Ganz weit hinten

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© Fox Searchlight

„I wish I could stay here forever.“ – „You’re going to love the winters. They’re pretty spectacular. Painting houses until it gets too cold, bar backing at some dive, talking to inanimate objects.“

Duncan ist 14, schüchtern, schlaksig und unglücklich. Den Sommer soll er mit seiner Mutter und deren neuen Freund in einem Haus am Meer verbringen. Die Patchwork-Familie soll zusammenwachsen und zu einem harmonischen Gebilde werden. Für Duncan wäre das allerdings viel einfacher, wenn sein künftiger Stiefvater Trent nicht so ein Arschloch wäre, das ihn pausenlos Kumpel nennt und im selben Atemzug beleidigt. Während seine Mutter und Trent wie Teenager mit den Nachbarn feiern, entdeckt Duncan einen etwas maroden Wasserpark und den schrulligen Besitzer Owen, der den Jungen sogleich unter seine Fittiche nimmt.

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© Fox Searchlight

Die Hauptinspiration zum Drehbuch ist laut Autor und Regisseur Jim Rash eine Unterhaltung mit seinem eigenen Stiefvater, die er mit 14 Jahren mit ihm geführt hat. Der Junge soll sich darin auf einer Skala von 0 bis 10 selbst einschätzen und einfach eine Zahl nennen, die ihm entspricht. Nach einigem Zögern kommt ein kleinlautes 6, das vom Stiefvater mit einem „Naja, du bist eher eine 3.“ quittiert wird. Diese Nähe zur manchmal schmerzhaften Realität ist es, die „Ganz weit hinten“ zu einem so interessanten Film macht. Vielen Szenen ist der Alltag deutlich anzumerken, sie wirken realitisch und glaubwürdig und ermöglichen dem Zuschauer ein sanftes Eintauchen in die Geschichte.

Und auch der Hauptdarsteller Liam James verkörpert den schüchternen Teenager so gut, das man sich perfekt in seine eigene Teenager-Zeit zurückversetzen kann und bei jeder kleinen Spitze mitleidet. Nachdem der Ärmste von seiner Mutter (wie immer toll: Toni Collette) so sträflich vernachlässigt wird, erscheint der Wasserparkbesitzer Owen beinahe schon wie ein Ritter in strahlender Rüstung.

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Im liebevoll heruntergekommenen Wasserpark darf man sich noch einmal als Kind fühlen und sich an dem sommerlichen Trubel erfreuen. Das perfekt passende Setting wird zum Zufluchtsort für Duncan, an dem er Respekt und Anerkennung erfährt und der für den Zuschauer Quell einer Reihe von Rockwell’schen Gags wird. Sam Rockwell geht ganz in seiner Rolle als verspielter und alberner Kumpeltyp auf und betört mit unumstößlicher Coolness. Abgesehen davon, ist es auch eine Freude Steve Carell einmal in der Rolle des Arschlochs zu erleben, die ihm überraschenderweise ausgezeichnet steht.

„Ganz weit hinten“ überzeugt mit Lockerheit und jeder Menge Witz und driftet trotz sommerlicher Leichtigkeit nie ins Bedeutungslose ab. Alle Figuren sind überzeugend und machen im Laufe des Filmes eine mehr oder weniger große Entwicklung durch. Die Atmosphäre des Wasserparks, der übrigens im regulären Betrieb abgefilmt und nicht für die Dreharbeiten geschlossen wurde, passt perfekt und bildet das Gegengewicht zu den sonst stellenweise traurigen Szenen. „Ganz weit hinten“ besticht mit tollen Schauspielern, einer bewegenden Geschichte und einer tollen Atmosphäre.

Bewertung: 8,0/10

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