Die Tribute von Panem – The Hunger Games

© Studiocanal

Eine weitere Verfilmung von Kinder/Teenager Literatur und deren Verarbeitung zu Hollywood-Blockbustern. Der Film gehört nach „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes: Teil 2“ und „The Dark Knight“ zu den erfolgreichsten Kinostarts in den USA (155 Mio. Dollar spielte der Film dort am Eröffnungswochenende ein) und wird regelmäßig in einem Atemzug mit den „Harry Potter“ Filmen und der „Twilight“ Serie genannt.

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Der Zuschauer findet sich zunächst in einer Art totaliärem System wieder, das Land (offensichtlich Nordamerika) ist in 12 Distrikte aufgeteilt, die wiederum von einer Hauptstadt regiert und unterjocht werden. In Anlehnung an einen Aufstand vor vielen Jahren und damit die Distriktianer weiterhin kuschen, wird jährlich ein Teenie-Abschlachten veranstaltet, bei dem jedes Distrikt 2 Tribute entsendet – es kann jedoch nur einen Sieger geben. Wir begleiten also die zwei Unglücklichen aus Distrikt 12 auf ihrem Weg in die Hauptstadt und die Mattscheiben der ganzen Welt – das Ganze ist nämlich auch ein Medienspektakel.

verrückte FriseDas Problem dieses Films ist, dass leider keine dieser Ideen besonders neu ist. Totaliäre Systeme und Diktaturen der Zukunft kennen wir nun wirklich schon zur Genüge. Es gibt wie üblich eine Bevölkerungsschicht, die in Saus und Braus lebt und das eben auf Kosten der anderen sich abrackernden Bevölkerungsschichten. Besonders hervorzuheben sind hier die farbenfrohen Outfits und verrückten Frisuren der Priviligierten, wahrscheinlich um sich besonders stark vom arbeitenden Pöbel abzuheben und damit auch der allerletzte Depp versteht, wer hier wer ist. Das war den Filmemachern offenbar besonders wichtig, beauftragten sie doch 35 Spezialisten, die sich 5 Wochen lang ausschließlich mit Frisuren und Perücken beschäftigten. Was genau das nun bringen sollte, ist mir etwas unklar, sieht aber auf jeden Fall interessant aus und baut auch irgendwie eine Stimmung auf.

Sich abmeuchelnde Teenager müssten dem geneigten Filmegucker hier und da auch schonmal untergekommen sein, mir fiel jedenfalls sofort „Battle Royale“ ein, ein sehr schönes, japanisches Splatter-Drama aus dem Jahr 2000, in dem sich eben auch Teenies ohne Aufsicht von Erwachsenen gezwungenermaßen um ihr Leben metzeln. Auch die politische Aussage und Kritik an der mediengeilen Gesellschaft gab es dort schon einmal – wie aber auch die Gewaltdarstellung in einer viel ausgeprägteren Form, was den Film in der ungeschnittenen Fassung auf den Index brachte.

irre Frisen
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Zurück zu den Tributen: Einmal abgesehen von den abgelatschten Ideen und den teilweise klischeehaften und vorhersehbaren Handlungen der Akteure, sieht der Film teilweise ganz cool aus und man wird gut unterhalten. Der Film hätte Potenzial gehabt, schöpft aber die Möglichkeiten einer politischen Äußerung oder eben die ganz interessanten Aspekte, die sich anbieten würden, nicht aus.

Warum dieser Film in Deutschland allerdings ab 12 Jahren freigegeben wurde, ist mir wie vielen anderen Kritikern auch ein Rätsel. Die Gewaltdarstellung ist teilweise äußerst explizit und realistisch, aber wahrscheinlich wollte man eben auch die Zielgruppe der Twilight-Filme ansprechen und die sind ja nunmal nicht älter…

Bewertung: 5,5/10

2 Comments

  1. Schöiner Artikel. Habe mich gerade gestern mit einer Dame darüber unterhalten, die von den Büchern sehr begeistert war – und was sie aus dem zweiten und dritten Teil erzählte, war zwar vom Ablauf her nicht überraschend, schien aber später doch durchaus noch mehr sein gesellschafts- wie medienkritischen Potential zu entfalten. Les ich dann irgendwann mal… wenn ich Zeit habe. Ähem.

    Ey, und Twilight fetzt! Blaufilter ftw!

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