Das letzte Einhorn

© Filmwelt Verleihagentur GmbH

Am Anfang von Das letzte Einhorn erfährt das titelgebende Fabelwesen von zwei seinen Wald durchstreifenden Jägern, dass es keine anderen Einhörner mehr in der Welt gibt. Zunächst unfähig, es auch nur für möglich zu halten, dass Einhörner einfach verschwinden können, plagen es dennoch immer mehr Zweifel. Als schließlich ein vorbeifliegender Schmetterling (der teilweise ziemlich absurdes Zeug von sich gibt und für einige Lacher sorgt) dem Einhorn bestätigt, dass es das letzte ist, und die anderen alle vom Roten Stier vertrieben wurden, verlässt es den Wald, um seine Artgenossen zu finden.

© Filmwelt Verleihagentur GmbH

Aus dem sowieso schon hervorragenden deutschen Voicecast sticht Christopher Lee als König Haggard noch einmal gesondert heraus. Er synchronisiert sich in der deutschen Fassung selbst (die englische habe ich nie gesehen und werde es vielleicht nie tun; auch wenn sie mit Mia Farrow als das Einhorn, Alan Arkin als Schmendrick und Jeff Bridges als Prinz Lir glänzend besetzt zu sein scheint, zumindest prominenter als die deutsche) und seine Stimme in Kombination mit dem Akzent sorgt für jede Menge Atmosphäre. Es ist, als würde der Ton den Weg über die Ohren umgehen und sich direkt ins Hirn fressen. König Haggard ist ein gebrochener, einsamer, egoistischer, verbitterter Mann, und dank Lees großartiger Synchronarbeit spüren wir das bei jedem Wort aus seinem Mund. Für mich ist Lees Performance die beste deutsche Synchronleistung aller Zeiten.

Das letzte Einhorn ist von 1982 und natürlich kann man heutzutage visuell wesentlich beeindruckendere Filme produzieren, dennoch handelt es sich um einen wunderschönen und mit Liebe hergestellten Zeichentrickfilm. Kein Wunder – animiert wurde er vom Vorgänger des weltberühmten Studio Ghibli. Kritisieren könnte man das Design des Einhorns selbst, welches nicht gerade proportional aussieht. Weitere Kritik diesbezüglich lasse ich nicht gelten, da manche Bewegungen zwar hölzern wirken mögen und auch die Hintergründe manchmal etwas detailarm sind, aber dies für mich grade den Charme der Animation dieses Films ausmacht.

© Filmwelt Verleihagentur GmbH

Der Titelsong ist legendär und das dazugehörige Album The Last Unicorn verhalf der Band America zu einem Comeback. Der Song Now That I’m A Woman ist in der deutschen Fassung äußerst interessant umgesetzt: Er ist nicht nur übersetzt; der Originalgesang läuft im Hintergrund, während die deutsche Stimme leicht zeitversetzt den Text spricht, statt ihn zu singen. Meines Wissens wurde das noch in keinem Film so gemacht, zuvor nicht und auch nicht danach, und es ist ein simpler, aber brillanter Kniff. Das Lied wirkt auf diese Weise noch verträumter und surrealer.

Das letzte Einhorn ist eine manchmal traurige, manchmal lustige, manchmal demotivierende und manchmal ermutigende Geschichte mit exzellenter Musik. Doch am Ende gibt es immer noch Hoffnung. Immer. Zu oft wird ein Zeichentrickfilm als Kinderfilm aufgefasst oder gar vermarktet, nur weil es sich um Zeichentrick handelt, aber ein wirklich guter Kinderfilm spricht sowohl Kinder als auch Erwachsene an. Das letzte Einhorn ist ein zeitloser Klassiker und einer der handverlesenen Filme, denen ich die Höchstwertung gebe.

Bewertung: 10/10

One Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.