Homeland Recap Episode 5.1 – Separation Anxiety

© 2015 Showtime Networks Inc. and Showtime Digital Inc.
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Club-Besitzer: Du bist zu spät.
Gabe H. Cuod (rückwärts lesen, Hacker-Name): Tschuldigung.
Club-Besitzer: Scheiß auf Entschuldigung. Sei einfach pünktlich, du bist hier in Deutschland.

Wer als Deutscher eine solche Konversation hört, wird höchstwahrscheinlich grinsend den Kopf schütteln. Noch dazu findet das Gespräch in einem Rotlicht-Club statt. Doch vielleicht zeigt dieser allererste Austausch in der ersten Folge der neuen Staffel von Homeland eine wohltuende Richtung an, in die die CIA-Serie in Runde 5 gehen will. War schon seit Monaten bekannt, dass der Großteil dieser Staffel in Berlin spielt, blieb natürlich die Frage offen, inwieweit das Setting auch genutzt wird. Beruhigend kann hier gesagt werden, dass die deutsche Hauptstadt schon  in der ersten Folge als Hauptcharakter auftritt.  Es gibt Außenaufnahmen für den Wiedererkennungswert, schonmal einen deutschen Dialog mit englischen Untertiteln und mehrere deutsche Schauspieler, darunter einige großartige Akteure wie Sebastian Koch und Alexander Fehling. Berlin wird als Drehort für die internationale Bühne immer attraktiver und es ist schön zu sehen, dass nun auch eine Serie eines solchen Formats sich dieser wundervollen Stadt verschreibt.

Ein gegebenes Setting gut zu nutzen, war aber eigentlich nie das Problem von Homeland. Nach der energiegeladenen und intensiven ersten Staffel haben sich die Serienmacher in jeder neuen Staffel verworrene Konstrukte einer Handlung erdacht, welches sich immer erst in der zweiten Hälfte dieser auszahlte. Das hat zu einer genialen Endphase der drittel Staffel geführt und auch die Finale zu der zweiten und vierten waren großartig, doch war gerade die vierte Staffel, welche sich von viel Fett aus den vorigen Staffeln befreit hat, insofern eine kleine Enttäuschung. Die Erwartungen an ein Zugeständnis an das Spionage-Genre im Rahmen einer Dramaserie (wie z.B. The Americans als bestes Beispiel) wurden wieder durch eine zu undurchsichtige Handlung inklusive der zu oft belanglosen Reibereien zwischen den wiederkehrenden Charakteren gleich zu Anfang gedämpft. Staffel 5 startet zurückhaltender, lässt die Charaktere zwischen Aufeinandertreffen atmen und verläuft sich nicht in zu vielen mysteriösen Zusammenhängen oder Akteuren. Anstatt Erwartungen zu reduzieren, werden im Gegenteil neue entfacht. Es ist schwierig zu sehen, wo das hinführt, aber die neue Staffel konnte einen soliden Start verzeichnen.

Thematisch macht Homeland alles richtig. Nach Carrie Mathisons (Claire Danes) sang- und klanglosen Kündigung bei der CIA am Ende von Staffel 4 bleibt sie natürlich weiterhin die Hauptperson, nun für eine Sicherheitsfirma in Berlin arbeitend. Zwangsläufig werden sich ihre Wege wieder mit denen von Saul Berensen (Mandy Patinkin), der zusammen mit Dar Adal (F. Murray Abraham) die CIA in Langley leitet, und Auftragsagent Peter Quinn (Rupert Friend) kreuzen, die schon in der ersten Folge auf ominöse Weise in der deutschen Hauptstadt landen. Themen sind, und so soll es auch sein, ISIS, Cyberterror und ein wenig Snowden inklusive NSA/BND-Verhältnis. Und um ersteres Thema gleich ins rechte Licht zu rücken, wird in der ersten Szene der drei Charaktere Saul, Dar und Peter reinen Tisch mit der amerikanischen Außenpolitik gemacht. Also ohne weitere Worte zu der Rubrik:

Beste Szene: Peter soll nach zwei Jahren Fußarbeit in Syrien seine Eindrücke an einem langen Tisch von Abteilungsleitern der CIA darlegen. Erst zögerlich, aber dann durch irritierende Gegenfragen angefeuert, stellt er klar, wie die nicht durchdachten Strategien und das Handeln der CIA und Amerika im Allgemeinen geradezu lächerlich sind im Verhältnis zu der Bedrohung von ISIS. Und wer die Schuld an dieser Bedrohung trägt, fasst er gut mit dem bissigen Kommentar zusammen, dass die einzige nun noch effektive Maßnahme sei, den Reset-Knopf zu drücken und Raqqa in einen Parkplatz zu bomben. Prägnanter lässt sich die Kritik an Amerikas Nahost-Politik kaum in einer Serie über die Funktionäre dabei unterbringen.

Fazit: Neuer Ort, neues Thema, neues Glück. Die Vorzeichen sind gut gesetzt und die Serie fühlt sich frisch an. Ob Homeland es nach dem missglückten Versuch in der vierten Staffel nun in der fünften schafft, unnötigen Ballast abzuwerfen und die spannend-intensive Spionageserie wird, die sie sein sollte, sozusagen 24 für Anspruchsvolle, lässt sich mit der ersten Folge noch nicht klären, die Hoffnung darauf wird aber entfacht. Bis dahin überzeugen die Darsteller und natürlich Berlin. Außerdem kann der Zuschauer sich noch auf Nina Hoss freuen, die ja schon einen kurzen Auftritt in Staffel vier hatte und hier wieder dabei sein wird.

Bewertung: 8/10

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