Kurzfilmkritik: Hugo Boss (2015)

Bildschirmfoto 2016-04-24 um 14.11.21

Humor ist Geschmacksache. Ich persönlich finde einen Sketch voller vorhersehbarer, flacher Witze nicht lustig. Besonders problematisch wird es, wenn der Zuschauer nicht weiß, ob etwas als Witz gemeint war oder wirklich ein Filmfehler ist – vor allem, wenn es sowohl als Witz als auch als Filmfehler idiotisch ist.

Ein direkter Einsteig ist bei einem Kurzfilm sehr begrüßenswert, aber die schnellen Schnitte während der Anfangsszene, die keinerlei Hintergrund für uns hat, führen nur dazu, dass man sich fragt was da passiert – aber eben nicht im guten „ich will wissen wie es weitergeht“-Sinne. Dann sagt der Typ allen Ernstes „what the fuck“, als wäre er das Publikum. Zu dem Zeitpunkt könnte man noch spekulieren, dass das Ganze im englischsprachigen Raum spielen sollte, aber nein, bereits im nächsten Shot bekommen wir ein deutsches Kennzeichen zu sehen und hören den total unverbrauchten russischen Akzent eines Klischeehandlangers.

Bei 0:48 ist die erste Stelle, bei der man nicht weiß, ob es ein Witz sein sollte oder ein Filmfehler war. Auf die Frage des Blonden erfolgt keine Antwort und er sagt sofort „Falsche Antwort!“ Was. Jeder mögliche Erklärungsversuch dafür wirkt wie reine Zeitverschwendung, diese Szene entzieht sich jeglicher Rechtfertigung. Kurz darauf sagt er „Ich frage noch einmal“ und fragt dann direkt zweimal. Soll das witzig sein? Ist das ein Schnittfehler? I don’t even.

„Nun die entscheidende Frage, hast du das Geld dabei“ – are you fucking serious? Die entführen ihn, als er ohne Tasche oder sonst was auf der Straße rumgammelt und dann fragt der Blonde, ob der Kerl das Geld dabei hätte?! Das ist so unwahrscheinlich dämlich, ich hab nicht die geringste Ahnung wie jemand so was lustig finden kann (falls es ein Witz sein sollte) bzw. wieso es niemandem auffällt (falls es ein Skriptfehler war). Die Stelle ab 1:13 ist auch danebengegangen. Dass er seinen Kopf mehrmals auf den Tisch haut, obwohl der andere schon weg ist, kann ich immerhin noch als witzig gemeint erkennen (auch wenns das nicht ist), aber dass der Kopf gar nicht so weit runtergeht dass er die Tischplatteberühren könnte… ich weiß wirklich nicht, was ich von dem Ganzen halten soll. Zu der Sprachcomputerszene spar ich mir mal einen Kommentar. Beim Ende kann ich zumindest verstehen, wenn das jemand lustig findet, es ist auch einigermaßen charmant umgesetzt.

Das Schauspiel ist furchtbar. Der Blonde ist der bessere und auch wenn es bei ihm paar Szenen zum Fremdschämen gibt, ist er über weite Teile recht gut, auch wenn sein Alter natürlich nicht zur Rolle passt. Der Dunkelhaarige ist, angefangen damit, dass er brav wartet bis ihm im Auto das Tape über den Mund geklebt wird, durchgehend unglaubwürdig (mit Ausnahme der Szene als ihm das erste Mal Schmerzen zugefügt werden). Ich referenziere extra auf niemanden mit dem Charakter, da ich nur Darsteller sehe. Natürlich kann man von einem Laien nichts erwarten, doch schlechtes Skript und mangelnde Regie lassen selbst guten Schauspielern wenig Spielraum.

Kamera und Schnitt sind okay, der einzige unsaubere Schnitt der mir auffiel war bei 1:56 (oben erwähnte ausgenommen). Beleuchtung und/oder Nachbearbeitung find ich seltsam, das Bild ist generell am Rand zu dunkel, es wirkt als hätte man nachträglich ne Vignette eingefügt, die aber einfach nur da ist, ohne zielgerichtet den Blick zu führen, was eben entweder auf schlechte Beleuchtung oder sinnlose Vignette hindeutet.

Was sich trotz allem positiv hervorheben lässt, ist dass es zumindest so wirkt, als hätte der Dreh Spaß gemacht. Wenn die Energie und den Spaß in ein gutes Skript investiert wird, kann sicher ein annehmbarer Film dabei herauskommen.

Bewertung: 2/10

Hugo Boss, Regie: Adrian Fach

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