Enter the Void

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© Fidélité Films, Wild Bunch, BUF

Gaspar Noé beschäftigt sich in diesem außergewöhnlichen Film aus dem Jahr 2010 sehr unmittelbar mit den Themen Drogen, Sex und Tod. Der Film nimmt seinen Betrachter mit auf einen audiovisuellen Drogentrip, auf eine außerkörperliche Erfahrung und auf eine Reise in den menschlichen Geist.

Man erlebt den ganzen Film aus der Sicht von Oscar, einem jungen Mann (Nathaniel Brown), der Drogen in den Nachtclubs von Tokio verkauft. Die wichtigste Person in seinem Leben ist seine Schwester Linda (Paz de la Huerta), die in den Nachtclubs strippt. Als ein Drogendeal auf fatale Weise schief geht, begleiten wir Oscar auf seinem letzten Trip.

enterthevoidKamera, Schnitt und Postproduktion unterstützen die Thematik grandios. Enter the Void kommt ohne harte Schnitte aus, stattdessen überblenden die Szenen durch langsame Zooms in Lichtquellen hinein und hinaus. Als Zuschauer wird man in eine Point-of-View-Perspektive versetzt, die nur manchmal mit einer Over-the-shoulder-Perspektive wechselt. Die fehlenden Schnitte des Films sind weniger subtil, aber kaum weniger wirkungsvoll als die Kameratricks in Birdman – in Verbindung mit dem dröhnenden, sphärischen Soundtrack und dem flackernden Bildern entfaltet Enter the Void eine wunderbare hypnotische Wirkung. Einzigartig ist auch die psychedelische Farbkomposition des Films. Die Ästhetik besteht aus glühendem Neon in den nächtlichen Straßen von Tokio, schwach beleuchteten Apartments und finsteren Nachtklubs.

Der Film hat eine entscheidende Schwäche: Von ursprünglich drei Stunden auf zweieinviertel Stunden Spielzeit zurechtgeschnitten, ist er immer noch viel zu lang geraten. Für mich hätte ein Schnitt auf unter zwei Stunden den Film perfekt gemacht.

Enter the Void funktioniert weniger als handlungsbasierter Film, sondern als eine Licht und Soundinstallation – als ein audiovisueller Drogentrip, bei dem man am Ende denkt: der erste Kick war geil, aber das Zeug wirkt zu lange. Kurzum, der Film leidet zum Ende hin etwas an Monotonie (Sexszenen helfen gegen die Langeweile). Das Drehbuch kommt ohne Tempowechsel und ab der Mitte leider auch ohne Überraschungen aus, dafür bleibt die Intensität der Bilder bis zum Schluss kompromisslos. Die simple Rahmenhandlung, die größtenteils in Rückblenden erzählt wird, ist präzise in ein Puzzlespiel von kurzen Szenen aufgeteilt.

Im Rückblick ist das unangenehme Setting (zum Glück) etwas zu wenig inspirierend, um Enter the Void auf die Liste meiner Lieblingsfilme zu setzen, aber Gaspar Noé hat mit diesem mutigem Filmexperiment definitiv ein Kunstwerk geschaffen, das es wert ist gesehen zu werden – und an das man sich lange erinnert.

Fazit: selten kam ein Film einem Drogenerlebnis so nahe.
Wertung: 8 / 10

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