Killer Joe

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„Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat. “ – Mt 25,29 LUT –

Zu der letzteren Sorte gehört auch der junge Drogendealer Chris, der, nachdem er von seiner Mutter um eine Menge Geld gebracht wurde, große Probleme mit dem örtlichen Drogenkartell hat. Als er erfährt, dass seine Mutter eine 50.000 Dollar schwere Lebensversicherung hat, beschließt er, sie umzubringen. Weil man sowas ja nicht so leicht selber kann, heuert er zusammen mit seinem Vater den Auftragskiller Joe Cooper an, der hauptberuflich Cop ist – durchaus praktisch bei der späteren Fahndung nach dem Mörder. Das einzige Problem ist nur, dass der Killer normalerweise Vorkasse erwartet, er macht dieses Mal aber eine Ausnahme und nimmt dafür als Pfand Chris jüngere Schwester Dottie – das Drama nimmt seinen Lauf.

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Regie-Legende William Friedkim zeigt mit der Verfilmung des Bühnenstücks von Tracy Letts, dass er noch lange nicht zum alten Eisen Hollywoods gehört. Der Film hat eine unglaublich intensive Atmosphäre und ist von einer unschlagbaren erzählerischen Dichte. Unbarmherzig wird die Handlung vorangetrieben, die gegen Ende hin immer abstruser und grauenhafter wird. Während des Films kann man es teilweise nicht fassen, wie absurd und wie grausam die jeweils gezeigte Szene ist. Auch die Settings, die Beleuchtung und die Kameraeinstellungen tragen zu der wunderbaren Atmosphäre bei. Die Szenen im Trailerpark sind nur angedeutet, man sieht eigentlich nie einen kompletten Wohnwagen, geschweige denn, mehrere davon. Nur durch das Andeuten bestimmter Dinge, durch Ausschnitte gewinnt man sofort einen Eindruck von der Umgebung und der Stimmung, der aber nicht auf der Kinoleinwand erzeugt wird, sondern im Hirn des Betrachters – so sollte es sein.

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Besonders bemerkenswert sind aber die wunderbaren Charaktere des Films, die teilweise wirken wie lebende Klischees oder Personen, die man schon lange kennt, dann aber doch mit unerwarteten Handlungen oder Charakterzügen überraschen. Allen voran sei dabei natürlich der Hauptdarsteller Matthew McConaughey erwähnt, der als Killerjoe absolut überzeugend und glaubhaft agiert, den Wahnsinn hervorragend verkörpert und sich teilweise extrem enthemmt auf der Leinwand zeigt. Der gebürtige Texaner verkörpert die zwiespältige Persönlichkeit des Killers/Cops perfekt und verliert keine Sekunde seine abolute Bedrohlichkeit und Präsenz. Die Familie ist ebenfalls eine Bande von zerrütteten und zwiespältigen Persönlichkeiten, die Schwester Dottie offenbar verrückt oder zumindest gestört, der Vater ein hart arbeitender, einfacher Mann, die Stiefmutter eine inrigante Zicke, der Bruder ein Dealer, der seine kleine Schwester um jeden Preis beschützen möchte. Jeder hat sein Päckchen zu tragen in diesem wirklich spannenden und intensiven Film.

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Insgesamt ist der Film wirklich empfehlenswert, die Darsteller durchweg überzeugend und interessant und die Atmosphäre düster und bedrohlich. Die Handlung ist bis zum (absolut perfekten!) Ende fesselnd und lässt keine Zeit zum Luftholen. Am 2. November kommt der Film auf DVD und ich empfehle den Original-Ton wegen des schönen, breiten, texanischen Dialekts.

Cool auch die Webseite des Films.

Und hier noch die Meinung des Metabolisten zum Thema.

Bewertung: 10/10

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