Die letzte Sau

© Neue Visionen
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Der schwäbische Kleinbauer Huber ist ein Pechvogel wie er im (Dreh)Buche steht. Bett, Schaufel und Schubkarre brechen auseinander, in der Dusche gibt es kein warmes Wasser, Geld für eine anscheinend dringend benötigte Zahnbehandlung ist nicht da und weil das alles noch nicht reicht, wird sein Haus von einem Meteoriten eingerissen. Da er nichts mehr zu verlieren hat, schnappt er sich das titelgebende Tier von seinem Hof und schwingt sich mit seinem Gewehr auf sein Moped, um planlos in die Welt hinaus zu fahren. (Das Zahnproblem spielt übrigens nie wieder eine Rolle. Vielleicht ist es von den Machern vergessen worden, nachdem es für die überzeichnete Charakterisierung eingeführt wurde.)

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Die letzte Sau ist ein Roadmovie. Aber auch ein Heimatfilm. Ein Dialektfilm. Und nicht zuletzt auch eine Art Musikfilm.
Es ist in solchen Filmen ein beliebter Kniff, mit der Sprache zu spielen, die Diskrepanz zwischen Hochdeutsch und Dialekten herauszustellen und Missverständnisse drauf aufzubauen. Gelingen will das hier allerdings nicht. Es ist schon unglaubwürdig genug, dass der Bankberater das „Händ nuff“ eines Bankräubers nicht versteht, aber wenn jeder andere in der Bank die Hände hoch nimmt, dann wirkt es fast schon lächerlich, dass der Banker nochmals nachfragt, was denn gemeint sei (und Hubers Antwort „die Händ nuff“ dann plötzlich doch versteht). Ganz abgesehen davon, dass das Händeheben mit Ausnahme einer Schockstarre die natürlichste Reaktion darauf ist, wenn jemand ein Gewehr auf einen richtet, insbesondere bei einem Banküberfall.

Keiner der Darsteller, die aus der Perspektive des Films einen der „Bösen“ spielen, liefert eine überzeugende Performance ab, während die „Guten“ allesamt glaubhaft verkörpert werden. Ob das so gewollt oder Zufall ist, lässt sich nicht sagen. Dem Film ist damit jedenfalls nicht geholfen. Herbert Knaups Stimme aus dem Off ist wunderbar, er hält aber über weite Teile des Films die Gosch, wie er sich in seiner Rolle wohl selbst ausdrücken würde. Es ist fraglich, ob ein Voice-Over-Erzähler 2016 wirklich noch sein muss, insbesondere wenn er ein wenig willkürlich eingesetzt scheint und der Film fast genau so gut ohne funktionieren würde. Auch die diversen Musikeinlagen, in denen meist ein einzelner Charakter vor sich hin singt, tragen sehr wenig zum Film bei und hätten überwiegend weggelassen werden können. Weder bringen sie die Story voran noch haben sie einen besonders großen Unterhaltungswert.

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Die letzte Sau spricht viele Themen an, die durchaus einer kritischen Hinterfragung bedürfen (Massentierhaltung, Bankkredite, Privatisierung der Natur, Einsatz von Pestiziden), ohne den Zeigefinger allzu sehr zu erheben. In Kombination mit der oben angesprochenen Verteilung des Schauspieltalents kommt man aber nicht umhin, sich hier und da doch moralinsauer belehrt zu fühlen. Abgesehen davon wird dem Zuschauer generell die Möglichkeit gegeben, seine eigenen Schlüsse zu ziehen. Am Ende steht Huber, (auch optisch) dem Messias gleich, in einer besseren Welt. Er hat still und leise, zumindest in der Filmrealität, wirklich einiges bewegt, und ohne sein Wissen zahlreiche Menschen inspiriert, eine Art Revolution zu starten und die Missstände zu beheben.

Im Abspann werden folgende Positionen aufgelistet: „Redaktion (ZDF / Das kleine Fernsehspiel)“, „Redaktion (arte)“ sowie „Produktionsleitung ZDF“. Tatsächlich handelt es sich bei Die letzte Sau um einen weiteren deutschen Film, der auf die große Leinwand geworfen wird, im Fernsehen aber wesentlich besser aufgehoben wäre. Momentan geistert erneut die immer mal wieder aufkommende Debatte, wieso der deutsche Film im internationalen Vergleich derart hinterher hinkt, durch die einschlägigen Medien. Meiner Meinung nach ist genau dieses gängige Verfahren einer der Hauptgründe dafür: Dass man auf Gedeih und Verderb Fernsehproduktionen ins Kino bringt.

Eine Warnung zum Schluss: Der Film ist teilweise sehr graphisch und zeigt die Kastration eines Ferkels sowie die Schlachtung eines Schweins. Das Ganze wirkt so echt, dass es das wahrscheinlich auch ist. Wenn nicht, ist es verdammt gut inszeniert.

Bewertung: 4/10

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