Der mit dem Wolf tanzt

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© Neue Constantin Film

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Eingeborener
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Wir schreiben das Jahr 1989. Das Genre „Western“ ist tot, genauso wie viele legendäre Filmemacher dieser Sparte. Der noch relativ unbekannte Schauspieler Kevin Costner startet im Juli als Regisseur die Dreharbeiten zu einem 180-minütigen Westernepos, das mit extremen Weitwinkelobjektiven, vielen untertitelten Szenen, in denen eine fast ausgestorbene Indianersprache gesprochen wird, und einer Herde Büffel von 3500 Tieren aufwartet. Sehr bald wird klar, dass man weder die veranschlagte Zeit von 3 Monaten einhalten können wird, noch sehr niedrig veranschlagte Budget von 16 Millionen Dollar ausreichen wird. Kevin Costner, der an den Erfolg des Filmes glaubt, investiert seine Gage von 3 Millionen Dollar in den Film und wird somit zum Produzenten. Die äußeren Bedingungen zwingen die Crew oft in die Knie: das äußerst unbeständige Wetter South Dakotas, das Problem einen unzähmbaren Wolf dazu zu bringen, mitzuspielen, die aufwändigen Indianerkampfszenen und natürlich die Büffelherde erweisen sich als schwer zu lenkende Faktoren. Allein der Dreh der Büffelszene dauert 3 Wochen und erfordert 100 Indianer-Stuntmen, zu allem Überfluss stürzt Kevin Costner beim Dreh vom Pferd und bricht sich beinahe den Rücken. Da 25% der Dialogszenen in der Lakota-Sprache gehalten sind, wird eine Sprachtrainerin eingesetzt, die den Indianerdarstellern in mühsamer Kleinarbeit die Sprache und vor allem die schwierige Aussprache näherbringen soll – eine weitere Zeitverzögerung. Basierend auf dem größten Misserfolg der Westerngeschichte „Heavens Gate“ von Michael Cimino, spotten bald allerhand skeptische Kritiker über den Film als „Costners Gate“. Doch Costners Beharrlichkeit zahlt sich aus. Als der Film 1990 in die Kinos kommt, spielt er das Zwanzigfache seiner Produktionskosten ein, wird 12-mal für die Oscars nominiert, wovon er 7 Stück erhält, unter anderem für „Besten Film“ und „Besten Regisseur“. Kevin Costner wird für seine authentische und menschliche Darstellung der Sioux-Indianer von diesen zum Ehrenmitglied des Volkes gemacht und es folgen erneut erfolgreiche Extended-Versionen des Films. Wenn das mal nicht der Inbegriff des amerikanischen Traums ist. Irgendwie.

Es ist also vollbracht. Lang gefürchtet habe ich mich nun endlich diesem Epos, diesem Monster von Filmminuten gestellt und gewonnen. Unwissend über die Tatsache, dass ich in der Videothek die Extended Version dieses Klassikers in die Hand bekommen hatte, habe ich mich ehrenhaft durch 227 Minuten Westernlegende gekämpft. Ich bin stolz wie Bolle und habe außerdem eine Entdeckung gemacht, die mich wirklich überrascht hat: ich habe mich (fast) nicht gelangweilt und der Film war wirklich schön. Endlose Landschaften, die größer und eindrucksvoller kaum sein können, authentische Charaktere, eine interessante (und lehrreiche) Geschichte und eine wunderbare Atmosphäre, in die man sich voll und ganz fallen lassen kann, machen diesen Film zu etwas ganz Besonderem und wirklich sehenswert. Die Augen können sich kaum sattsehen, an den majestätischen Horizonten und den wild aussehenden Indianern. Ich kann jedem nur empfehlen, sich mal einen Nachmittag Zeit zu nehmen und sich diesen Klassiker der 90er zu Gemüte zu führen. Die handelsübliche 180 Minuten Version tuts aber ganz bestimmt auch…

Bewertung: 7,5/10

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