Der Elefantenmensch

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© Silver Cine

“ If only I could find her, so she could see me with such lovely friends here now; perhaps she could love me as I am. I’ve tried so hard to be good.“

„Der Elefantenmensch“ erzählt die Geschichte von John Merrick, der an einer starken Deformation seines Kopfes und Oberkörpers leidet und dadurch sein Leben lang ausgegrenzt und zur Schau gestellt wurde. Als ihn eines Tages der Arzt Dr. Frederick Treves entdeckt, ändert sich sein Leben schlagartig. Nachdem ihn der Arzt zunächst nur für wissenschaftliche Zwecke im Krankenhaus behält, entwickelt sich schnell eine Freundschaft zwischen den beiden als Dr. Treves herausfindet, dass John intelligent und gebildet ist. Fortan versucht er, John in die Gesellschaft einzugliedern, doch die Schaulustigen finden immer wieder einen Weg in Johns Zimmer und auch sein ehemaliger „Besitzer“ möchte seine lukrativste Sensation nicht verlieren.

Regisseur David Lynch entführt uns in seinem ersten kommerziell erfolgreichen Film in das viktorianische London und präsentiert uns nicht nur einen gequälten Menschen, sondern auch eine grausame Gesellschaft, die sich am Elend anderer weidet. Und ein wenig macht Lynch den Zuschauer auch zu einem neugierigen Schaulustigen, enthält er ihm das Aussehen des Elefantenmenschen doch am Anfang des Filmes eine ganze Weile vor. Wie der Arzt Dr. Treves lernt auch der Zuschauer John Merrick erst nach und nach kennen, kann sich langsam an sein entstelltes Aussehen gewöhnen und wird schließlich von seiner Intelligenz und Bildung überrascht.

Anthony Hopkins‘ Rolle ist eine sehr dankbare, wird er doch nach anfänglichen Schwierigkeiten stets als einfühlsamer und toleranter Mensch dargestellt, der kein Wässerchen trüben kann. Der Schauspieler, der übrigens durch diese Rolle für die Rolle des Hannibal Lecter ausgewählt wurde, macht seine Sache aber sehr gut und zieht die Sympathie des Zuschauers auf sich. Bemerkenswert ist auch die schauspielerische Arbeit von John Hurt, der trotz der beengenden Maske eine sehr gute Leistung abliefert und allein mit seiner brüchigen Stimme Gefühle transportiert.

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© Silver Cine

Obwohl der emotionale Ton des Films öfter an der Grenze zur Kitschigkeit entlangschrammt, vor allem als John scheinbar in die feine Gesellschaft aufgenommen wird, wird doch nie die Außenseiterposition des Elefantenmenschen und die Schwierigkeit seines Lebens außer Acht gelassen. Oft während und auch nach dem Sichten des Films denkt man über die Reaktion der Gesellschaft nach, würde der Elefantenmensch heute leben. In erster Linie leidet man aber mit John Merrick, dem armen Verstoßenen, der nie Liebe oder Mitgefühl erfahren hat und sich für jede kleine Geste unendlich dankbar zeigt.

Der Film beruht auf dem Leben von Joseph Carey Merrick und bewegt sich relativ nahe an den Ereignissen um seine Person, auch wenn er in Wirklichkeit ein ruhiges Leben im Krankenhaus führte. Für die Maske wurden Gipsabdrücke genutzt, die damals aus wissenschaftlichen Zwecken gemacht wurden – dadurch konnte eine hohe Genauigkeit bei der Darstellung seiner Deformation gehalten werden. Das Anlegen der Maske dauerte etwa 7-8 Stunden und die Beweglichkeit von John Hurt wurde stark eingeschränkt, sodass er nach dem ersten Drehtag seine Frau anrief: „I think they finally managed to make me hate acting.“

„Der Elefantenmensch“ ist ein interessanter und berührender Film, der von Menschlichkeit und Toleranz erzählt, gleichzeitig aber auch der Gesellschaft den Spiegel vorhält. Durch das körnige Schwarz-Weiß-Bild fühlt man sich in das viktorianische London versetzt, die Charaktere wirken authentisch und glaubwürdig.

Bewertung: 7,5/10

3 Comments

  1. So weit sind wir gedanklich ja nicht voneinander weg. 🙂

    Da du keinen Ping geschickt hattest, wusste ich jetzt nicht genau, ob es als Beitrag zu Ein Film – Viele Blogger gezählt werden sollte, aber ich hatte es mit in die Liste genommen – kann ja nicht schaden. Freue mich auf jeden Fall, wenn man auch zu den anderen Filmen etwas bei dir finden wird. Ich brauche auch langsam jemanden, der weitere Filme auswählt/präsentiert, also wenn du magst, können wir das in Angriff nehmen. 😉

    1. Ich finde die Aktion jedenfalls ziemlich toll und würde das gerne mal ausrichten! Da ich an dem Tag nicht da war, konnte ich leider keinen Link schicken. Aber ich finds super, dass es mein Beitrag trotzdem in die Liste geschafft hat 🙂

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