Die Plakatkritik: High-Rise

© DCM Film Distribution
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Plakate können so vieles sein: Inspirierend, verstörend, ätzend oder einfach nur genial. Ab sofort beschäftigen wir uns hier mit Plakaten, die unsere Aufmerksamkeit erregt haben, ob auf angenehme oder weniger schöne Art.

Dieses Poster zum kommenden Science-Fiction-Film High-Rise ist nicht das erste und wird bestimmt auch nicht das letzte Plakat sein, das für diesen Film gestaltet wurde. Überraschend ist allerdings, dass, je mehr Zeit vergeht und je mehr Poster von der Marketing-Maschine ausgespruckt werden, die Bilder immer mehr an den Mainstream angepasst und damit immer langweiliger werden.

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Plakat Nummer 1 hat mit einem interessanten Format und angenehmer Schlichtheit überzeugt und hätte sich (noch ein bisschen grafisch aufpoliert) wunderbar für die gesamte Werbung für den Film geeignet. Aber das Motto „Weniger ist Mehr“ scheint dann doch noch nicht vollends in der Filmwelt angekommen zu sein. Anscheinend verspricht man sich mehr davon, wenn man dann doch noch alle Köpfe der Beteiligten auf das Plakat presst. Die Tom-Hiddleston-Fans will man ja schließlich auch noch mitnehmen. Und die Fans von Jeremy Irons. Und die Fans von weißen Pferden, auf denen pelzbehangene Frauen reiten.

Das grafische Element des Dreiecks mag ja im Film vorkommen und damit seine Berechtigung auf dem Plakat haben, aber abgesehen davon, dass das heutzutage jeder Hipster-Grafiker in seiner Gestaltung verbaut, weil es immer irgendwie cool aussieht, erinnert das Ganze doch ein bisschen zu sehr an das „Seven Nation Army“-Video der White Stripes, um noch als gutgemeinte Hommage durchgehen zu können.

Besonders das Dreieck, in dem Hauptdarsteller Tom Hiddleston wie in einer Calvin Klein Werbeanzeige posiert, und auch das Dreieck dahinter überraschen mit weiteren eigenartigen gestalterischen Entscheidungen. Ohne die (vielleicht an das erste Plakat angelehnte) orange Farbgebung im unteren Teil des Plakates hätte das Ganze sehr viel cooler und in sich stimmiger gewirkt. Woher kommt dieser grelle Schein? Sind es die Pforten der Hölle, die den Protagonisten bereits erwarten? Ist es warm im Schritt? Man weiß es nicht. Im dreieckigen Bildteil hinter unserem Helden geht es sogar noch wilder zu. Jeremy Irons Kopf schwebt in einem eigenartigen Nebel und ist als einziger Schwarz-Weiß eingefärbt. Ist er Gott? Ist er tot? Wohnt er ganz oben im Hochhaus der Eigenartigkeiten? Der kleine fallende Mann aus dem ersten Plakat wurde dann auch nochmal verwurstet. So geht sparen! Unten links sehen wir dann nochmal das ganze Gebäude und einige barocke Gestalten, die noch ein bissche Dekadenz versprühen. So gar nicht dazu passen will der weiße Hund ganz vorn – vielleicht gehört er ja auch in die Ebene, in der der kleine Junge (aka Gene Hackman in The Conversation) sitzt? Und mit dem 70s-Hitler oben rechts will ich gar nicht erst anfangen.

Wertung: Immernoch eines von den besseren Filmplakaten, bei näherer Betrachtung offenbaren sich allerdings einige Mängel.

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