Für Freunde des Pulp: Sky Captain and the World of Tomorrow

Auf der Suche nach SF-Nachschub stolperte ich über diesen Kassenflop. Ich erinnere mich, dass ich diesen Film aufgrund schlechter Kritiken gemieden habe, nun war ich aber doch gespannt, was es damit auf sich hat.

© Paramount Home Entertainment

Die Handlung ist an Pulp-SF-Comics der 30er Jahre angelehnt. In einem alternativen Jahr 1939 erscheint ein gigantische Roboterarmee in einem Metropolis-artigen New York und stiehlt die städtischen Generatoren. Die unvorsichtige Fotoreporterin Polly Perkins (Gwyneth Paltrow) riskiert ihr Leben für ein paar tolle Aufnahmen. In letzter Minute wird sie von Ihrem Ex-Freund Joe, dem tollkühnen „Sky Captain“ (Jude Law) durch ein paar fabelhafte Flugzeugstunts gerettet. Der Film beginnt mit einer großartigen Art-Deco Kulisse und rasanter Action.

Ein Wissenschaftler übergibt Polly zwei Ampullen, die den Schlüssel zum Plan des Bösewichts „Dr. Totenkopf“ (Laurence Olivier!) sein sollen. Kurz darauf begleitet Polly ihre alte Liebe Joe zur Verteidigung seiner Basis. Joes Freund Dex (Giovanni Ribisi) wird von den bösen Automaten verschleppt. Auf der Suche nach Dex reisen Polly und Joe in die Uranminen von Shangri-La und auf eine Dr.-Moreau-artige Insel voller Dinosaurier. Unterstützt werden sie dabei von der Heli-Carrier-Kommandeurin Frankie (Angelina Jolie), deren Verbindung zu Joe ein wenig Beziehungsgeknister aufkommen lässt. Dr. Totenkopfs Plan ist – was soll es anders sein – die Zerstörung der Welt, während eine Raketenarche ins Weltall startet. Zeit für einen Countdown …

© Paramount Home Entertainment

Der Streifen aus dem Jahr 2004 wurde komplett vor Greenscreens gedreht, was man zum Teil auch sehr deutlich sieht. Der Film ist schwer beladen mit Sepiafiltern, Trickeffekten und gemalten (!) Hintergründen. Insgesamt ist der Film ein Fest der Anspielungen: von Frankies Lara-Coft-Attitüde und Nick-Fury-Augenklappe, den Eisenstein-Einstellungen, den Metropolis-Kulissen, dem Casablanca-Moment, den Blake und Mortimer-Flugzeugen, von Bruchtal-Kulissen bis zu den Gort-artigen Robotern, jede Einstellung des Films zitiert eine andere Ikone der Popkultur.

Dabei bleibt natürlich so manches auf der Strecke: Die Figuren sind eindimensional und die Darsteller müssen nicht schauspielern. Dem Film fehlt ein lebender Bösewicht (was den Film sehr kindertauglich macht). Polly muss sich so töricht verhalten, dass dieser Film wohl die Blaupause für das Klischee „dumme Blondine“ darstellt. Typecasting für Gwyneth Paltrow, die von Star Magazin zur „Meistgehasstesten Frau 2013“ gewählt wurde und es mit diesem Image im selben Jahr zur viertbestbezahltesten Schauspielerin in Hollywood geschafft hat.

Der Film macht Spaß, weil er sich nicht scheut, dämlich zu sein. Brillantes Zusammenrühren ist Quentin Tarantinos Kultfilm-Rezept – diesem Film fehlt leider die entscheidende Zutat: etwas, was man noch nicht kennt.

Empfehlenswert für alle Freunde des Pulp, schönste Rakete ever: 7/10

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