Frank

© Magnolia Pictures
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Auf der Suche nach Inspiration, gefangen in einem kleinen irischen Dorf, lernen wir Jon kennen, seines Zeichens Keyboarder, Songwriter und unglücklicher Büroangestellter. Selbst wenn er glaubt, dass er endlich eine gute Idee für einen Song hat, stellt sich diese im Nachhinein als schlechter Abklatsch heraus. Also weiter in die Mühlen treten und auf Veränderungen hoffen, die glücklicherweise nicht mehr lange auf sich warten lassen. Bei einem Spaziergang am Strand sieht er, wie der Keyboarder von Soronprfbs versucht, sich im Meer zu ertränken. Dabei gerät er ins Gespräch mit dem Bandmanager und keine zwei Minuten später ist er engagiert und soll beim abendlichen Konzert mitzuspielen. Dort begegnet er zum ersten Mal dem Bandleader Frank, der bizarrerweise einen überdimensional großen Pappmaché-Kopf trägt. Jon ist von dessen Auftritt dennoch unglaublich beeindruckt, trotz des Stromausfalls und dem damit einhergehenden Konzertabbruch. Kurz darauf wird er festes Bandmitglied und was anfangs als Wochenendausflug gedacht war, wird zum einjährigen Waldaufenthalt, um das erste eigene Album zu produzieren, bei dem alles perfekt werden muss. Diese Entwicklung teilt Jon via Youtube und Twiter, wobei er immer höhere Follower-Zahlen verzeichnet.

Frank erzählt davon, wie Menschen mit unterschiedlichen Kunstverständnissen zusammenarbeiten, gefangen zwischen dem Wunsch nach extremer künstlerischer Freiheit und der Anerkennung durch die Massen. Gehalten werden sie dabei von einem Frontmann, der sich hinter einer Maske versteckt und immer wieder Konflikte zwischen den einzelnen Figuren abschwächt und doch stets mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen hat.

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Neben Domhnall Gleeson, der nach seiner Performance in Ex Machina ein weiteres Mal überzeugt, glänzen auch Maggie Gyllenhall, die die Gruppe dominierende Clara spielt, und vor allem Michael Fassbender, der trotz eines riesigen Puppenkopfs die Wunden von Frank sichtbar macht. Ob er dafür die Beschreibungen seiner Mimik nutzt oder mit seinen Songs einen Eindruck davon verschafft, das nicht alles so gut ist, wie es das Pappgrinsen vermuten lässt – Fassbender liefert eine beeindruckende Performance unter erschwerten Bedingungen. Und so wandelt sich auch der als Musikkomödie bezeichnete Film von seiner humorvollen Stimmung immer mehr zu einem Drama, bei dem jedes Bandmitglied seine Schwächen erkennt, um Franks Aufmerksamkeit kämpfend, und doch an sich selbst scheitert. Doch Frank ist dieser Aufgabe nicht gewachsen, zu sehr ist er von seinem musikalischen Genie, von seinen persönlichen Sorgen vereinnahmt, sodass er immer mehr in die Nervosität und Unsicherheit getrieben wird, bis er schließlich auf der Bühne zusammenbricht. Lenny Abrahamson gelingt es,in Frank Charaktere zu entwerfen, denen Erfolg gewünscht wird mit dem gleichzeitigen Wissen, dass sie davon nicht glücklich würden. Insbesondere die sich stark voneinander unterscheidenden Lieder schaffen es immer wieder, den Zuschauer in das Gesamtkunstwerk Soronprfbs eintauchen zu lassen und mit I love you all schafft es Frank am Ende, seinen besten Song unter Aufgabe seines Verstecks darzubieten.

Bewertung: 10/10

2 Comments

  1. Pat

    Toller Musikfilm, nach Whiplash, der zweite in diesem Jahr. Großartiger Soundtrack (Ginger Crouton!!!), formidabler Cast, angenehmer Spagat zwischen Komik und Tragik. Allerdings: Abgesehen von Jon & Frank finde ich die Figurenzeichnung nicht ganz so gut gelungen. Clara & Co. sind schrullige Statisten, mehr nicht.

    10/10 ist vielleicht ein wenig zu euphorisch – ansonsten: gute Kritik!

    1. Stephan Heiden

      Vielen Dank für dein Kommentar. Freut mich, dass dir meine Kritik gefallen hat. Dankeschön für die Anregung bezüglich der Nebenfiguren, auch wenn ich diese anders wahrgenommen habe als Du.
      Und Whiplash will ich mir auf jeden Fall noch ansehen, zu dem habe ich bisher nur Gutes gehört.

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