Desierto – Tödliche Hetzjagd

© Ascot Elite Home Entertainment
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Moises will als Teil einer Gruppe von Mexikanern illegal in die USA einreisen, doch leider bleibt der Schleppertruck aufgrund eines kaputten Motors mitten in den Badlands stehen. Schnell wird sich von dem Rückschlag erholt und es geht zu Fuß weiter. Nicht nur wegen den vorhandenen Wasservorräten ist die Hitze nicht das größte Problem – Möchtegernpatriot Sam und sein abgerichteter Hund machen Jagd auf die Einwanderer.

Desierto – Tödliche Hetzjagd hat – ob jetzt geplant oder zufällig – auf jeden Fall schon mal eine Sache richtig gemacht: Der Film ist zu einem Zeitpunkt erschienen, an dem er aktueller nicht sein könnte. Sam ist ein Vorzeigerassist, der leider gar nicht so fiktiv ist wie man es bei solchen Charakteren gerne hätte. Seine Tierliebe ist stark ausgeprägt, was – wenn man sich mal durch entsprechende Facebookprofile klickt – tatsächlich sehr häufig bei Rechten vorzukommen scheint (Umkehrschlüsse lassen sich daraus natürlich nicht ziehen). Aktualität weist der Film aber auch wegen Trumps Mauerbauplänen auf. Bei all dem bleibt Desierto aber erfreulich unpolitisch, vermeidet den erhobenen Zeigefinger und versucht nicht, den Zuschauer zu belehren.

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Sam ist ein exzellenter Schütze, tötet er doch problemlos in kurzer Zeit zwölf Flüchtlinge mit seinem Gewehr, während sie in Bewegung sind. Moises allerdings scheint ein Schutzschild um sich zu haben, denn ausgerechnet diesen trifft Sam nie, egal wie oft er es versucht und egal wie günstig die Ausgangsbedingungen für einen gezielten Schuss sind. Ob Moises still steht und/oder Sam alle Zeit zum Anvisieren hat – die Kugel verfehlt den Mexikaner jedes Mal aufs Neue, was praktischerweise dafür sorgt, dass der Film nicht nach zwanzig Minuten vorbei ist. Unpraktischerweise sorgt es auch dafür, dass ein gutes Stück Spannung verloren geht und der fehlende Realismus beziehungsweise die Inkonsistenz von Sams Zielgenauigkeit den Zuschauer aus dem Filmerlebnis reißt.

Sam wird von Jeffrey Dean Morgan verkörpert, der momentan vor allem als Negan aus der Serie The Walking Dead bekannt sein dürfte. Er und Gael García Bernal (Moises; bekannt aus der Serie Mozart in the Jungle) gehören mit zum Besten, was der Film zu bieten hat, vor allem Morgan überzeugt mit seinem Schauspiel.

Die musikalische Untermalung wird sehr sparsam und wirkungsvoll eingesetzt, wobei die eigentliche Wirkung gerade im Weglassen der Musik zum Tragen kommt. So wirkt die visuell gut eingefangene Wüste noch verlassener und bedrohlicher.

Desierto – Tödliche Hetzjagd bleibt von Anfang bis Ende formelhaft und vorhersehbar und kann gerade mal mit zwei coolen Szenen aufwarten, wovon eine zugegebenermaßen schon richtig cool ist und bei mir für einen Extrapunkt sorgt. Desierto wird von Mexiko als Bester fremdsprachiger Film bei den Oscars eingereicht – große Chancen sollten sich die Macher aber nicht ausrechnen.

Bewertung: 6/10

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