Dragonball Evolution

© 20th Century Fox Home Entertainment
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Dragon Ball war während meiner Schulzeit ein riesiger Bestandteil meines Lebens. Ich weiß alles über Dragon Ball, was man aus den Mangas wissen kann. Lange wurde, nicht nur von mir, eine Realverfilmung erwartet, die über Dragon Ball: The Magic Begins (1991) hinausgeht. 2001 kamen die ersten Gerüchte über eine solche auf und ich war sofort angefixt. Irgendwann hieß es, 2006 solle eine rauskommen. 2006 kam und ging, ohne Dragonballrealfilm. Es wurde still um das Thema, bis 2008 Dragonball Evolution für das folgende Jahr angekündigt wurde.
Diese Einleitung nur, damit man meinen Hintergrund und das Kommende verstehen kann. Ich habe über acht Jahre auf einen Dragonballrealfilm gewartet und als ich Dragonball Evolution endlich anschaute, lief es folgendermaßen ab, und zwar vollkommen wahrheitsgetreu ohne Übertreibung:
Nach 8 Sekunden dachte ich, dass er scheiße wird.
Nach 20 Sekunden wusste ich, dass er scheiße wird.
Nach 32 Sekunden habe ich den Tränen nahe ausgeschaltet.
Für mich brach eine Welt zusammen.
Heute kann ich das alles nüchterner betrachten, aber damals ertrug ich es noch JAHRE später nicht mal, wenn jemand den Film auch nur erwähnt hat.

Viele Adaptionen haben das Problem, dass kaum ein Zuschauer versteht, dass ein Film ein eigenständiges Medium ist, welches seiner Vorlage nicht das Geringste schuldig ist. Allerdings machen Filmemacher Filme nicht für Kritiker, sondern für Zuschauer. Ein kurzes Beispiel: Bulma hat in Dragonball Evolution eine blaue Haarsträhne. Das ist für den Kritiker eine vollkommen legitime stilistische Entscheidung, nicht wenige Zuschauer fühlten sich deshalb allerdings brüskiert, da Bulma in der Serie (soweit ich weiß, ich habe die Serie nicht verfolgt) komplett blaue Haare hat (im Manga wechselt die Haarfarbe im Lauf der Zeit). Wenn man also das meistverkaufte Manga aller Zeiten adaptieren und gezielt eine vorhandene Fanbase abgreifen will, dann muss man schon ein verdammt gutes Produkt abliefern, um es sich erlauben zu können aus den vorgegebenen Gestaden auszubrechen. Vorschläge vom Vorlagenschöpfer Akira Toriyama zu ignorieren, ist sicher auch nicht der klügste Schachzug. Um es kurz zu machen: Dragonball Evolution ist ein Schlag ins Gesicht für jeden, der auch nur irgendwas an Dragon Ball gut findet. Mit einem Eisenbaseballschläger. Voller langer verrosteter Nägel. Die unter Starkstrom stehen.

Auch für Filmfans bietet dieser Film absolut nichts. Die Kampfchoreographien sind peinlich, die Effekte amateurhaft, das Schauspiel lächerlich. Aber das Schlimmste: Die Story ergibt vorne und hinten keinen Sinn. Wer Dragon Ball kennt, wird immerhin mit den Namen der Charakteren und Begriffen wie „Kamehameha“ etwas anfangen können, auch wenn sie hier NICHTS mit dem Quellmaterial zu tun haben; wer Dragon Ball nicht kennt, wird diesen Film wahrscheinlich nicht mal ansatzweise begreifen können.

© 20th Century Fox Home Entertainment
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Der Oberteufel Piccolo, der vor 2000 Jahren durch sieben Magier von der Erde verbannt wurde, ist zurück und sucht die sieben Dragonballs, um bei der nächsten Sonnenfinsternis den Drachen Shenlong zu rufen. Son Goku muss sich ihm entgegenstellen, um die Welt zu retten. Son Goku ist in Dragonball Evolution übrigens ein Jugendlicher,  der bei seinem Opa wohnt, zur High School geht und dort von Bullys gemobbt wird. Zum Inhalt will ich nicht mehr sagen, da der Film so ein konfuses und widersprüchliches Konzept hat. Das Skript wirkt, als hätte sich jemand die Inhaltsangabe von Dragon Ball durchgelesen, sie einem Kumpel erzählt, der sie auf irgendeiner Party betrunken einem verjunkten Crackhead vorstammelte, welcher wiederum eilfertig aushalf, als ihn ein befreundeter Drehbuchautor nach einer Idee für eine Adaption fragte.

Ich würde einen guten Batzen Geld darauf verwetten, dass Justin Chatwin als Son Goku die größte Fehlbesetzung des modernen Films ist. Nicht nur hat er nicht das Geringste mit Son Goku gemeinsam, er kann auch einfach nicht schauspielern. Zu seinem Glück fällt das durch das Skript und den restlichen Cast von Dragonball Evolution gar nicht mal so besonders auf, aber wer wie Chatwin in Krieg der Welten selbst unter der Regie von Steven Spielberg keine annehmbare Performance abliefern kann, sollte sich einen anderen Beruf suchen.

Außer Chow Yun-Fat, der Muten Roshi verkörpern soll,  dürfte man kaum einen der Namen des Casts kennen (und wahrscheinlich von den meisten nie wieder etwas hören) und mit Ausnahme von James Marsters (Piccolo) scheint sich keiner der an diesem Film Beteiligten, ob vor oder hinter der Kamera, auch nur einen Hauch von Mühe zu geben. Der arme Marsters, der wohl auch der einzige ist, der das Quellmaterial kennt, spielt allerdings gegen einen völlig inkonsistenten Charakter mit idiotischem Ziel und ein verheerendes Drehbuch an. Vergebens.

Die zuvor erwähnte blaue Strähne Bulmas war übrigens eine bewusste Entscheidung des Regisseurs, da er fand, dass komplett blaue Haare lächerlich aussehen. Das darf man sich ruhig auf der Zunge zergehen lassen. Der Regisseur von Dragonball Evolution, der es für legitim hält, dass Son Goku Leichen von Aliens in die Lava eines Vulkans wirft, um sie als Brücke zu benutzen, findet blaue Haare lächerlich. Mitten im Abspann gibt es eine Szene, die ein Sequel ermöglicht und in Aussicht stellt. Man hat diesen Film im Glauben gedreht, dass Leute mehr davon sehen wollen. Es ist mir ein Rätsel.

Toriyama distanziert sich von Dragonball Evolution und empfiehlt Fans, ihn als in einem Paralleluniversum spielend zu betrachten. Ich hingegen behaupte, dass es kein Paralleluniversum geben kann, in dem sich etwas, das bei uns so ein großartiges Werk wurde, zu einem derart degenerierten Produkt entwickelt.

Sobald ich an einem Film auch nur eine einzige Szene gut finde oder wenigstens merke, dass die Beteiligten Spaß daran hatten, ist es mindestens eine 2/10 für mich. An Dragonball Evolution kann ich allerdings nichts finden, das einen weiteren Punkt rechtfertigt, daher ist die Meinung des Filmkritikers identisch mit der des Dragonballfans.

Bewertung: 1/10

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