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Kurzfilmkritik: El Español (2010)

El Espanol Kurzfilm

Man kann diesen Film als Klamauk abtun, wird ihm damit meiner Meinung nach aber nicht gerecht. Obwohl der Film fünf Jahre alt ist, ist er angesichts der Flüchtlingsdebatte hochaktuell. In den ersten Sekunden des Films bekommen wir erzählt, dass ein fremdes Wesen aus dem Weltall auf die Erde kam und diese ausbeuten wollte; kurz darauf stellt sich heraus, dass es sich hierbei um einen Spanier handelt. Das englische Wort „Alien“ bedeutet „Ausländer“. Die Angst vor dem Unbekannten und homo homini lupus führen zu voreiligen Schlussfolgerungen und zur ablehnenden Haltung so genannter „besorgter Bürger“ gegenüber den Einwanderern.

Wir bekommen den Spanier fast nur in Closeups zu sehen – der Eindringling wird kritisch beäugt und unter permanenter Beobachtung gehalten. Das einzige Mal, dass wir ihn im Ganzen sehen, ist bei der „Grenzüberschreitung“ von Treppe auf Rasen, nach der er das Land annektiert und als erobert mit seiner Flagge markiert.

Seine Forderungen (1000 Jungfrauen und 1500 Kartoffeln) erscheinen lächerlich und überzogen, wie auch die Ängste der „besorgten Bürger“ lächerlich und überzogen sind. Sein „Todeslaser“ entpuppt sich als harmloses Spielzeug. Des Weiteren verkündet der Spanier, mit seinen 9000 Kampfninjas die deutsche Burg besetzen zu wollen – auch hier spiegelt sich die Angst vor der Invasion durch die Flüchtlinge wider. Der Deutsche Andi Waffelbackgerät, der symbolisch für die „besorgten Bürger“ steht und den Spanier aufhalten möchte, fühlt sich letzterem dadurch überlegen, fließend deutsch sprechen zu können. Wer sonst nichts vorzuweisen hat, brüstet sich eben mit haltlosem Nationalstolz. Letzten Endes wird der Spanier jedoch perfekt integriert, er schaut spießbürgerlich-brav das deutsche Fernsehangebot. Der Deutsche weint über den Verlust der potenziell bereichernden Kulturvielfalt, wird sein Verhalten aber vermutlich nicht ändern (können).

Die Umsetzung wirkt nur auf den ersten Blick ungewollt fehlerhaft, doch auch hier täte man dem Regisseur mit einer voreiligen Abfertigung unrecht. Die vermeintlichen Mängel bedürfen ebenso wie die Flüchtlingsproblematik einer zweiten, genaueren Prüfung der Hintergründe. Der Film ist sich darüber bewusst, dass er ein Film ist und geht offen damit um.  Fallen die Skripte, von denen abgelesen wird, anfangs nur dem aufmerksamen Zuschauer auf, werden sie im Verlauf des Films immer bewusster in Szene gesetzt. Wir sehen sie immer deutlicher in der Spiegelung der Sonnenbrillen, einmal wird eines sogar in die Kamera gehalten und am Ende wird die Sonnenbrille durch eine normale ersetzt, sodass wir das Ablesen direkt an den Augen erkennen. Untermauert wird das Ganze durch einen unzuverlässigen Erzähler, der am inkonsistenten Voiceover als solcher (und darüber hinaus als der Spanier) zu entlarven ist; so soll sich die Geschichte vor vielen, vielen Jahren ereignet haben, spielt aber deutlich erkennbar in der Gegenwart.

Dennoch wirkt alles noch recht zurückhaltend, inhaltlich wie auch bei der Umsetzung wäre vielleicht mehr Übertreibung angebracht gewesen; so trägt sich das Konzept nicht ganz über die Länge des Films. Einzig der zu späte Schnitt bei 5:07 fällt negativ auf. Um ihn als Stilmittel anzuerkennen wäre das wiederkehrende Auftreten solcher filmillusionszerstörender Schnitte nötig. Die Tippfehler bei den Untertiteln erscheinen mir unbeabsichtigt zu sein, hier hätte man Korrekturlesen (lassen) sollen.

Unterm Strich bleibt ein Kurzfilm, der hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt, aber sowohl als gesellschaftskritischer Kommentar als auch als sinnlose Alberei funktioniert.

Bewertung: 6/10

El Español, Regie: Daniel Birkholz

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