Der Schrecken vom Amazonas

© Universal
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Forscher finden in der Nähe des Amazonas eine seltsame, fossilierte Art Echsenhand mit Schwimmhäuten. Nachdem entsprechende Untersuchungen im Labor die Echtheit des Fundes bestätigen, vermutet man die verbleibenden Überreste der Kreatur in der so genannten schwarzen Lagune. Dort angekommen entdeckt die Expeditionsgruppe zwar kein Skelett, dafür ein lebendes Exemplar dieser unbekannten Spezies. Dieses fängt dann auch bald an, einzelne Mitglieder zu töten. Für Kay Lawrence, die einzige Forscherin im Team, scheint das Wesen jedoch Gefühle zu entwickeln.

Der Schrecken vom Amazonas ist eine Art umgekehrter Home-Invasion-Film mit „Die Schöne und das Biest“-Thematik. Die Gruppe dringt in die abgeschiedene Lagune ein, dem Zuhause der Kreatur. Das Biest greift zwar von sich aus und als erstes an, aber das kann man als Verteidigungsstrategie des Wohnraums begreifen. Während es für die Männer keine Gnade kennt, behandelt es Kay beinahe ehrfürchtig und versucht sich ihr anzunähern.

Oft ist es so, dass ein Film zu Ende ist, die Geschichte aber noch nicht. Das kann zum Beispiel in der Form eines bewusst offenen Endes oder der eines schlechten Endes geschehen. Hier jedoch haben wir es mit einem sehr ungewöhnlichen Phänomen zu tun: Nachdem die Geschichte zu Ende erzählt ist, hört der Film einfach auf. Es gibt keine Konklusion, kein letztes, einprägsames Bild – nichts dergleichen, nur ein simples „The End“. Kurios. Besonders, da man bei einer Laufzeit von 79 Minuten genügend Zeit dafür gehabt hätte – und sogar bereits im Vorfeld einige weitere Minuten hätte einsparen können.

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Als Kay die (reiner plotconvenience geschuldete) Entscheidung trifft, schwimmen zu gehen, bekommen wir als Zuschauer die schönste Szene des Films zu sehen, die ihm aber leider auch am meisten schadet. Während Kay nämlich nichtsahnend ihre Bahnen zieht, wird sie unter der Oberfläche von der Kreatur begleitet – die beiden führen eine Art erotisch aufgeladenes Unterwasserballet auf, das gleichzeitig faszinierend und beklemmend ist. Die Filmemacher scheinen sich allerdings – durchaus verständlich – zu sehr in diese Szene verliebt zu haben. Sie haben sich von ihr zu sehr in den Bann ziehen lassen. Denn was als anschauliches Spiel beginnt, wird zu einer unnötig in die Länge gezogenen Sequenz, die den Bogen überspannt und jegliches Momentum aus dem Film nimmt.

Auch wenn der Der Schrecken vom Amazonas vielleicht etwas zu viele Unterwasserszenen enthält, sind sie doch allesamt hervorragend umgesetzt. Ich würde sogar soweit gehen, sie zu den besten Unterwasserszenen der Filmgeschichte zu zählen. Dass man einen Mann 1954 in ein handgefertigtes Kostüm steckt und es auch bei heutiger Betrachtung eines Film ohne jegliches CGI so wirkt, als würde da ein echtes Fischmonster schwimmen, ist zudem mehr als beeindruckend. Die Zuschauer damals müssen vollkommen überwältigt gewesen sein – vor allem da der Film seinerzeit in 3D präsentiert wurde. Die Landszenen ziehen im Vergleich eindeutig den kürzeren, sind aber dennoch sehr solide gefilmt.

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Der Film kam so gut an, dass er in den zwei Folgejahren je ein Sequel bekam, welche aber nicht an diese an seinen Erfolg anschließen konnten. Die Kreatur – auch Gill-man genannt – wurde neben dem Wolf Man oder Dracula zu einem der ikonischen Monster der Universalstudios, welche in den Dreißigern und Vierzigern den Horrorfilmmarkt dominierten, im Gegensatz zu diesen gab es aber keine literarische Vorlage. Seit Anfang der Achtziger tauchte immer mal wieder die Idee eines Remakes auf und 2015 wurde Scarlett Johannsen die Hauptrolle angeboten, während einige Monate später Jeff Pinker (The Amazing Spider-Man 2) als Autor verpflichtet wurde.

Der Schrecken vom Amazonas ist ein gut inszenierter Film mit einigen Pacingproblemen und einem zu abrupten Ende.

Bewertung: 7/10

horrorctober-2016

Das war ein Beitrag zur Blog-Aktion „The Ghost of Horrorctober“ der Blogger-Freunde von Cinecouch. Wir nehmen gern teil und werden deshalb den Oktober über 13 Horrorfilme schauen und besprechen. Alle anderen Teilnehmer und weitere Infos gibt es drüben bei der Cinecouch. Schaut mal rein!

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