Die Winzlinge – Operation Zuckerdose

© Pandastorm / Tobis

Überreste des Picknicks eines jungen Ehepaares locken jede Menge neugierige Mundräuber an. Zum Beispiel schwarze Ameisen, die sich einen immensen Schatz in Form einer mit Zuckerwürfel gefüllten Dose sichern und ihn zum heimischen Hügel transportieren wollen. Der Weg dorthin ist allerdings alles andere als ungefährlich. Zum Glück hat sich ein Marienkäferjunges in der Dose versteckt, das so zuerst unfreiwillig mit den Ameisen auf die Reise geht. Als aggressive rote Ameisen auf den Plan treten, verbündet sich der blinde Passagier mit seinen Umzugshelfern und hilft ihnen in einem Kampf, der in einer epischen Finalschlacht endet.

2006 starteten Hélène Giraud und Thomas Szabo eine Serie von Sechsminütern, in denen Insekten die Protagonisten sind. Die Serie wurde ein kleiner Überraschungserfolg, 2013 schaffte sie den Sprung auf die große Leinwand in Frankreich und 2016 kam Die Winzlinge – Operation Zuckerdose zu uns nach Deutschland.

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Jede Einstellung ist ein kleines Kunstwerk für sich. Nicht nur ist die Kameraarbeit exzellent, sondern auch die Mise en Scène: Anders als beispielsweise Antz oder Das große Krabbeln ist nicht alles animiert, sondern nur die Tierchen selbst (und ein paar „Requisiten“). Die Natur und die meisten Umgebungen sind real aufgenommen und die Animationen nachträglich eingefügt worden. Das große Problem dabei ist, dass wunderschöne Bilder alleine nicht reichen und auf Dauer langweilig werden, sofern sie nicht eine interessante Handlung untermalen. Die Winzlinge zeigt viele schöne Bilder, bleibt aber zu lange bei ihnen. Natürlich muss ein Film nicht strikt von Handlungselement zu Handlungselement springen und alles so schnell wie möglich präsentieren. Etliche Filme schaffen es, mit gewollten Längen eine bestimmte Atmosphäre hervorzurufen. Nur ist es bei Die Winzlinge kein langsames Pacing – es ist schlechtes Pacing. Das ist umso trauriger wenn man bedenkt, dass die actionreicheren Szenen richtig gut und temporeich inszeniert sind. So hätte der ganze Film sein sollen. Es geht hier nicht um vielleicht vier oder fünf Minuten, die man herauskürzen könnte. Es geht um gefühlt die Hälfte des Films, mindestens aber einer halben Stunde.

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Die Winzlinge kommt ohne Dialoge aus – zumindest ohne Dialoge in Menschensprache. Untereinander unterhalten sich die Tierchen nämlich durchaus, jedes auf seine Art und von allen verstanden. Es ist ein seltenes Gut, einen Film nur über die Bildsprache erzählen zu können und oft genug scheitert dieses Vorhaben. Hier gelingt es erfreulicherweise. Es braucht keinen comic relief, keine Sidekicks mit coolen Sprüchen – kurz: der Zuschauer muss die Tiere nicht verstehen können, um zu wissen worum es geht. Diese unterlassene Anthropomorphisierung bedeutet aber nicht, dass es in der Tierwelt nicht menschlich zugeht. Bei einer kleinen Kamerafahrt durchs Gebüsch sind die umherfliegenden Tierchen beispielsweise wie Autos im Verkehr geordnet und mit entsprechendem Verkehrslärm utnerlegt. Bei einer Verfolgungsjagd in der Luft sind Kampfjets zu hören. Das Sounddesign ist generell sehr clever umgesetzt.

Die Winzlinge – Operation Zuckerdose ist ein Film mit fantasievoller und packender Story sowie herausragenden Bildern. Leider verliert er sich allzu oft in ihnen und hindert die Handlung dadurch daran, ihre volle Wirkung zu entfalten. Ich hätte diesem Film von Herzen gerne eine bessere Wertung gegeben, aber die Längen machen zu viel kaputt. Die Winzlinge hätte ein grandioser Kurzfilm werden können und es bleibt zu hoffen, dass sich dieser wieder als eigenständige Kunstform etabliert, sodass niemand mehr seine Geschichte auf Spielfilmlänge aufblähen muss.

Bewertung: 7/10

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