Ich fühl mich Disco

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© Salzgeber & Co. Medien GmbH

„Entschuldigung, bist du Christian Steiffen? Dürfte ich dir eine reinhauen?“ – „Ja klar.“

Flori ist dick, unsportlich und interessiert sich nicht für Mädchen. Sein Vater, der junge Turmspringer trainiert, weiß mit dem sensiblen Jungen mit musikalischem Interesse deshalb wenig anzufangen. Floris beste Freundin ist seine Mutter, mit der er regelmäßig in glitzernde Outfits schlüpft und zur Musik von Christian Steifen durch die Wohnung tanzt. Doch durch einen schrecklichen Zwischenfall sind Vater und Sohn plötzlich miteinander allein – als Hanno dann auch noch von der Homosexualität seines Sohnes erfährt, steuern die beiden auf eine Katastrophe zu.

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Sehr schnell wird dem Zuschauer klar, dass sich der Macher dieses Films sehr gut mit den Problemen des jungen Flori auskennen muss. Dinge geschehen, Sätze fallen, deren Ursprung man direkt im Alltag vermutet – Geschichten, die das Leben schreibt, wie man so schön sagt. Und in der Tat hat Axel Ranisch, der selbst einmal dick und unsportlich war, viele ähnliche Szenen in seiner Kindheit erlebt. Die Szenen, die sich zu einer fesselnden Handlung verweben, wirken echt und unverfälscht und sind in ihrer Ehrlichkeit manchmal zum Lachen, manchmal zum Weinen, aber immer ganz nah an der Gefühlswelt des Zuschauers.

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Dazu tragen nicht zuletzt die grandiosen Schauspieler ihren Teil bei, allen voran der junge Frithjof Gawenda, der sich furchtlos seiner Figur annimmt und die Kamera ganz nah an sich heran lässt. Doch auch Heiko Pinkowski kann in der Rolle des emotional ungelenken, aber letztendlich doch liebenden Vaters voll und ganz überzeugen. 

„Ich fühl mich Disco“, der übrigens ohne festgelegte Dialoge und mit einem nur 6 Seiten langen Drehbuch auskam, ist eine Liebeserklärung. An die Kindheit, an die Eltern, an die Plattenbausiedlung, an die erste große Liebe, an den ersten großen Liebeskummer.

Bewertung: 9,0/10

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