Der Untertan

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„Diederich Heßling war ein weiches Kind, das am liebsten träumte, sich vor allem fürchtete und viel an den Ohren litt.“

Diederich Heßling – es hat wohl kaum jemals einen passenderen Namen für einen kleinbürgerlichen Tyrann gegeben. Zunächst unterdrückt vom übermachtigen Vater und den Lehrern in der Schule, entwickelt sich das weiche Kind zu einem kaisertreuen Widerling, der die Schwachen und Armen tyrannisiert und vor den untertan1Reichen und Mächtigen kriecht. Als er nach seinem Studium die Papierfabrik seines Vaters leiten soll, sieht er seine Chance, in die oberen Ränge der Gesellschaft aufzusteigen, gekommen.

Mit beißendem Witz und viel Geschick erzählt der Regisseur Wolfgang Staudte die Geschichte des Ekelpakets und zitiert stellenweise wörtlich aus Heinrich Manns Roman, der die intelligente Vorlage für „Der Untertan“ ist. Unterhaltsam und amüsant, aber auch erschreckend fällt diese Charakterstudie des hörigen Deutschen aus, der buckelt und gleichermaßen tritt. Allem voran erwähnenswert ist dabei die Performance von Werner Peters, der die Rolle des Diederich Heßling facettenreich und trotz Überspitzung glaubwürdig verkörpert. Eine passendere Verkörperung des kaisertreuen Fanatikers (inklusive deutscher Barttracht – die trägt auch der Kaiser so!) gab es wohl selten.

der_untertan3_redAuch formal kann der Film überzeugen, so wird die Hauptperson beispielsweise gern aus Frosch- oder Vogelperspektive gezeigt, je nachdem, ob gebuckelt oder getreten wird – ein einfacher Trick, der seine Wirkung jedoch nicht verfehlt. Ein Highlight sind außerdem die Schnitte, die sehr oft jede Menge Witz transportieren oder als Match-Cuts einfach sehr schön anzusehen sind. Abgesehen davon wird auch häufig humoristisch mit den Gemälden im Hintergrund gearbeitet – ebenfalls eine schöne und interessante Art die Handlung voranzutreiben.

„Der Untertan“ ist ein gleichermaßen spannender wie politisch aktueller Film, vor allem angesichts der Entwicklungen in ganz Europa. Sowohl die filmische Arbeit von Wolfgang Staudte als auch das schauspielerische Können Werner Peters‘ machen den Film zu einem Klassiker, der mit beeindruckender Komik und politischem Biss überzeugt.

Bewertung: 7,5/10

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