Der Gott des Gemetzels

Der Film hält, was der Titel verspricht, aber nicht sehr viel mehr. Als der Film noch im Kino war, wurde man regelrecht mit Lobpreisungen seiner Freunde und Bekannten überschüttet, stets begleitet von dem Satz: Den musst du dir angucken! Sowas ist generell problematisch, denn mit der steigenden Anzahl dieser Ausrufe, sinkt meine Lust und mein Interesse, mir diesen Film anzusehen. ABER auf DVD erschienen und in der Videothek ständig vor Augen, konnte ich nicht mehr fliehen. Mit dem Plot ungefähr bekannt (zwei Ehepaare streiten sich), war ich auf die Umsetzung und die möglichen Überraschungen gespannt. Ich dachte eben, man kann doch nicht 90 Minuten nur mit zwei streitenden Ehepaaren füllen und dabei interessant bleiben. Kann man auch nicht. Nach 30 Minuten war ich gelangweilt, nach 60 Minuten nahe dran, auszuschalten. Doch ich hielt durch, mit hoffnungsvollem Blick auf ein mögliches unerwartetes Finale. Auf einen Umschwung, eine Wendung, mit der niemand rechnen konnte! Ein völliges Verlieren jeder Kontrolle! Nackte, kotzende Wilde, die sich in einem Moment in Extase umklammern und im nächsten Moment brutal übereinander herfallen und sich auffressen, ein Ausbrechen aus dieser Wohnung, ein Ortswechsel in die Wildnis, den man anders als beim Theater (wo das Stück ja eigentlich herkommt) im Film ja wunderbar machen kann, ein Sprengen des Rahmens! Natürlich sprengen die Figuren den Rahmen der gesellschaftlichen Konventionen, sie benehmen sich daneben und treiben den Betrachter in die Fremdscham. Aber das hätte alles mit viel mehr Pauken und Trompeten gehen können, extatischer, und so auch für den Zuschauer interessant. Natürlich ist es schön, Christoph Waltz‘ subtiles Mienenspiel zu betrachten, aber außer der Emotionpalette Wut, Stichelei und aufgesetzte Freundlichkeit gibt es noch eine Reihe anderer Gefühle, die den Zuschauer sicherlich angeregt hätten und diese Vielseitigkeit macht doch letztendlich auch einen guten Schauspieler aus. Wenn man also (wie viele) sagt, die Schauspieler wären sehr gut gewesen, mag das sicher stimmen, aber über die Eindimensionalität des Stoffes und die sehr eingeschränkten Palette hinauszugehen, wäre für den Zuschauer sicherlich spannender gewesen, als sich „Hans Landa“ als Ehemann anzusehen. Wäre das Ehepaar Winslet/Waltz doch einfach in den Aufzug gestiegen!

Bewertung: 4/10

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