herzugeben. Doch der Film ist real und darüber hinaus noch nicht mal irgendeine Art Parodie auf Franchises wie Sharknado, sondern tatsächlich ernst gemeint. Es ist wirklich unfassbar.

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Voll verkatert ist eine Mischung aus Selfmade-Dad – Not macht erfinderisch, Klick und Shaggy Dog – Hör mal, wer da bellt. Selfmade-Dad: Kevin Spacey interessiert sich mehr für seinen Job als für seine Familie. Klick: Der Protagonist bekommt von Christopher Walken etwas, mithilfe dessen er letztlich den wahren Wert der Familie erkennt. Shaggy Dog: Der Protganonist landet in einem Hundekörper und bekommt so die Chance, seiner Familie wieder näher zu kommen. Voll verkatert: Kevin Spacey interessiert sich mehr für seinen Job als für seine Familie. Er bekommt von Christopher Walken etwas, mithilfe dessen er letztlich den wahren Wert der Familie erkennt. Er landet in einem Katzenkörper und bekommt so die Chance, seiner Familie näher zu kommen.

Voll verkatert weiß erzählerisch keine Einheitlichkeit zu finden und scheint sich auch nicht darüber bewusst zu sein, welche Zielgruppe er überhaupt ansprechen möchte. Erst mal deutet alles auf einen Kinderfilm hin, aber eine Szene in der sich jemand von einem Hochhaus scheinbar in den Tod stürzt, die auch bewusst als ernster Suizidversuch inszeniert ist, passt da alles andere als hinein. Zudem gibt es viele Businessmeetings zu sehen, die kein Kind der Welt und auch nur wenige Erwachsene interessieren. Bei ganzen fünf Drehbuchautoren, von denen zwei auch noch ihr Debüt abliefern, ist dieses Wirrwarr allerdings auch kein Wunder.

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Es ist schwerlich von der Hand zu weisen, dass Voll verkatert für alle Beteiligten lediglich die Möglichkeit war, einen dicken Scheck einzustreichen. Richtig Mühe gegeben zu haben scheint sich außer den meisten Schauspieler jedenfalls niemand: Das fängt bei so kleinen Dingen an, wie dass die Familie das Katzenklo direkt neben den Fressnapf stellt – da kann doch am Set mal jemand vor dem Drehen herkommen und einwenden, dass das keinen Sinn ergibt. Aber es scheint einfach niemanden interessiert zu haben.

Das ist nur eine kleine Auswahl an Kritikpunkten, aber trotz allen oder wahrscheinlicher gerade ihretwegen übt der Film eine gewisse Faszination aus. Es ist das cineastische Äquivalent zum überstrapazierten Autounfall, bei dem man nicht wegschauen kann – nur dass hier mit Spacey und Walken quasi ein Lamborghini in einen Ferrari kracht und das Ganze dadurch noch unglaublicher wird. Mir ist absolut klar, dass Voll verkatert ein miserabler Film ist und eher irgendwo bei 2/10 eingeordnet werden müsste: Das Buch stimmt nicht, die Regie stimmt nicht und auch sonst stimmt recht wenig. Aber für mich hat es auf seltsame Weise irgendwie doch halbwegs funktioniert: Walken, der für mich persönlich sowieso einer der besten Schauspieler ist, hat sichtlich Spaß an seiner lächerlichen Rolle. Die CGI-Katze ist als solche erkennbar, aber gemessen am restlichen Film überraschend gut (und viel besser als zum Beispiel in Garfield) realisiert, als hätte sich da wirklich jemand Mühe gegeben. Die Computereffekte werden auch tatsächlich nur dann eingesetzt, wenn es um Dinge geht, die eine echte Katze nicht tun kann.

Bewertung: 5/10

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