Die Plakatkritik: Raum

© Universal Pictures International Germany GmbH
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Plakate können so vieles sein: Inspirierend, verstörend, ätzend oder einfach nur genial. Ab sofort beschäftigen wir uns hier mit Plakaten, die unsere Aufmerksamkeit erregt haben, ob auf angenehme oder weniger schöne Art.

Raum ist momentan der Film, an dem es kein Vorbeikommen gibt. So erhielt Brie Larson für ihre Rolle den Oscar für die beste weibliche Hauptrolle und auch die Leistung von Jacob Tremblay, der den fünfjährigen Jack spielt, wird von Kritikern bejubelt. Dass hauptsächlich diese beiden in den Kritiken benannt werden, hat einen einfachen Grund. Der Film spielt in einem neun Quadratmeter großen Raum, in dem sie gefangen gehalten werden. So bleiben dem Regisseur Lenny Abrahamson wenig Möglichkeiten, sich auf beeindruckende visuelle Effekte zu konzentrieren und muss sich stattdessen auf die Leistung seiner beiden Hauptdarsteller verlassen können. Wie es gelingen kann, solch ein schweres Thema in einem Bild festgehalten zu werden, zeigt dieses Plakat.

© EBPOSTER//Betty Cullen
© EBPOSTER//Betty Cullen

Es wäre einfach gewesen, ein Bild von beiden zu machen, wie sie sich in ihrem engen Gefängnis aneinander festhalten, getragen von der Hoffnung, dass sie etwas Licht erblicken und damit auch einen kleinen Ausbruch aus ihrem Gefängnis zu erleben. Auf diese Weise illustrierte beispielsweise Betty Cullen diesen Film. Doch genau dagegen wurde sich für dieses Plakat entschieden und das ist bewundernswert. Stattdessen wurde sich an eine Umsetzung gewagt, die anfangs harmloser zu sein scheint, aber bei genauerer Betrachtung doch zu beeindrucken und vor allem zu überraschen weiß.

So sind Jack und seine Mutter in Herbstkleidung zu sehen, während im Hintergrund die Vögel vorüberziehen und die Bäume bereits gefärbtes Laub tragen. Also ein scheinbar normales Bild von einer Mutter mit ihrem Kind, bis das Detail im linken oberen Bereich auffällt. Der Winkel der drei Flächen, die aufeinander stoßen und damit vergegenwärtigen, dass nichts an diesem Bild so ist, wie es zu sein scheint. Stattdessen befinden wir uns wahrscheinlich in der Phantasie von Jack, der diesen Raum noch niemals zu verlassen haben scheint und sich eine Welt vorstellt, die ihm seine Mutter so oft geschildert hat, das er sie schon fast schmecken kann. Und doch ist diese Illusion nicht perfekt, denn durch die Ecken des Raumes wird nachvollziehbar, dass Jack sich eine andere Welt nicht vorstellen kann. Eine Welt, die nicht beengt ist und in der nicht alles durch Ecken und Kanten begrenzt ist.

Die einzigen Mankos an diesem Plakat sind der sehr schwülstige Satz Liebe kennt keine Grenzen, den man einfach hätte weglassen können, und der Verweis auf den Roman von Emma Donoghue. Zu häufig wirken solche Nennungen so, als ob der Verleih damit aufzeigen möchte, dass der Film gut sein muss, schließlich hat sich das Buch bereits einen guten Absatz gefunden. Inwiefern eine erfolgreiche Romanvorlage eine gelungene Kinoadaption garantieren soll, will sich nicht erschließen.

Insgesamt ist dieses Plakat aber sehr überraschend, da es in seiner Unauffälligkeit und seine Detailverliebtheit aus der Masse hervorgehoben wird und dadurch zeigt, dass es immer noch alternative Ideen zu schwebenden Köpfen in der Luft, übertriebenen Gestaltungsmitteln und Namedropping gibt.

Bewertung: Ein ansprechendes Plakat, das einen zweiten und sicherlich auch einen dritten Blick wert ist.

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