Die Plakatkritik: Hail, Caesar!

© Universal Pictures International Germany GmbH
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Plakate können so vieles sein: Inspirierend, verstörend, ätzend oder einfach nur genial. Ab sofort beschäftigen wir uns hier mit Plakaten, die unsere Aufmerksamkeit erregt haben, ob auf angenehme oder weniger schöne Art.

Endlich ist es soweit. Nach drei Jahren erarbeiten Joel und Ethan Coen endlich wieder ein gemeinsames Drehbuch, für das sie sich in den Regiestuhl setzen. Zwischendurch haben sie auch Drehbücher für Angelina Jolie (Unbroken) und Steven Spielberg (Bridge of Spies) verfasst, aber seit Inside Llewyn Davis ließen sie ihre Fans sehnsüchtig auf einen neuen Film warten. Nach ihrem großartigen, aber wenig erfolgreichen Ausflug in die Folkszene der 60’er in New York, geht es dieses Mal noch ein wenig weiter zurück. Und zwar in das Hollywood der 50’er Jahre. Eine gute Möglichkeit, den überragenden Cast im Flair der damaligen Ära aufblühen zu lassen und auch der Trailer verspricht viel Gutes. Wenn da nicht ein kleines Manko wäre: Das Plakat.

Dabei könnte alles so gut sein. Bereits die Illustration vom geschulterten George Clooney, der gerade von einem mysteriös anmutendem Mann hinfort getragen wird, wäre mehr als ausreichend für ein gelungenes Plakat gewesen und hätte gut in die Tradition der bisherigen Poster der Coen-Brüder gepasst. Ob Frances McDormand im Schnee bei Fargo, dem fliehenden Trio von Oh Brother, Where Art Thou? oder Michael Stuhlbarg auf dem Dach bei A Serious Man, all diese Plakate überzeugten durch ihre Reduziertheit und konnten das Interesse beim Zuschauer für diese Filme erregen. Diese Einfachheit hätte auch Hail, Caesar! gut zu Gesicht gestanden.

© BLT Communications
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Stattdessen wurde es für nötig befunden, wahrscheinlich auch durch die geringen Einspielergebnisse ihres letzten Films bedingt, dass eine kleine Auswahl des breiten Casts sowohl namentlich erwähnt als auch auf dem Plakat zu sehen sein muss. Warum George Clooney auf dem Plakat zweimal zu sehen ist und auch namentlich erwähnt wird, wohingegen von den drei Schauspielerinnen des Casts nur Scarlett Johannson neben der Erwähnung mit einem Porträt bedacht wird, bleibt für den interessierten Betrachter offen. Dies soll kein Sexismusvorwurf gegenüber den Coen-Brüdern sein, denen es vor vielen anderen Regisseuren und Drehbuchautoren gelungen ist, komplexe Figuren für Schauspielerinnen zu entwerfen. Der Rückschritt auf diesem Plakat stößt dafür aber umso bitterer auf. Weiterhin stellt sich die Frage, welchen Sinn das labyrintheske Muster an den Außenseiten des Posters zu bedeuten hat.

©2016 lewisdowsett
©2016 lewisdowsett

Natürlich fällt es leicht, ein Plakat zu kritisieren und Forderungen daran zu stellen, wie es sein könnte. Das es aber bessere Möglichkeiten gegeben hätte, beweisen die Fanposter von BLT Communications und Lewis Dowsett, denen es auf unterschiedliche, aber sehr inspirierende Weise gelingt, die einfachen Strukturen der früheren Plakate der Coens aufzunehmen und für Hail,Caesar! auf gelungene Weise zu adaptieren. Bleibt nur zu hoffen, dass Filmverleihfirmen den Mut finden und sich an solchen Designs orientieren werden, um dem üblichen Einheitsbrei aufbrechen zu können.

Bewertung: Gute Grundidee, die aber durch zuviele Extras überladen ist und dadurch verloren geht.

One Comment

  1. Jan-Gerrit Heddinga

    Besonders ärgerlich ist bei den unnötigen Bildern, dass die Gesichter im Film dann kaum auftreten. Und der eigentliche Star des Films, der neben Brolin und Clooney die meiste Screentime hat, Alden Ehrenreich, kriegt kein Bild ab.

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