Der Butler

THE BUTLER
© Prokino

Jemand wollte die Geschichte eines Butlers erzählen, der sich ganz nach dem Vorbild des American Dream vom armen Baumwollpflücker zum Diener des mächtigsten Mannes der Welt hocharbeitet. Nun kann man ja die Geschichte eines Menschenlebens nur schwerlich erzählen ohne die äußeren Einflüsse durch Gesellschaft oder Politik zu erwähnen – wodurch man gezwungen ist, zumindest auch diese Einflüsse noch ein wenig in die filmische Biografie einzuarbeiten. Und auch die Familie, die Kinder und Kindeskinder, das Berufsumfeld und die Freunde beeinflussen eine Person nicht unerheblich, was es unerlässlich macht, auch diesen Hintergrund eingehend auszuleuchten. Irgendwann muss man sich eben entscheiden, einen Schwerpunkt setzen, zu Gunsten des einen Handlungsstranges etwas Anderes weglassen – und genau an dieser Stelle liegt das Problem bei „Der Butler“.

THE BUTLER
© Prokino

An vielen Stellen des Films gibt es Parallelen zu „Forrest Gump“, wird doch in beiden Filmen eine besondere Biografie erzählt und beide Hauptpersonen treffen berühmte Männer und Frauen, die das moderne Amerika geprägt haben, beide legen quasi den Sprung vom Tellerwäscher zum Millionär hin. Doch anders als bei „Forrest Gump“, der sich mehr als alles andere auf die Hauptperson konzentriert, verfolgen wir bei „Der Butler“ auch die Geschichte eines ganzen Volkes von der Unterdrückung auf Baumwollplantagen bis hin zur letztendlichen Eroberung des mächtigsten Jobs Amerikas. Wir erleben die Höhen und Tiefen der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung, die gesellschaftlichen Umbrüche, die Diskriminierung, das Kommen und Gehen amerikanischer Präsdenten und deren Auffassungen, den Vietnam-Krieg – das volle Programm amerikanische Geschichte.

Dabei verliert der Film leider seinen namensgebenden Hauptcharakter aus den Augen und wirkt in der Schwerpunktsetzung mehr als unentschlossen. Mehr als einmal erlebt der Zuschauer die harten Worte der amerikanischen Präsidenten gegen die afroamerikanische Bevölkerung und das hilflose Gesicht des Butlers in der Ecke und versteht nicht immer die Beweggründe des Protagonisten. Nur hin und wieder flüstert er den Präsidenten leise Vernunft ein, sonst stellt er sein Leben völlig in den Dienst des weißen Mannes, vernachlässigt Frau und Kinder – doch warum? Der Zuschauer erfährt nur wenig über den Charakter dieses Mannes, denn es muss ja lieber noch schnell die Geschichte der Black Panther erzählt werden – schade.

Robin Williams in Der Butler
© Prokino

„Der Butler“ ist nicht nur ein Film, der vor allem gegen Ende vor Patriotismus nur so strotzt, sondern auch ein Schaulaufen der Hollywood-Stars. Die grandiose Performance von Forest Whitaker und das überraschend gute schauspielerische Können von Oprah Winfrey vermögen es, den Film an vielen Stellen zu retten und die teilweise aufkommende Langeweile zu besiegen. Sonst kann sich der Zuschauer an den zahlreichen Auftritten großer Berühmtheiten erfreuen und ein unterhaltsames Rätselraten veranstalten, wer wohl unter der dicken Maske steckt. Besonders die Besetzung der Präsidenten sorgt immer wieder für Erstaunen und mitunter Erheiterung.

Insgesamt ist „Der Butler“ ein größtenteils unterhaltsamer, wenn auch ein wenig zu dick aufgetragener Film, der vor allem durch seine Schauspieler getragen wird. Die amerikanische Geschichte ist zwar interessant, ist aber leider an vielen Stellen überrepräsentiert und erdrückt die eigentlich interessante Geschichte der Charaktere. Aus den vielen Themen, die in „Der Butler“ angeschnitten werden, hätte man ohne Probleme Hunderte Filme machen können.

Bewertung: 6,0/10

5 Comments

      1. Wie schon du anfangs sagtest, eine Menge Hintergrund muss eben dazu gegeben werden, um sich besser in die damalige Situation hineinzufühlen. Aber wenn mal nicht mal wirklich was von ihm selbst als um das Drumherum erfährt… Da haben sie wohl das Ziel schon gleich zu Anfang aus den Augen verloren. :/

        Auf jeden Fall gute Rezi. 😉

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