Frankenweenie

Frankenweenie-Tim-Burton-Animation
© Walt Disney

Tim Burton kam scheinbar nie über den Tod seines geliebten Hundes hinweg – so lässt sich zumindest das regelmäßige Auftauchen der liebenswerten Kläffer in nahezu allen Burtonschen Animationsfilmen erklären, sei es als Geist, als Skelett oder nun eben als Zombie. Vor ziemlich genau 30 Jahren produzierte der Regisseur bereits einen Kurzfilm namens „Frankenweenie“, der jedoch nie im größeren Rahmen aufgeführt wurde. 2012 kam es dann schlussendlich doch noch zu einem ausgedehnten Animationsfilm, in dem Tim Burton seinen persönlichen Erfahrungen und seiner Liebe zum Horror-Kino des frühen Hollywoods ausgiebig frönen konnte.

Frankenweenie-Tim-Burton-Animation
© Walt Disney

In stilechtem Schwarz-Weiß erzählt „Frankenweenie“ von dem eigenwilligen Außenseiter Victor, der lieber seltsame Experimente durchführt oder mit seinem Hund Sparky Filme dreht anstatt mit anderen Kinder zu spielen. Als sein geliebter Hund eines Tages von einem Auto überfahren wird, bricht Victors Welt zusammen. Angeregt durch die Experimente des Lehrers, der Muskelkontraktionen mithilfe von Elektrizität demonstriert, beschließt Victor seinen Hund zu exhumieren und wiederzubeleben. Doch ein eifriger Konkurrenzkampf in der Schule um einen Wissenschaftswettbewerb lässt die Situation schon bald eskalieren.

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© Walt Disney

„Frankenweenie“ ist seit langer Zeit und so auf Blockbuster getrimmten Filmen wie „Alice im Wunderland“ oder „Dark Shadows“ Tim Burtons persönlichster Film und ruft seine älteren Meisterwerke in Erinnerung. Die Geschichte des kleinen Victor und seiner schrulligen Nachbarschaft wirkt glaubhaft und nachvollziehbar und bietet von der ersten bis zur letzten Minute spannende Unterhaltung. Zahlreiche Anspielungen auf Klassiker des Horrorfilms lockern die Handlung auf und bringen jede Menge Witz in die Sache. Sei es die offensichtliche Anlehung an Frankenstein oder die etwas versteckteren Hinweise auf Filme wie „Die Mumie“ oder „Das Dorf der Verdammten“, es macht großen Spaß die Anspielungen zu suchen und der Film hat trotzdem seinen ganz eigenen Flair.

Frankenweenie-Tim-Burton-Animation
© Walt Disney

Wie bereits in seinen vorherigen Animationsfilmen hält sich Tim Burton an die Stop Motion Animation, die dem Film eine besondere Ästhetik verleiht, die durch die überaus passende Reduzierung auf Schwarz-Weiß noch gestützt wird. Wunderschöne, kontrastreiche Bilder spielen wie in alten Hollywood-Zeiten mit Helligkeit und Dunkelheit und werden von der grandiosen Musik des Komponisten Danny Elfman getragen. Auch die Figuren sind interessant und teilweise skurril gestaltet und weisen den typischen Charme von Tim Burton auf – man bemerke beispielsweise die dunklen Augenringe und die langen, dünnen Gliedmaßen.

Insgesamt ist „Frankenweenie“ ein großer Spaß, spielt gekonnt mit Klischees und Gewohnheiten des Horrorfilms und wartet mit allerlei Anspielungen für kleine und große Filmfans auf. Die Geschichte des kleinen Jungen, der seinen besten Freund zurück ins Leben holen will, ist so herzergreifend wie skurril und wird keine Sekunde langweilig. Tim Burton besinnt sich zurück auf seine Wurzeln und schafft so einen authentischen und liebenswerten Film, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Bewertung: 8,5/10

4 Comments

  1. Guter Beitrag! Ich wusste gar nicht, dass Tim Burton die Geschichte bereits 1984 verfilmt hatte. Wieder was gelernt! Und danke für den Link 🙂
    Ich fand den Film auch sehr schön. man sieht selten Animationsfilme mit so wunderbar entwickelten Figuren.
    Leider war ich vom Ende des Films ein wenig enttäuscht.

      1. Im Nachhinein betrachtet, fand ich das Ende schon gelungen, es war aber nicht das, was ich erwartet hatte. Ich dachte, es liefe alles darauf hinaus, dass man lernt, mit Verlusten umzugehen und irgendwann loszulassen. Dahingehend war ich am Ende im ersten Moment enttäuscht, denn genau das – die Auseinandersetzung mit dem Tod als unabänderliche Tatsache – wird ja vermieden. Ehrlich gesagt, habe ich mich gefragt, was das bei Kindern für eine Botschaft hinterlässt… „Du musst nicht akzeptieren, was du nicht akzeiptieren willst“?
        Aber ich glaube, ich interpretiere da zu viel rein XD
        Wahrscheinlich sind meine Sehgewohnheiten schon so an das 0815-Modell gewöhnt, dass ich es nicht mehr verarbeiten kann, wenn meine Erwartungshaltungen unterlaufen werden 😉

        1. Verstehe. Ja, das ist in der Tat eine Botschaft, die man daraus lesen kann. Ich fand es auch nicht so gut, dass der Hund nochmal wiederbelebt wurde, aber andererseits braucht man manchmal einfach ein Happy End. Vielleicht wars ja auch Tim Burtons ganz persönliches Wunschende, was er selbst mit seinem Hund nicht hatte. Wer weiß.

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