Das Fest

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© Arthaus Filmverleih

„Etwas Grauenhaftes passiert und alle sagen: Trinken wir doch einen Kaffee, singen wir ein Lied, lasst uns tanzen.“

Es geht weiter mit dem Umsetzen der guten Vorsätze und diesem äußerst interessanten dänischen Film vom 1998. Es geht um die Geburtstagsfeierlichkeiten des Familienoberhauptes, die auf einem Anwesen auf dem Land überbordend gefeiert werden sollen. Nachdem die drei Geschwister Christian, Michael und Helene die zahlreichen Gäste begrüßt haben, beginnt das Fest mit einem ausladenden Essen, bei dem viele der Anwesenden Tischreden auf das Geburtstagskind halten. So auch der älteste Sohn Christian, der seinem Vater allerdings während der Rede ungeheuerliche Anschuldigungen macht und sich allmählich zum Störenfried des Festes mausert.

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© Arthaus Filmverleih

Der Film zeigt auf eindrucksvolle Weise die Schwächen des gesellschaftlichen Konstruktes Familie, aber auch Themen wie Partnerschaft, Unterschiede zwischen den gesellschaftllichen Schichten und natürlich die Abgründe des Menschen spielen eine wichtige Rolle. Diese Vielschichtigkeit und das Zusammenspiel der sehr verschiedenen und wenig durchschaubaren Charaktere machen den Film wahnsinnig interessant und glaubwürdig. Sofort ist man von der Atmosphäre der Familienfeier gefesselt, weil sie sehr authentisch und realistisch vermittelt wird und man sich so gut ins Geschehen hineinversetzen kann.

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© Arthaus Filmverleih

Auch die Art und Weise wie der Film gemacht ist, trägt zu der Glaubwürdigkeit und Realitätsnähe bei, die man den gesamten Film über deutlich spüren kann. Der Film ist sehr direkt mit einer Handkamera gefilmt, was den Bildern den Charme eines Privatvideos verleiht. Auch der Ton ist direkt aus dem Geschehen abgenommen und der Film ist gänzlich ohne untermalende Musik oder Ähnliches gehalten, die diese private Atmosphäre zerstören könnte. Obwohl die Bilder so realistisch abgefilmt wurden, fällt jedoch die strenge Komposition und die häufig interessanten und beobachtenden Positionen der Kamera auf. Oft werden die Ereignisse von einer oberen Zimmerecke oder durch einen Zaun hindurch festgehalten, was den Zuschauer unvermittelt ins Geschehen bringt und ihn zu einem Passanten und teilweise geheimen Beobachter macht.

Der Film ist der erste, der nach den Regeln des Dogma 95 konzipiert und gedreht wurde. Dogma 95 ist ein Regelwerk, welches sehr strenge Richtlinien inne hat, an die sich der Regisseur zu halten hat. Das Manifest wurde von den dänischen Filmregisseuren Lars von Trier, Thomas Vinterberg, Kristian Levring und Søren Kragh-Jacobsen am 13. März 1995 unterzeichnet und hat folgende Regeln:

  1. Als Drehorte kommen ausschließlich Originalschauplätze in Frage, Requisiten dürfen nicht herbeigeschafft werden.
  2. Musik kann im Film vorkommen (zum Beispiel als Spiel einer Band), darf aber nicht nachträglich eingespielt werden.
  3. Zur Aufnahme dürfen ausschließlich Handkameras verwendet werden.
  4. Die Aufnahme erfolgt in Farbe, künstliche Beleuchtung ist nicht akzeptabel.
  5. Spezialeffekte und Filter sind verboten.
  6. Der Film darf keine Waffengewalt oder Morde zeigen.
  7. Zeitliche oder lokale Verfremdung ist verboten – d. h. der Film spielt hier und jetzt (also nicht etwa im Mittelalter oder in einer entfernten Zukunft oder in einem anderen als dem Produktionsland, auf einem fremden Planeten, in einer fremden Dimension o. Ä.).
  8. Es darf sich um keinen Genrefilm handeln.
  9. Das Filmformat muss Academy 35 mm sein.
  10. Der Regisseur darf weder im Vor- noch im Abspann erwähnt werden.

2005 wurden die Regeln von den maßgeblich mitentscheidenenden Regisseuren jedoch wieder etwas aufgeweicht und sie entfernten sich teilweise etwas von den Regeln, jeder kann nun selbst entscheiden, ob und wann sein Film den Richtlinien des Dogma 95 entspricht.

„Das Fest“ ist zusammen mit Lars von Triers „Idioten“ als erster Film dieser Bewegung zu betrachten und ist nicht nur deshalb äußerst interessant und überaus sehenswert. Handlung sowie Machart gehen eine wunderbare Symbiose ein, die den Film zu einem spannenden künstlerischem Erlebnis machen, der außerdem über die Maßen unterhaltsam ist. Großes Kino!

Bewertung: 9/10

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