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Die kritischen Drei: Zootopia

© The Walt Disney Company Germany GmbH

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StephanH:

Der Film in 100 Worten: Judy Hopps(Ginnifer Goodwin) ist eine junge, ambitionierte Häsin, der es als erste ihrer Art gelingt, die Polizeiakademie erfolgreich abzuschließen.  So findet sie sich kurz darauf in Zootopia wieder und kann ihren Traumberuf ausüben. Jedoch gestaltet sich alles schwieriger als gedacht und zum  Eingewöhnen bleibt keine Zeit. Als sie ihren ersten Fall erhält, hat sie 48 Stunden, um diesen zu lösen. Ihre einzige Hilfe dabei ist der Kleinkriminielle Nick Wilde (Jason Bateman). Gemeinsam erkunden sie die unterschiedlichsten Viertel der Stadt, die alle Tierarten ihr Zuhause nennen und kommen einem größeren Verbrechen auf die Spur, als sie anfangs vermutet haben.

Beste Szene: Eine beste Szene in diesem Film fällt schwer zu benennen, denn es gibt so viele Witze, die einfach grandios umgesetzt sind und zu unterhalten wissen. Daher fälle ich meine Wahl exemplarisch. So hatte ich viel Spaß in der Szene, als Judy und Nick zum Hauptquartier der Wölfe kommen und dabei auf eine Patrouille treffen, die so aussieht wie Liam Neeson. Ob das beabsichtigt ist, bleibt ein offenes Rätsel. Aber es passt in jedem Fall.

Schlechteste Szene: Product Placement bei Zootopia. Immer wiederkehrend. Ob es sich um diverse Apple-Produkte handelt oder die Jawbone Tracker, die in verschiedenen Szenen auftauchen, sie schaffen es, die Freude an dem Film schmerzlich zu mindern. Darauf hätte verzichtet werden können und der Film hätte davon nur profitiert.

Zu empfehlen? Trotz des Makels der übermäßigen Produktpreisung ist Zootopia ein gelungener Animationsfilm, der durch Humor überzeugt, aber auch eine sehr treffende Kritik an der derzeitigen Entwicklung des ansteigenden Rechtspopulismus in der westlichen Welt zu formulieren weiß. Lobenswert sind auch die Synchronsprecher neben Ginnifer Goodwin und Jason Bateman wie beispielsweise Idris Elba oder J.K. Simmons, die einen großartigen Job leisten und dem Film damit Leben einzuhauchen wissen

Bewertung: 8/10

© The Walt Disney Company Germany GmbH

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GerritH:

Der Film in 100 Worten: Wreck-It Ralph, Frozen, Big Hero 6 – Auf Walt Disney Animation Studios ist Verlass, wenn es um solide Animationsunterhaltung geht, doch mit Schwergewicht und Schwesterfirma Pixar können sie sich nicht messen. Altbackene Konventionen überschatten oft die Qualitäten dieser Werke. Gerade deshalb wirkt Zootopia so erfrischend, weil er sich mit altbackenen Konventionen zweier Genres auseinandersetzt, denen er sich selber zuschreibt. Halb Buddy-Actionkomödie, halb Neo-Noir und sich dessen bewusst, führt der Film uns in eine durchdachte und detailverliebte (Utopie-)Welt, die nur von Ideen, Filmzitaten und cleverem Witz trotzt. Da verzeiht man auch gerne den etwas vorhersehbaren Plot, der weniger ideenreich ist als die Einzelszenen, die er zusammenhält.

Beste Szene: Glücklicherweise habe ich nicht den Trailer vor dem Film gesehen, der fast die komplette, beste Szene zeigt. Die Idee, Faultiere als Analogie zur extrem langsamen und dauern in der Kritik stehenden Bearbeitung im Department of Motor Vehicles zu nehmen, ist schon genial in sich. Doch wie die Szene genüsslich langsam ausgespielt wird, ist komödiantisches Gold und sorgt für Bauchschmerzen vor Lachen.

Schlechteste Szene: Der Song „Try Everything“ von Shakira ist schon nervig genug am Anfang des Filmes, aber ihn dann nochmal beim Abspann zu einer Szene mit all den Charakteren bei einem Konzert von ihr zu spielen, war dann echt zu viel. Der Drang ist hoch, trotz einer weiteren Szene mit den tollen Charakteren aufgrund von ohrenbeleidigender Popsuppe aus dem Saal zu fliehen.

Zu empfehlen? Ja. Interessanterweise ist Zootopia aber mehr für erwachsene Animationsliebhaber zu empfehlen als für kleine Kinder. Das Genrekostüm macht Spaß, die Ideen sind clever, doch für Kinder gab es dann doch zu wenig banalen Humor.

Bewertung: 8,5/10

© The Walt Disney Company Germany GmbH

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DieFilmguckerin:

Der Film in 100 Worten: You can get it, if you really want. Disney beschwört einem die schöne, neue Welt der Diversität herauf, in der alle Wesen (so unterschiedlich sie auch sein mögen) friedvoll miteinander leben – zumindest so lange, bis einige böse Individuen sich unter allen Umständen über die anderen erheben wollen. Das absolut zu erwartende Happy End wird dabei quietschbunt und zuckersüß mit dem amerikanischen Traum verpaart. Plüschige Felle, charmanter Witz und eine shiny happy Message, die mit dem Presslufthammer ins Gehirn gerammt wird – was will man mehr? Vielleicht nur, dass diese Botschaft auch wirklich jeden erreicht.

Beste Szene: Die Post-Credit-Scene, in der wir sehen, wie Faultiere sich eigentlich fortbewegen. Ach, und die mit dem Wolf im Schafspelz – einmal Tränen lachen, bitte. Und eigentlich alle mit Dad. Dad ist der Beste.

Schlechteste Szene: Gefühlsausbruch der Protagonistin. Mit Tränen und allem Drum und Dran. Over the top und zementiert mal wieder den Irrglauben, dass Frauen Weinen gern als Waffe einsetzen.

Zu empfehlen? Bei allen Zitaten und Anspielungen auf die Popkultur muss man aufpassen, dass man die neu kreierte Welt nicht aus den Augen verliert. Glücklicherweise zündet fast jeder Gag und treibt die Lacher-Rate bei Zootopia ordentlich in die Höhe. Ob die lieben Kleinen da allerdings auch auf ihre Kosten kommen, bleibt abzuwarten.

Bewertung: 7,5/10

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