Eine zu lange Reise: The Runaround – Die Nachtschwärmer

Ginnie Gallo stellt ihrem Vater bei einem Abendessen im Restaurant endlich ihren Freund Martin vor. Der erste Eindruck ist allerdings alles andere gut, da der nervöse junge Mann sich ziemlich tollpatschig verhält. Sechs Monate später steht Mr. Gallo plötzlich vor Martins Tür, da seine Tochter verschwunden ist. Hier erfährt er auch, dass die beiden gar nicht mehr zusammen sind. Die zwei Männer begeben sich daraufhin auf die Suche nach Ginnie.

In einem Mix aus Buddykomödie und Roadmovie klappert das ungleiche Paar in The Runaround – Die Nachtschwärmer eine Station nach der anderen ab. Das wirkt leider alles recht unmotiviert und konstruiert. So kommt Martin überhaupt nur mit, weil er zwar weiß, dass Ginnie zuletzt ein paar Blocks weiter wohnte und auch genau weiß wie das Haus aussieht, aber die Adresse nicht kennt und Mr. Gallo deshalb dorthin führen muss – statt ihm einfach eine Wegbeschreibung zu geben. Des Weiteren ist Mr. Gallo unzureichend und teilweise sogar widersprüchlich gezeichnet. Ihn umgibt eine Aura des Geheimnisvollen, da sein wahrer Beruf durch diverse Andeutungen nur zu erahnen ist, er scheint aber wohl entweder in dunkle Machenschaften oder Spionagegeschäfte verwickelt zu sein. So richtig relevant ist es für die Story allerdings nicht, was es wie einen plot device wirken lässt, den man für den Gag benutzt, Martin Angst einzuflößen. Darüber hinaus wird Mr. Gallo in einer Szene fast schon in Jason-Bourne-Manier mit einem trainierten Securitymann fertig, kann aber später einem besoffenen Clubbesucher nichts entgegensetzen und wird durch den ersten Schlag ausgeknockt.

Die Kameraführung ist kompetent, besteht aber größtenteils aus Schuss-Gegenschuss und wirkt somit trotz mancher schön eingefangenen Bilder recht langweilig. Dafür haben die Protagonisten Simmons und Hirsch zwar eine gewisse Chemie auf der Leinwand, welche den anderen Charakteren aber fehlt, auch wenn alle Schauspieler eine solide Leistung abliefern. Der Plot erholt sich leider nie von der konstruierten Ausgangssituation: Jedes Mal wenn die beiden an einem Ort ankommen, wo Ginnie angeblich wohnen oder arbeiten soll, war doch alles vergebens und sie müssen erneut weiterziehen. Bei diesen Orten passiert dann auch nie sonderlich Spannendes – es wäre besser gewesen, an den einzelnen Stationen mehr Handlung und dafür insgesamt weniger Stationen zu haben. Das Ende der Suche ist eine Art invertierte Schopenhauersche Leiter: Man hätte sie nicht gebraucht, um das Ziel zu erreichen. Der Weg mag hier das Ziel sein, aber das bringt auch nichts, wenn der Weg langweilig ist. Das tatsächliche Ende des Films ist dann recht versöhnlich, auch wenn die Figuren nicht genügend charakterisiert wurden, um es befriedigend zu nennen.

The Runaround – Die Nachtschwärmer ist trotz aller Schwächen ein harmloser Film. Während die größten Mängel im Plot und der Charakterzeichnung zu finden sind, gleicht er das mit teilweise schönen Bildern und der Chemie zwischen den Protagonisten halbwegs wieder aus. Simmons-Fans werden auf ihre Kosten kommen, ansonsten mäandert The Runaround aber so vor sich hin. Wer einen Abend zu opfern hat, kann sich bedenkenlos mittreiben lassen.

Bewertung: 5/10

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