Extrem laut und unglaublich nah

© Warner Bros

Eine Literaturverfilmung – immer schwierig, wenn man das Buch gelesen hat. Und das habe ich und ich habe es auch sehr gemocht, vor allem wegen der vielen, kleinen Besonderheiten wie Daumenkinos oder typografischen Hervorhebungen im Buch. Deshalb habe ich von dem Film erstmal das Schlimmste erwartet – und wurde überrascht.

Es geht um den kleinen Jungen Oscar, der seinen Vater beim Anschlag auf das World Trade Center verliert. Im Laufe des Films entdeckt er im Schrank seines Vaters einen Schlüssel und ist entschlossen jedes Schloss in New York auszuprobieren bis er das richtige findet. Dabei lernt er viele Menschen mit dem Namen Black kennen und wird irgendwann vom mysteriösen Untermieter seiner Großmutter begleitet. Zwischendurch werden immer wieder Sequenzen aus Oscars Erinnerung an seinen Vater und an den allerschlimmsten Tag gezeigt.

Der Film schafft es einerseits sich von der Romanvorlage abzuheben, indem der Schwerpunkt deutlich zugunsten der Geschichte des Jungen verschoben ist (im Roman spielt die Geschichte der Familie ebenfalls eine große Rolle), andererseits werden aber auch die schon erwähnten Besonderheiten des Romans im Film adäquat übertragen. Wer also das Buch kennt, wird einige Stellen wiedererkennen, die man vorher nur literarisch erfassen konnte und die nun eine filmische Umsetzung erfahren haben.

Natürlich ist der Film schrecklich traurig und drückt so einige Male enorm auf die Tränendrüse – ziemlich hollywoodmäßig, aber bei mir hats gewirkt! Besonders interessant ist dabei die Sicht des Jungen auf die Ereignisse und seine intensive und offene Auseinandersetzung mit dem Anschlag und den möglichen Gefühlen seines Vaters. Deshalb ist auch die Darstellung des Kinderdarstellers Thomas Horn besonders erwähnenswert und beeindruckend. Die vielen sehr emotionalen Szenen sind äußerst glaubwürdig und hervorragend gespielt. Eine weitreichende Analyse des 11. September gibt es in dem Film nicht, es wird vielmehr die Verarbeitung des Todes des Vaters durch Oscar dargestellt. Wozu sollte er sich auch mit etwas anderem beschäftigen?

Das einzige richtige Manko ist die Darstellung des Vaters, dafür kann Tom Hanks nichts, die Figur ist offensichtlich als Mutter Teresa in Vaterform angelegt. Er spielt so tolle, schöne Spiele mit seinem Sohn, beschäftigt sich zu jeder Tages- und Nachtzeit mit ihm und ihre Vater-Sohn-Beziehung ist völlig unbelastet – wie schön. Nie Streit, nie ein böses Wort, sondern ausschließlich reine Glückseligkeit. Das ist natürlich nicht sehr glaubwürdig, möglicherweise werden aber auch die verklärten Erinnerungen des Kindes an seinen verstorbenen Vater dementsprechend ausgewählt.

Alles in allem kann man sich den Film auf jeden Fall gut ansehen, aber Taschentücher sollte man bereitlegen.

Bewertung: 6/10

 

3 Comments

  1. Hallo und danke für diese tolle Rezension! Mir hat der Film auch sehr gut gefallen, die Geschichte ist einfach toll erzählt und die Bilder und die Musik passen fantastisch zusammen. Interessant: Ich fand den Film gar nicht so sehr zum Heulen, allerdings konnte ich mich dann bei der Szene mit der Mutter gegen Ende (als sie ihm beichtet, dass sie die ganze Zeit Bescheid wusste) auch nicht mehr zusammenreißen. Hier übrigens meine Rezension: http://www.leselink.de/filme/drama-filme/extrem-laut-unglaublich-nah.html

    1. Hallo, danke, das Kompliment kann ich zurückgeben. Ich habe natürlich auch nicht die ganze Zeit geweint, aber es gibt eben diesen traurigen, dramatischen Grundtenor im Film, der einen die ganze Zeit deprimiert. Für Menschen nahe am Wasser eben nicht einfach 😉

  2. Pingback: Extrem laut & unglaublich nah (2011) | Film-Blogosphäre

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.