Frisch aus der Klischeekiste: Los Veganeros

© Jangland Film

Kindergärtnerin Vicky ist Veganerin, zum Leidwesen der um sie herum lebenden Fleischesser. Eines Tages entdeckt sie eine mysteriöse Zeitungsannonce und trifft sich daraufhin mit einer alten Dame, die etwas in der Gesellschaft verändern möchte. Schon bald wächst die Gruppe und es werden Pläne geschmiedet, wie man das Fleischessen ein für allemal beenden kann.

Um es gleich vorwegzunehmen: Es gibt nichts Gutes über Los Veganeros zu sagen. Die Kameraführung ist selbst für Amateurverhältnisse grausig, die Bildausschnitte sind oft schlecht gewählt und werden nur noch vom Schnitt unterboten. Es gibt mit ein oder zwei Ausnahmen keine verrückten Spielarten wie in Ohne Gnade!, vielmehr passen die montierten Bilder selten gut zueinander. Am besten lässt sich der Film in technischer Hinsicht wohl so beschreiben: Im Vergleich zu Los Veganeros wirkt Daniel der Zauberer kompetent gemacht.

Das schadet dann zusätzlich dem ohnehin schon durchwachsenen Schauspiel. Kaum ein gesprochener Satz wirkt wie ein organischer Teil des Films, sondern eher wie ein jeweils einzeln abgefilmtes Segment. Zugegebenermaßen hätten selbst gute Schauspieler ihre Probleme, die Texte des Drehbuches glaubhaft wiederzugeben, aber der überwiegende Laienanteil des Casts scheitert kolossal, was auch an der de facto nicht vorhandenen Regie liegt. Hauptdarstellerin Rosalie Wolff und Nils Brunkhorst, die (unabhängig voneinander) in Verbotene Liebe sowie anderen Serien und Filmen spielten, liefern eine halbwegs erträgliche Leistung ab.

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Die Charaktere sind durch die Bank weg derart wandelnde Klischees, dass selbst klischeehafte Charaktere sagen würden: „Guck mal diese wandelnden Klischees.“ Der Film scheint jedes negative Vorurteil, das im Internet über Veganer kursiert, bestätigen zu wollen: Überhebliche, selbstverliebte Moralprediger, die als einzige die Wahrheit für sich gepachtet haben und sie jedem, notfalls oder sogar gerne mit Gewalt, aufdrängen wollen. Veganer beschweren sich zu recht über dieses klischeebehaftete Bild, hier hingegen wird es regelrecht glorifiziert. Fundierte Argumente für eine vegane Ernährung bleibt der Film schuldig, stattdessen liefert er einen Haufen Scheinargumente und Stammtischparolen. Gleichzeitig stellt Los Veganeros fast alle Fleischesser als übergewichtig und dumm dar, was nicht nur an Bodyshaming grenzt, sondern dem Ganzen auch einen absolut inkonsistenten Ton verpasst. Die Ausnahme stellt Brunkhorsts Charakter Matt dar, der (völlig unrealistisch) irgendwelche deftigen Fleischgerichte als passende Mahlzeit zum ersten Date vorschlägt, nach wenigen Sätzen von Vicky aber sofort vegan wird und fortan auch andere zu bekehren versucht, während sich die dicken Fleischesser konsequent wehren – Los Veganeros vermittelt den Eindruck, es seien nur gesellschaftlich als attraktiv akzeptierte Menschen schlau genug, den einzig wahren Lebensstil zu führen.

Das Ende mit dem Blick der Protagonistin in die Kamera wirkt, als käme sich der Film unheimlich clever vor, ergibt aber nicht den geringsten Sinn. Vielmehr scheint die Protagonistin überhaupt nichts gelernt zu haben – somit fehlt auch jegliche Charakterentwicklung. Irgendwie passt das aber wieder zum Film, da schon die ganzen Handlungselemente davor jedweder Kohärenz entbehren. So lebt Vicky angeblich bereits acht Jahre vegan, wovon ihre Eltern auch wissen, hat mit ihnen beim Abendessen aber Gespräche, als wäre es ihr erster veganer Tag.

Die Postcreditszene ist okay, entschädigt nach über 80 Minuten verworrenem Unsinn aber für nichts und ohne diese Qual durchzustehen wird sie auch nicht verstanden werden. Einziger Lichtblick in Bezug auf den zweiten Teil ist, dass die Macher sich wohl mittlerweile darüber im Klaren sind, was sie da fabriziert haben: In der Werbung für den Nachfolger wird erwähnt, dass man den ersten Teil nicht gesehen haben muss. Man kann den zweiten also unvoreingenommen anschauen und der Trailer dafür lässt auf eine durchschnittliche deutsche Amateurfilmkomödie schließen, was zwar auch nicht das Gelbe vom Ei ist, aber immerhin eine massive Steigerung.

Los Veganeros ist filmtechnisch eine unfassbare Katastrophe. Inhaltlich wirkt er wie als vegane Propaganda getarntes Veganerbashing, was das selbstgesteckte Ziel eines proveganen Statements ad absurdum führt. Die Wertungen 1/10 und 10/10 werden von mir nicht leichtfertig vergeben, es sind virtuell unerreichbare Extreme. Allein, mir bleibt auch nach zweimaligem Anschauen nichts anderes übrig.

Bewertung: 1/10

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