Home » Filmrezensionen » Die kritischen Drei: Deadpool

Die kritischen Drei: Deadpool

© Twentieth Century Fox of Germany GmbH

© Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Jaschar:

Der Film in 100 Worten: Wade Wilson erkrankt an Krebs und fürchtet, deshalb seine Freundin zu verlieren. Als ihm im Rahmen eines Geheimprogramms Heilung angeboten wird, lässt er sich nach einigem Zögern darauf ein und wird nach einem langwierigen Prozess schließlich zu Deadpool. Deadpool ist das Herzensprojekt von Hauptdarsteller Ryan Reynolds, der elf Jahre lang versuchte, diesen Film auf die Beine zu stellen. Die Figur hat er schon einmal dargestellt, genau so wie andere Comicfiguren in diversen Filmen, von denen man den Großteil am liebsten vergessen möchte. Man verrät wohl nicht zuviel, wenn man sagt, dass diese Verfilmung nicht so schnell in Vergessenheit geraten wird.

Beste Szene: Die Pizzalieferung und die Seitenhiebe auf X-Men origins: Wolverine und Marvel, wenn Deadpool mal wieder die vierte Wand durchbricht.

Schlechteste Szene: Gibt es nur im eigentlichen Sinne des Wortes. Der Film ist trotz allem relativ formelhaft und die Rückblenden wirken nicht wie die bestmögliche Entscheidung, die Geschichte zu erzählen. Das ist nicht schlecht, aber auch nicht mehr als Standard.

Zu empfehlen? Deadpool traut sich etwas – wenn auch nicht genügend – und bricht Box-Office-Rekorde (bestes Eröffnungswochenende eines R-rated Films, ein Rekord der bisher von Matrix Reloaded seit 2003 gehalten wurde (welcher sich selbst inflationsbereinigt geschlagen geben muss); erster R-rated Film mit einem Eröffnungswochende von über 100 Mio. Dollar (ohne Inflationsbereinigung); bestes Eröffnungswochenende eines Erstlingsregisseurs usw.). Es hat einen Grund, wieso ich das R-Rating so betone: Geld ist die einzige Sprache, die Hollywood versteht, und wenn so ein Streifen finanziellen Erfolg hat, bekommen wir in Zukunft hoffentlich viele weitere Filme, die nicht wegen einer PG-13-Freigabe kaputtgeschnitten werden. Man darf sich an den Kinderkrankheiten nicht stören. Wir brauchen Filme, die aus den gewohnten Mustern ausbrechen, und dürfen nicht erwarten, dass sie es von Anfang an perfekt tun. Wenn sie Präzendenzfälle schaffen, ist damit alles erreicht. Fans der Comicvorlage dürfte der Film uneingeschränkt gefallen, ich bin damit allerdings nicht sonderlich vertraut.

Bewertung: 7/10

© Twentieth Century Fox of Germany GmbH

© Twentieth Century Fox of Germany GmbH

DieFilmguckerin:

Der Film in 100 Worten: Es musste ja so kommen. Nachdem Ant-Man mit zarteren Tönen in dieselbe Kerbe geschlagen hat, wird in Deadpool der moderne Superheldenfilm messerscharf analysiert, verarscht und selbstreferenziell nachgestellt. Es sind besonders die Szenen, in denen der Protagonist sich zum Publikum wendet und auf die Mechanismen des Films aufmerksam macht, die Deadpool so interessant machen. Die üblichen Anspielungen auf alle möglichen popkulturellen Referenzen, die im Moment so modern sind, sind selbstverständlich vorhanden, sind aber im Gegensatz zu den massenhaft eingestreuten Onelinern sehr lustig. Hinzu gesellen sich eine überraschend romantische Liebesgeschichte und eine ebenfalls sehr überraschende explizite Gewaltdarstellung.

Beste Szene: Ganz eindeutig die Credits am Anfang. Sehr coole Musik, herrlich infantiler Text und eine extrem coole Slow-Motion-Kamerafahrt durch ein sich überschlagendes Auto, die den Zuschauer dazu animiert, niederzuknien und den Göttern des CGI zu huldigen.

Schlechteste Szene: Im Grunde hat mir das gesamte Finale nicht gefallen, weil es die eigentliche Selbstreferenzialität, die im Film immer wieder ausgekostet wurde, irgendwie doch hinwegfegt. Besonders die Sache mit dem Glasbehälter, in dem Vanessa gerettet wird, ist dämlich und unlogisch.

Zu empfehlen? Deadpool macht auf jeden Fall Spaß, vor allem, wenn man schon den einen oder anderen Superheldenfilm aus dem Hause Marvel gesehen hat. Die Handlung ist leider recht vorhersehbar und wenig innovativ, auch wenn es ein netter Kniff ist, Deadpool selbst die volle Kontrolle über die Erzählung der Geschichte zu geben. Ich bin gespannt, was sich Marvel noch so einfallen lässt, um weiterhin Zuschauer in Superheldenfilme zu locken.

Bewertung: 7/10

© Twentieth Century Fox of Germany GmbH

© Twentieth Century Fox of Germany GmbH

StephanH:

Der Film in 100 Worten:  Die Pause zwischen Avengers: Age of Ultron und dem sehnsüchtig erwarteten The First Avenger: Civil War muss gefüllt werden. Daher gab es Ant-Man mit seinem ersten Kinofilm, ein Reboot der Fantastic Four und jetzt folgt der wichtigste Anti-Held des Marveluniversums. Deadpool verspricht, eine großartige Mischung aus schwarzem Humor, sinnloser Gewalt und packender Story zu liefern.
Kurz zum Inhalt: Wade Wilson, ehemaliges Special-Force-Mitglied, arbeitet als Söldner, bis er seiner großen Liebe begegnet. Alle scheinen bis an ihr Lebensende glücklich zu werden, doch dann kommt die Diagnose Krebs. Diese bewegt Wade dazu, einem gefährlichen Experiment zuzustimmen, was ungeahnte Folgen annimmt und zu Deadpools Entstehung führt.

Beste Szene: Die Eröffnungsszene erfüllt genau die Erwartungen. In Zeitlupe durchschlagen Kugeln die verschiedensten Körperteile, Blut fließt in rauen Mengen und 4 von 5 Sprüchen sind auch wirklich witzig. Ryan Reynolds weiß bereits ab der ersten Minute den Zuschauer für seine Figur zu interessieren und lässt einen die Frage stellen, was hier eigentlich gerade passiert. Leider bleibt das auch eine der wenigen guten Szenen, da der Film kontinuierlich abbaut.

Schlechteste Szene: Der Endkampf ist so langweilig wie man es bei der größten Hoffnung nicht erwartet hatte. Gelingt es Deadpool doch bereits in den ersten fünf Minuten des Films, Francis Freeman (Ed Skrein) zu besiegen, kann dieses Duell keine Spannung mehr bieten. Ganz zu schweigen von der ungemeinen Zerstörungswelle, die keine Freude zu erzeugen weiß, noch dem kitschigen Abschluss, der so vorhersehbar wie unausweichlich ist.

Zu empfehlen? Für Marvelfans ist dieser Film sicherlich ein Genuss, zügelt er doch wenigstens die Ungeduld bis zum Erscheinen von The First Avenger: Civil War. Für alle anderen lohnt sich die erste Hälfte. Zwar kommen danach noch ganz gute Witze, die Story hält aber nicht mehr viel parat, was man woanders nicht irgendwann besser gesehen hat. Wer Ryan Reynolds in einer wirklich fiesen Komödie sehen will, die sich bis zum Ende an Bosartigkeit steigert, dem sei The Voices ans Herz gelegt.

Bewertung: 4,5/10

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *