Die Leiden des alten Mannes: Logan

© Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Es ist viel Zeit ins Land gegangen seit dem letzten Abenteuer der X-Men. Logan, der ehemals als krallenschwingender Wolverine bekannt war, kutschiert nun in einer dicken Karre Junggesellinnenabschiede durch die nächtliche Stadt, um Geld für den Traum vom eigenen Boot zu verdienen. Damit möchte er zusammen mit dem mittlerweile neurodegenerativ erkrankten Charles Xavier, der nun eine Bedrohung für die Menschen in seiner Umgebung ist, der Zivilisation entfliehen und in Sicherheit leben. Ein plötzlich auftauchendes, mysteriöses Mädchen macht diesem Plan jedoch einen Strich durch die Rechnung. Plötzlich findet sich Logan in einem seltsamen Roadtrip zusammen mit dem Mädchen, das seine Heil- und Kampffähigkeiten teilt, und Xavier wieder und versucht einer unheilbringenden Bande von Schlägertypen und Wissenschaftlern zu entkommen.

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Logan lebt vor allem von seiner düsteren Atmosphäre und seinen kräftig gealterten Helden, deren glorreiche Zeiten schon lange vergangen sind. Während sie sich selbst in einer quasi dystopischen Welt versteckt halten und sich nach einer einsamen Insel sehnen, haben die gewöhnlichen Menschen die Macht übernommen. Logan selbst ist dabei ein gebrochener, alter Mann, der der Gewalt und seinem vergangenen Ich abgeschworen hat – ein Charaktertypus, der gut aus dem Western bekannt ist. Auch sonst erinnert vieles an den filmischen wilden Westen, so wird eine Reise durch das staubige Hinterland unternommen und unterwegs noch einem drangsalierten Farmer geholfen. Letztendlich kommt es sogar zum Kampf gegen ein jüngeres, vitaleres Ich – die Kollision von jugendlicher Kraft und der Erfahrung des Alters war unvermeidlich.

Dabei geizt Logan nicht mit actionreichen Gewaltausbrüchen der superheldenuntypischen Art. Dass ordentlich Blut fließt, wenn ein Mann mit vier unzerstörbaren Messern an jeder Hand andere Menschen anritzt, ist im Grunde logisch – schön, dass das Ganze hier konsequent umgesetzt wird. Dass nicht nur Logan herumschnetzelt, sondern auch ein minderjähriges Mädchen ihren Gegner auf raubtierhafte Art den Garaus macht, fügt dem gesteigerten, sichtbaren Gewaltanteil noch eine Prise Schock hinzu. Die erhöhte Altersfreigabe macht im Fall von Logan durchaus Sinn, der Film profitiert von dem durch Deadpool geebneten Weg.

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Während Logan und Xavier noch halbwegs ausgeleuchtete Charaktere sind, denen eine gewisse Vorgeschichte anzumerken ist, bleiben die anderen Charaktere, allen voran Laura, leider merklich zweidimensional. Obwohl Laura in der Handlung eine wichtige Rolle spielt und der eigentliche Stein des Anstoßes ist, hat sie erstaunlich wenig zu sagen – und das im ganz wörtlichen Sinne. Durch ihren quasi nicht vorhandenen Sprechanteil und ihre wenigen eigenständigen Handlungen bleibt sie eine blasse, wenig sympathische und kaum nachvollziehbare Figur. Angesichts ihrer Vorgeschichte, die einigen Stoff für Dialoge geliefert hätte, ist das schlichtweg verschenktes Potenzial.

Alles in allem, ist Logan ein gelungener und spannender Film und bildet als letzter der Wolverine-Reihe (zumindest bis ein neuer Darsteller auf der Bildfläche erscheint) einen fulminanten Abschluss. Ein besonderer Reiz ist die Verkettung zwischen Realität und Fiktion, sodass Hugh Jackman, der mit seiner Figur gealtert ist, diese konsequenterweise auch bis zum Schluss begleiten kann. Der Charaktertypus des gealterten, vom Leben gezeichneten Helden passt sehr gut zur Figur von Logan und wird hier konsequent und nachvollziehbar inszeniert.

Bewertung: 7,5/10

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