Das perfekte Verbrechen

© Warner Bros. Pictures Germany
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Ted Crawford entdeckt, dass seine Frau ihn betrügt. Daher erschießt er sie, wird verhaftet, gibt ein Geständnis ab und damit scheint der Fall abgeschlossen zu sein. Aus diesem Grund entscheidet sich Willy Beachum dafür, die Rolle des Anklägers zu übernehmen, kurz bevor er von der Staatsanwaltschaft in die freie Wirtschaft wechseln wird. Aber dann wird der Fall komplexer und Willy stellt fest, dass Ted ein ernstzunehmender Gegner ist.

Dabei weiß vor allem Anthony Hopkins seine Rolle als intrigierender Ehemann auszufüllen, der einen raffinierten Plan entwickelt hat, den er geduldig durchführt. Er lässt sich nicht beirren und schafft es, sich von der Rolle des Täters in die des Opfers zu begeben.
Ryan Gosling gelingt es zwar gut, seinen Charakter darzustellen, der sich von der Staatsanwaltschaft bereits verabschiedet hat und sich auf seine Tätigkeit in einer namhaften Kanzlei vorbereitet. Jedoch wirkt seine Figur eindimensional und deren Entwicklung ist wenig überraschend. So verkörpert er das typische Bild eines Anwalts, der erst während des Verlaufs des Films erkennt, was für ihn wirklich wichtig ist, und das ist – Überraschung – nicht der persönliche Profit.

Dies zeigt sich auch in seiner Kleidung. Trägt er zu Beginn einen Smoking, wird er zunehmend legerer, bis er schließlich alltäglich wirkt, wenn er sich für ein T-Shirt und Jeans entscheidet. Gleichzeitig wird sein Ideal für ihn bedeutender als die Möglichkeit, beruflich und privat neue Wege einzuschlagen. Dieses Bild wirkt wenig innovativ und auch die Entwicklung, die er durchmacht, ist vorhersehbar.

Dies gilt auch für die Musik, die Situationen dramatischer wirken lässt als sie eigentlich sind. Statt sie zur Unterstreichung des Gezeigten zu verwenden, werden Situationen in einer Weise erhöht, die dieser nicht gerecht werden. Außerdem sorgt der übermäßige Einsatz von Musik dafür, dass der Zuschauer zwischenzeitlich den Fokus auf die Geschichte verliert und es auch nicht wichtig ist, ob die sich anbahnende Beziehung zwischen Willy Beachum und seiner Vorgesetzten Nikki Gardner funktionieren kann. Dabei weiß Rosamund Pike ihre Rolle auszufüllen und präsentiert eine starke Frauenfigur, die eigenständig über ihr Berufs- und Sexleben entscheidet und auch Verantwortung für Willy übernimmt.

Ein besonders anstrengender Moment ist, als Willy entdeckt, wie der Plan von Ted funktioniert und dafür ein Flashback mit gelbem Filter verwendet wird.  Dabei werden auch Szenen gezeigt, die der Zuschauer erst wenige Sekunden zuvor gesehen und noch im Gedächtnis hat, jedoch so behandelt wird als ob das kurz zuvor Gesehene schon wieder vergessen wurde. Das der Film trotz dieser Schwächen funktioniert, ist dem Plot und der überzeugenden Performance von Anthony Hopkins zu verdanken. Diese Mischung sorgt dafür, dass die Figur Ted in ihrer Perfidität deutlich wird. Daraus leitet sich auch das Verständnis ab, dass hinter der Durchführung des Mordversuchs eine lange Vorbereitungszeit liegt. Dadurch konnte Ted bereits im Vorfeld potentielle Schwächen erkennen und diese ausmerzen.

Insgesamt schafft es Das perfekte Verbrechen trotz seiner Schwächen, Spannung aufzubauen und eine Geschichte zu erzählen, die zu überraschen weiß. Vor allem die Darbietungen von Anthony Hopkins und Rosamund Pike in ihren Nebenrollen tragen zur Lebendigkeit ihrer Figuren bei. Dies gelingt Ryan Gosling weniger gut, da er auf ein typisches Bild vom karriererefixierten Anwalt reduziert wird, das schon zu häufig in Filmen gezeichnet wurde, die sich diesem Berufsbild annehmen. Das Ryan Gosling  auch komplexere Figuren darstellen kann, hat er bereits mehrfach gezeigt, jedoch bietet ihm das Drehbuch nicht die Möglichkeit dafür.

Bewertung: 5/10

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