Das Kinojahr 2016 – Die Rückschau

Endlich der letzte Tag im allgemein unbeliebten Jahr 2016. Wir nutzen die Gelegenheit und halten unsere jährliche Rückschau Wie immer total subjektiv, jeder mit seinen eigenen Kategorien und mit den Filmen, die das Jahr geprägt haben – egal ob alt oder neu. Über Meinungen, Filmtipps und andere Anregungen freuen wir uns in den Kommentaren.

© Koch Media/24 Bilder

Maria:

Bester Film: Swiss Army Man – Sehr überraschend, sehr individuell und sehr gut. Ausführliche Kritik gab es bereits hier.

Bester Horrorfilm: The Witch – Perfekt umgesetzter Horror mit einer unheimlichen Atmosphäre, grandiosen Darstellern und einem perfekten Setting. Erweckt tiefste Urängste und spielt dabei geschickt mit menschlichen Abgründen.

Beste Serie: Stranger Things – Haben alle gehypt, hat jeder geguckt – und das zurecht. Passt nicht nur perfekt zum aktuell vorherrschenden 80s-Revival-Retro-Zeitgeist, sondern überzeugt stilistisch und inhaltlich in jedem Detail. Perfektes Binge-Watching-Material.

Größte Enttäuschung: Rogue One: A Star Wars Story – Sehr egale Geschichte, flunderplatte Charaktere und wenig Zauber im Allgemeinen. Aber immerhin war Mads Mikkelsen dabei. Ausführliches Wehklagen hier.

Material für die ausladensten Diskussionen: The Neon Demon – Nicht gerade ein Film, der jedes Detail perfekt erklärt und gerade deshalb so interessant. Es gibt sowohl was die Handlung angeht als auch stilistisch jede Menge Diskussionsmaterial. Für mich bis jetzt mein Lieblingsfilm von Nicholas Winding Refn und einer meiner Favoriten des Jahres.

Nervigstes Kinopublikum: Ein Hologramm für den König – Als wäre dieser unheimlich uninteressante und langweilig inszenierte Film, den auch America’s Dreamheart Tom Hanks nicht rausreißen konnte, nicht schon schlimm genug gewesen, hatte das 50+Kinopublikum nichts Besseres zu tun als absolut an unpassenden Stellen zu lachen, zu kichern und eben gehörte Sätze zu wiederholen. Und das ungefähr alle 10 Sekunden.

Sehnsüchtigster Wunsch nach dem Ende: The Assassin – Trotz nur 105 Minuten Laufzeit dehnt sich dieser unheimlich langsame und ausschließlich in OmU vorgeführte Film bis in die Unendlichkeit und noch viel weiter.

Kult-Entdeckung: Die Klapperschlange – Unbedingte Empfehlung für jeden Science-Fiction-Fan. Perfekte Sprüche eines hartgesottenen Kurt Russell, coole Synthie-Musik und ein ziemlich perfektes Setting. Haufenweise wegweisende Elemente und Referenzen für die popkulturell Interessierten inklusive. (Hier hätte auch stehen können: Linie 1, Richie Guitar.)

Entdeckung des Unbekannten: Capricorn One – Eine 70er-Perle über den Weltraum, Verschwörungen und die Lügenpresse. Mit dabei: Hubschrauber, die sich wie Tiere benehmen und jede Menge unerwartete Wendungen. Unbedingte Empfehlung (vollständig vorhanden auf Youtube)!

© Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Jaschar:

William Goldman schrieb 1983 in seinem Buch Adventures in the Screen Trade: „Nobody knows anything.“ Kein Mensch kann wissen, wie ein Film beim Publikum ankommen wird. Nun da die Filme erschienen sind, zu denen ich letztes Jahr eine Prognose wagte, lässt sich überprüfen, wie oft ich richtig bzw. falsch lag. Ein besonderes Vergnügen des Filmkritikers ist es ja, dem Leser zu sagen, wieso ein Film gut wird, nur um hinterher genau erklären zu können, wieso der Film schlecht war.

Zoolander 2: Ich habe aufgrund des ersten Teils viel erwartet und fand ihn besser als die breite Masse, aber ja… man hätte auch auf den Film verzichten können. Kann man unter guilty pleasure verbuchen. 6/10

Hail, Caesar!: Die Coen-Brüder machen gute Filme, oder? Normalerweise kann man sich drauf verlassen, allerdings haben sie schon mit Ladykillers gezeigt, dass es eben nicht immer stimmt. Auch hier hat es einfach nicht so richtig gepasst. 6/10

Mallbrats: Wurde von einem Film mit Releasedatum 2016 zu einer Serie mit unbekanntem Releasedatum umfunktioniert.

Actors Anonymous: Für 2016 geplant gewesen, nun verschoben auf 2017.

The Jungle Book: Erwartungen erfüllt und für mich der viertbeste Film 2016 bisher. Kritik dazu gibts hier.

Crouching Tiger, Hidden Dragon: Sword of Destiny: Erwartungen nicht erfüllt. Generischer Wuxiafilm, dem das Herz des ersten Teils fehlt. 6/10

Zoomania: Erwartungen erfüllt, fünftbester Film bisher. Super animiert, spannende Geschichte mit nicht aufgezwungener Botschaft für groß und klein. 8/10

Kung Fu Panda 3: Den ersten fand ich gut, der zweite war inkonsistenter Unsinn, aber der dritte war dafür wieder wirklich gut. 8/10 und für mich der beste Film 2016 bisher.

X-Men Apocalypse: Von der generellen Kritik eher negativ aufgenommen und auch ich sehe deutliche Schwächen. Es hat dennoch zur 7/10 gereicht, weil wegen X-Men und isso. Vor die Wahl gestellt würde ich mir aber lieber noch mal Days of Future Past anschauen. Dann vielleicht die Quicksilverszene aus Apocalypse (die unbestritten cool und sicher ein Highlight des Films war – nur kennen wir sie halt schon aus dem letzten), um danach wieder den Vorgänger anzuschauen.

The First Avenger: Civil War: Viel zu lang. Paradebeispiel für „Nobody knows anything“ und meine Ansicht, man solle nichts auf Trailer geben: So wurde Spiderman im Trailer von vielen Zuschauern im Vorfeld stark kritisiert, nach Erscheinen des Films aber regelrecht in den Himmel gelobt.  7/10

Batman vs Superman: Dawn of Justice: Möglicherweise der einzige Film, der den Charakter Batman wirklich eingefangen hat, dafür war Eisenbergs Interpretation von Lex Luthor ziemlich daneben. Ansonsten noch so einiges falsch gemacht und zu lang. Da rettet auch die Ultimate Edition nichts. 6/10

Deadpool: R-Rated Superheromovie? Yes please. Mehr dazu gibts hier.

© Capelight / Koch Films / Central

Stephan:

Beste: Swiss Army Man – Wenn Paul Dano auf einer einsamen Insel strandet und dort die Leiche von Daniel Radcliffe findet, der dank seiner Fürze als Jetski benutzt werden kann, ist das der Beginn eines der großartigsten Filme aller Zeiten. Ein Film, der immer größer, verrückter und abgedrehter wird, der nebenbei die gesamte Moderne erklärt und eine der wohl schönsten und ungewöhnlichsten Freundschaften abbildet, die das Kino bisher gesehen hat. Dreimal gesehen, dreimal begeistert gewesen. Eine Seltenheit!

Entdeckung: Toni Erdmann – Maren Ades Drama um eine Tochter und einen Vater, die sich einander fremd geworden sind und dem Versuch, sich auf ungewöhnliche Weise wieder zu nähern, überzeugt durch starke Schauspieler, einen überraschenden Storyaufbau und amüsante Passagen, wo man sie am wenigsten erwarten würde. Einer der wohl besten deutschen Filme der vergangenen Jahre.

Größte Enttäuschung: Gilmore Girls: A Year in the Life – Seit der ersten Ankündigung der neuen Staffel wartete ich sehnsüchtig auf den 25. November. Umso größer war die Enttäuschung nach der ersten Folge, die leider nur ganz nett war. Mit jeder weiteren Folge offenbarte sich die mangelnde Entwicklung der Figuren (Ausnahme: Emily Gilmore, die sich als Witwe neu definiert) und deren uninspirierte Geschichten. Schade, hätte es doch viel Potential gegeben für spannende Plots, humorvolle Dialoge und die Beantwortung aller offen gebliebenen Fragen.

Meisterwartet: Freeheld – Jede Liebe ist gleich – Der einzige Film meiner Top 3 von 2016, den ich gesehen habe. Leider konnte der Film den hohen Erwartungen nicht gerecht werden und war stattdessen eine ganz nette Adaption der bedrückenden Geschichte um Laurel Hester. Das Thema hätte genügend Potential geboten, um die ungleiche Behandlung von homosexuellen Partnerschaften angemessen zu beleuchten. Stattdessen wurden die Probleme oberflächlich abgehandelt und die Beziehung zwischen den beiden schließlich vollständig verdrängt.

Zu Unrecht übersehen: Dope – Anfang des Jahres erschien dieses Meisterstück um Malcolm und seine Freunde, die sich für 90’er Rap und Punkrock begeistern. Nebenbei müssen sie sich als Außenseiter an der Schule mit ihren Bullys auseinandersetzen, Drogen für die Möglichkeit eines Studiums an einer Eliteuniversität unter die Leute bringen und sich gegen alltäglichen Rassismus erwehren. Leider erhielt der Film nicht die Beachtung, die er verdient hätte, obwohl er Situationen beschreibt, die uns spätestens seit der Wahl von Donald Trump nicht mehr ruhig schlafen lassen.

Beste Serie: Freaks and Geeks – Die Highschool-Serie um die ungleichen Geschwister Sam und Lindsay Weir von 1999/2000 setzt auf eine stete Weiterentwicklung der Figuren. So beschäftigt sie sich auf eine gelungene Weise progressiv mit Themen, vor deren Auseinandersetzung sich viele Serien auch heute noch scheuen (Besondere Empfehlung: Die Auseinandersetzung mit der Intrasexualität der ersten großen Liebe).

Beste Sneak: Sing Street – John Carneys Musikfilm ist eine Liebeserklärung an die Popmusik der 80’er Jahre, besetzt mit sympathischen Figuren und ist mit einer sehr gut erzählten Geschichte ausgestattet. Gelungene Überraschung, bitte mehr davon.

Schlechteste Sneak: Im Himmel trägt man hohe Schuhe – Das Krebsdrama um Toni Collette und Drew Barrymore war so langweilig und uninspiriert, dass der Film seine eigene Kritik bekam, die hier zu lesen ist.

Bester Bierlaunenfilm: WolfCop – Mysteriöse Mordfälle in einem kleinen Dorf und der einzige, der sie lösen kann, ist ein abgehalfterter, alkoholkranker Sheriff. Als ob das nicht genügen würde, wird er auch noch von einem Wolf gebissen wird und seitdem wächst ihm bei Vollmond überall ein dichtes Fell. Wer sich auf das Abenteuer einlässt, den erwarten viele Lacher und niemals enden wollender Wahnsinn.

Schlechteste Special Effects: Gods of Egypt – Ein Feuerwerk an miesem CGI kompensiert keine schwache Geschichte und lahme One-Liner sind kein Ersatz für Dialoge, die die Entwicklung der Beziehung zwischen den Figuren verständlich darstellen könnte. Selten einen Film gesehen, bei dem der Einsatz der Bluescreen-Technik so offensichtlich war und bei dem nicht mal der Versuch unternommen wurde, diesen Eindruck zu kaschieren.

Klassiker-Entdeckung: Apocalypse Now – Einer der wohl beeindruckendsten Anti-Kriegsfilme aller Zeiten, der durch eine sehr gelungene Besetzung und einer bildreiche Darstellung der Kriegsfolgen zu überzeugt.

© Sony Pictures Releasing GmbH

Gerrit:

Meine 10 besten Filme des Jahres ohne Reihenfolge:
Arrival [USA]
Crosscurrent [China]
Green Room [USA]
Hell or High Water [USA]
High-Rise [UK]
Nocturnal Animals [USA]
Sing Street [Irland]
Swiss Army Man [USA]
The Nice Guys [USA]
The Waling [Südkorea]

Honorable Mentions: A War [Dänemark], Blue Jay [USA], Captain America: Civil War [USA], Captain Fantastic [USA], Don’t Think Twice [USA], Elle [Frankreich], Hunt for the Wilderpeople [Neuseeland], Kubo and the Two Strings [USA], Midnight Special [USA], Remainder [UK], Suburra [Italien], The Lobster [Griechenland/UK], The Witch [USA]

Rückblick zu den Erwartungen:
Auch wenn sich Triple 9 als zwar extrem gut besetzter, aber im Endeffekt nur mittelmäßiger Möchtegern-Heat herausstellte, haben es die anderen beiden, von mir meist erwarteten Filmen sogar in meine Top-10 geschafft. High-Rise entpuppte sich als die zynische, von schwarzem Humor triefende Gesellschaftssatire, die zwar die Zuschauer in der Rezeption spaltete, aber eingefleischte Ben-Wheatley-Fans wie mich verzückte und — ich wage das zu behaupten — J.G. Ballard stolz gemacht hätte. Und auch Shane Blacks The Nice Guys war die erhoffte Mischung aus genialen Dialogen, aberwitziger Situationskomik und einem großartig aufgelegtem Duo mit perfekter Chemie, die durch eine abstruse und trotzdem spannende Handlung stolpern. Ryan Gosling liefert unerwartet eine der lustigsten Schauspielerleistungen der letzten 5-10 Jahre ab. Es ist eine Schande, dass solch intelligente und trotzdem unglaublich witzige Komödien eine Seltenheit geworden sind und es auch bleiben werden, schaut man sich das enttäuschende Einspielergebnis an.

Größte Überraschung des Jahres:
Swiss Army Man galt nach seiner Festivalpremiere unter einigen Stimmen als infantiler Film über eine furzende Leiche. Und es ist verständlich, die Reaktion auf Leinwandflatulenz ist beim anspruchsvollen Kinogänger wie im echten Leben das Rümpfen der Nase. Der Grund dieses Problems liegt bei der inflationären Nutzung in Komödien, sobald den Machern die Ideen ausgehen. Überraschend ist an Swiss Army Man vieles: seine Einzigartigkeit, seine Vielschichtigkeit, sein Soundtrack, Daniel Ratcliffes unglaubliche Schauspielleistung als Leiche. Doch die größte Errungenschaft ist seine Emanzipation des Darmwindes, sowohl in der Thematisierung und der Darstellung. Natürlich wird der Film nicht jeden ansprechen, besonders nicht diejenigen, die lieber unter Schmerzen ihre Blähung unterdrücken. Ich werde mein Lob für diesen Film nicht unterdrücken, denn es war etwas besonderes, bei dem ersten Backenflattern zu lachen und beim letzten zu weinen.

Größte Enttäuschung des Jahres:
Das Jahr 2016 hatte auch viele schlechte Filme zu bieten, denen ich leider nicht entkommen bin. So musste ich leider solche Stinker wie Miss You Already, Army of One, Morgan, Jane Got a Gun, The Forest, Mojave, Independence Day: Resurgence, Sisters, Bad Moms, London Has Fallen und Now You See Me 2 ertragen. Doch meine Erwartungen waren bei keinem dieser Filme hoch. Anders war es jedoch bei Assassin’s Creed. Zwar habe ich die Spiele nie gezockt, doch hatte dieser Film die Möglichkeit und somit meine Hoffnung, den Fluch schlechter Videospielverfilmungen zu brechen und die Tore für ernstzunehmende Adaptionen mit ansehnlichem Budget zu öffnen, etwas, was Warcraft leider nur im Ansatz gelungen ist. Doch stolpert der seelenlose Blockbuster durch eine krude, teils unfreiwilig komische Handlung, die sich lieber mit unsympathischen Charakteren beschäftigt als aufregende Action zu zeigen. Die Chance ist vertan, meine Erwartungen bei der neuen Tomb-Raider-Verfilmung gehen gegen Null, auf Adaptionen von Uncharted oder Metal Gear Solid hoffe ich gar nicht erst.

Beste Schauspielerleistung des Jahres:
Mit Arrival und Nocturnal Animals beendet Amy Adams das Jahr mit zwei solche majestätischen Leistungen, dass man glatt ihre undankbare Rolle in Batman v Superman: Dawn of Justice vergisst. Es hat lange gedauert, sie wieder in einem Film zu sehen nach ihrer guten Leistung im enttäuschenden Big Eyes, doch das Vertrauen in sie hat sich gelohnt. Zwar ist sie in Nocturnal Animals nur ein Teil eines Ensembles, jedoch übernimmt sie den schwierigsten Part und meistert die mimische Zumutung, wie Susan, die in ihrem Gesicht die kalte, emotionslose Welt um sie herum widerspiegelt, langsam die Gefühlsachterbahn mitbekommt, in die sie sich unwissentlich setzte. Dagegen gehört Arrival komplett Adams und ihrem Talent. In der affektivsten Leistung des Jahres dient sie nicht nur als Anker für den Zuschauer, sondern lässt ihren Charakter der Sprachwissenschaftlerin Louise fühlbar werden, indem sie jeden Moment in wundervoller Natürlichkeit rüberbringt, sei es das Staunen über neue Erfahrungen, die berufliche Arroganz aus ihrer immensen Intelligenz oder einfach nur die Trauer über die isolierte Stille, in die sie sich manövriert. Jede Geste fühlt sich authentisch an in diesem übernatürlichen Szenario. Das überraschende, emotionale Ende des Filmes wäre ohne eine solch nuancierte Darstellung komplett zusammengebrochen. Dass eine subtile Leistung wie diese am Ende mit Preisen überhäuft wird, ist zu bezweifeln, in meinem Herzen hat Amy Adams aber jeden davon schon gewonnen.

© Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Philip:

Bester Film: Deadpool – die lustigste Comicverfilmung des Jahres. Deadpool bringt den Witz und die Schlagfertigkeit, die ich mir für alle Spiderman-Filme (ever) gewünscht hätte. Dazu ist der Film cheesy und albern wie Kick-Ass.

Aufguss des Jahres: X-Men Apocalypse erzählt einfach die Geschichte von X-Men: Days of Future Past noch einmal und stellt bei der Gelegenheit die neue zweite Generation der X-Men vor. Dabei glänzen weder die lustlosen Stars des Prequels noch die zu kurz kommende neue Darstellertruppe. Statt spannenden Figuren gibt es eine Zerstörungsorie a la Roland Emmerich. Dazu gewinnt Oscar Isaac die goldene Ananas für das klobigste Kostüm seit Arnold Schwarzenegger als Mr. Freeze.

Überschätzt: Star Trek Beyond hat einige gute Momente (Sabotage!) aber anstatt die Mannschaft der Enterprise zusammen auf die Bühne zu stellen, zerfällt der Film in kleine Einzelgeschichten. Besonders schwach fand ich diesmal Chris Pines Kirk, der nicht mal dann wie ein cooler Anführer wirkt, wenn man ihm einen extraverängstigten Anton Yelchin(†) als Chechov zur Seite stellt. Der Film wirkt ein wenig wie eine „Krieg gegen den Terror“ Metapher, auch werden viele Plotpoints nicht gespielt, sondern in Dialogen transportiert.

Noch schlechter als erwartet: Suicide Quad – zugegebenermaßen habe ich wenig erwartet und DC Verfilmungen sind ja traditionell mies, dennoch ließ mich dieser Film kopfschüttelnd zurück. Der Film basiert auf dem mit großem Pinsel aufgetragenen Sexappeal von Harley Quinn, und auf der steilen These rund um die Figur Deadshot, dass man ein perfekter Killer sein kann und trotzdem ein treusorgender Vater – und der Film einem das als Definition des Soldatentums verkaufen will. Leider muss das Drehbuch selbst einem 13jährigen mit ADHS löchrig erscheinen. Die Hälfte des Casts ist einfach nur dabei. Nicht lustig, nicht spannend und wirr.

Besser als erwartet: Dr. Strange – Die Hauptrolle mit Benedict Cumberbatch als arrogantem Karrierearzt perfekt besetzt. Marvel gelingt es weit besser als DC gute Geschichten zu erzählen. Mads Mikkelsen ist als Bösewicht Kaecilius gar nicht so schlecht. Das Drehbuch bedient sich zwar schamlos bei Edge of Tomorrow, das Setdesign bei Inception und die Trickeffekte beim Computerspiel Portal, aber hier wurde an den richtigen Stellen geklaut. Die Mischung passt. Der esoterische Part rund im Tilda Swinton war mir ein wenig zu schmalzig, aber sonst ist der Film sehr unterhaltsam und lustig.

Wiederentdeckung: Vergiss mein nicht (Eternal Sunshine of the Spotless Mind) – Michel Gondrys wunderbar zusammengepuzzelte Liebesgeschichte mit Jim Carrey und Kate Winslet bewegt sich zwischen albernstem Quatsch und unglaublich intimen und authentischen Einblicken in eine Beziehung. Das Drehbuch von Charlie Kaufman (der u.a auch Adaption und Being John Malkovic geschrieben hat) wurde 2005 mit dem Oscar prämiert. Zurecht!

Unbedingt nochmal ansehen: Hail Caesar! der Gebrüder Coen ist eine Hommage an das Hollywood-Monumentalkino der 50er Jahre. Auch diesem Film könnte man vorwerfen, dass er statt eines spannenden Handlungsbogens viele kleine parallele Episoden erzählt. Ich persönlich finde jede einzelne Nebenhandlung witzig und überraschend, das Casting überirdisch, die Anspielungen an Quo Vadis, Musicalfilme und Western der 50er zum Schießen. Eine Liebeserklärung an das Kino.

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