Kurzfilmkritik: (K)Ein Tag wie jeder Andere (2015)

(K)ein Tag wie jeder andere

Dieser Film wurde für den 99Fire-Films Award gedreht und war daher an einige Auflagen gebunden (99 Sekunden Länge, Thema: „Was ich schon immer mal tun wollte“, „Hashtag“ musste als Wort oder Symbol vorkommen). Da ein Film aber immer für sich steht und ich kein Jurymitglied des Awards bin, spielen die Rahmenbedingungen für dieses Review keine Rolle.

Das Wortspiel im Titel ist overused und der Schreibfehler peinlich. Auf den ersten Blick ist die Dramaturgie vorhanden, wir haben einen Ausgangszustand und einen davon differenten, gewünschten Endzustand. Nur der Weg dorthin ist unglaubwürdig.

Es gibt zwei Dinge, die man bei einem Kurzfilm nicht tun sollte: Ihn damit enden zu lassen, dass alles nur ein Traum war, und ihn damit anfangen zu lassen, den morgendlichen Ablauf des Protagonisten zu zeigen. Da du dir nun mal so eine Geschichte ausgesucht hast, gibt es aber wohl nicht viel anderes, was du sonst hättest tun können. Ja, wir sind alle in unsrem Alltagstrott gefangen und sollten eigentlich blablabla.

Als die Protagonistin das erste Mal im Büro ist, dachte ich, sie tippt den eingeblendeten Text. Der ist dermaßen unorganisch in den Film eingewoben, dass ich das nicht mal gut finden kann, wenn ich die Vorgabe berücksichtige. Zumal es auch sinnlos ist, sowohl das Wort als auch das Symbol für „Hashtag“ zu benutzen. Der Film versucht nicht eine Botschaft rüberzubringen, sondern packt den Zuschauer am Genick, zeigt mit dem Finger drauf und brüllt: „HIER, SO IST DAS GEMEINT, VERSTEHST DU???“ Subtil und ansprechend sieht anders aus.

Der Wendepunkt ist unglaubwürdig. Weil eines Tages unerwartet der Wecker ausfällt, wirft sie alles über den Haufen und macht endlich das, was sie schon lange tun wollte? Yeahno. Vor allem, als ob sie den Wecker den ganzen Weg aus dem Schlafzimmer tragen und erst vor der Tür checken/wegwerfen würde. Dieser einzelne Apfel ist auch ziemlich konstruiert, fast schon lächerlich. Der Punkt „meine Eltern finden“ auf ihrer Liste ist ziemlich weird. Wenn ich nicht wüsste, wer/wo meine Eltern sind, wäre das für mich keine Sache, bei der ich denke „joa sollte ich mal machen, aber grad keine Zeit“. Die Punkte „Zeit für meine Freunde“ und „Kindern in Afrika helfen“ (seufz) sind auch merkwürdig. Wieso sollte ihr jetziger Job sie daran hindern? Im Film wird uns nur der langweilige Bürojob als Grund geliefert, warum sie sonst nichts tun kann. Not buying it.
„Zur Filmschule gehen“, höhö, wir sind so mega selbstreferenziell. Untermauer so was doch mit dem Szenenbild, zeig mir wie Filmposter an ihren Wänden hängen, sich DVDs im Regal stapeln… Bilder von New York, Indien… mach die Liste glaubwürdig.

Bei 0:48 hat sie ein dunkles Oberteil an, aber später im Büro dann ein weißes. Beim ersten Schauen fand ich das weiße Oberteil am dritten Tag als Kontrast zu den dunklen Sachen symbolisch gut, aber danach fiel mir eben auf, dass sie es bereits am zweiten trug. Auf solche Dinge muss man beim Drehen achten.

Immerhin macht die Darstellerin ihre Sache sehr gut. Ihr ist die Situation unangenehm, ohne dass diese es für uns wird. Ihr Lächeln finde ich sowohl bei 1:18 als auch bei 1:38 jedes Mal wieder ansteckend. Auch an der Kameraführung gibts nichts auszusetzen. Das Pacing ist gut, der Film hat keine Längen und zeigt doch ihren langwierigen Alltag. Die Kreuzwegsymbolik und ihr anfängliches Zögern zeigen, dass man sich prinzipiell schon Gedanken gemacht hat.

Alles in allem ein leicht zu vergessender Film, der sich keinen Vorgaben hätte beugen sollen und sich mehr Zeit hätte nehmen müssen, um eine glaubwürdige Geschichte zu erzählen und nicht in die Belanglosigkeit abzudriften.

Bewertung: 4/10

(K)Ein Tag wie jeder Andere, Regie: René Mailänder

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