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Kurzfilmkritik: Zetro (2015)

Zetro

Mit Voiceover zu starten ist meistens eklig, gerade bei einem Kurzfilm und vor allem, wenn der Sprecher es nicht so richtig draufhat. Als die Hand zu Ende streichelte, hab ich auch schon wieder vergessen was für generisches Zeug der Typ gefaselt hatte. Dann kommt erst mal Expositionstext, was mich noch mehr abfuckt als Voiceover (vor allem da er Zeichensetzungsfehler enthält). Das ist ein Film, kein Buch (gibt natürlich genügend Beispiele, in denen Text gut eingesetzt ist, aber man sollte das nur aus gewichtigem Grund und passend umgesetzt nutzen). Zumal der Protagonist ja auch noch wartet, bis die Schrift verschwindet und das wirklich nur dafür macht, man sieht richtig wie der Schauspieler – nicht der Charakter – einfach wartet. Danach kommt noch mehr Exposition durch das Gespräch. Boooooooooring. Ja, bei einem Kurzfilm hat man keine Zeit und ja, Exposition muss man oft reincheaten, aber come on. Einer Schnittversion, die mit Blackframe einsetzt, „Wollen wir beginnen?“ – „Ja.“, dann Titeleinblendung und weiter wie gehabt bleibt, würde vermutlich nichts Essenzielles fehlen.

Es werden zwei Szenen gezeigt und die Maschine sagt „das waren nur einige der verschiedenen Beispielsimulationen“. Wieso „nur einige“? Sag doch einfach „zwei“, unter „nur einige“ stelle ich mir etwas Imposanteres vor. „Nur einige“ impliziert, dass jemand etwas bereits für das Ganze oder den Großteil halten könnte und sukzessiv durch ein „nur einige“ schockiert wird. Und natürlich will die seine Traumfrau ans Meer. Der Angstraum Meer übt zwar schon seit dem Mittelalter eine gewisse Faszinazion aus, aber wieso will jeder in jedem gottverdammten deutschen Film ans Meer? Knockin‘ on heaven’s door, Vincent will Meer, Bis zum Ellenbogen usw.

Wie erlebt der Protagonist diese Szenen? Er ist an nichts angeschlossen, das sein Gehirn manipulieren könnte, um ihn die Szenarios für real halten zu lassen. Vielleicht ist ja der Raum selbst nur eine Illusion und der Charakter in der echten Welt an eine Maschine angeschlossen, die das Ganze simuliert. Das ist aber weit hergeholt und der Film liefert keinerlei Anhaltspunkte für diese Theorie. Schaut er sich die Sachen an einem Bildschirm an? Das fänd ich ziemlich idiotisch (der Protagonist (oder sein Avatar oder was auch immer) denkt ja jedes Mal, er sei selbst in dieser Situation), aber dann zeig mir wenigstens in einem Reverseshot, wie er auf den Bildschirm schaut.

Ich mag Filme, die mir nicht alle Antworten mit dem Vorschlaghammer präsentieren, aber ein Film muss für mich Anhaltspunkte bieten, aufgrund derer man gut begründete Theorien aufstellen kann, die einer kritischen Überprüfung standhalten. Also ja, muss er auch nicht, aber dann wirkt er undurchdacht und als wüsste der Regisseur nicht, was er tut. Ich glaub schon, dass du dir was dabei gedacht hast, nur merkt man davon nichts. Und damit komm ich zum größten Kritikpunkt am Film: Das ganze Ding ist pointless as fuck.

Wieso ist das Setting irgendein Hochhaus in einer weit entfernten Zukunft, wenn das für den Film nicht die geringste Rolle spielt und wir das nicht sehen? Weil es cool klingt? Man hätte einfach irgendwas Beliebiges dafür nehmen können. Natürlich kann man jetzt einwenden „wenns egal ist, kann es auch genau das sein“, und das stimmt auf den ersten Blick, aber jede Entscheidung bei einem Film sollte ihn voranbringen. Lass doch die Rahmenbedingungen lieber ganz weg, statt uns so was Halbgares zu geben. Ja, da ist so ein Hochhaus und die Leute nennen es „Die letzte Stadt“. Und jetzt? Who cares, es ist nicht im Geringsten relevant für die Zuschauer und schon gar nicht für die Charaktere.

Der Film wirkt auf mich als ob er sich für edgy und clever hält, aber im Grunde ist er total belanglos. Die einzelnen Szenarien haben nichts miteinander zu tun. Natürlich müssen die naturgemäß zeitlich und vom Setting her nicht zusammenpassen, aber es wirkt einfach, als ob man random irgendwelche Szenen genommen hätte. Es fehlt ein roter Faden, es fehlt etwas, das den Film zusammenhält, denn die dürftige Rahmenstory tut das nicht. Klar, der Teil am Ende gehört schon zusammen, aber zu dem Zeitpunkt im Film interessiert es mich nicht mehr. Ich hätte mir den Film nicht zu Ende angesehen, wenn ich ihn als Zuschauer und nicht als Kritiker gesehen hätte.

Die Kameraführung ist solide (aber was soll das Gewackel als er über die Häuser schaut; der Shot sollte am besten auch ganz raus, da es als einzige Referenz auf „Die letzte Stadt“ viel zu schwach ist), das Schauspiel ist okay (abgesehn vom Overacting wenn der Protagonist sich verwundert in einer neuen Situation umschaut). Der Gesprächspartner auf der Bank ist zusammen mit dem „Raucher“ der beste, aber insgesamt wirkt es, als würden die Darsteller die Worte nur sagen, weil sie im Drehbuch stehen. Ich hab die Leute jetzt nicht recherchiert, aber wenn das echte Schauspieler sind, hätte man als Regisseur mehr aus ihnen rausholen müssen. Regie ist nun mal Schauspielerführung. Der Schnitt ist gut, zwischen 1:44 und 1:50 hätte ich vielleicht noch 1-2 Sekunden rausgenommen. Der Ton ist oft unsauber. Die Musik und größtenteils die Soundeffekte fand ich gut.

Die Ausgangssituation, der Beschreibungstext – das klingt interessant. Eine ziemlich gute Idee, aus der man einen spannenden 15-Minüter hätte machen können. Unterm Strich bleibt viel verschenktes Potenzial und fünf Minuten Langeweile.

Bewertung: 3/10

Zetro, Regie: Victor De Pachas

Zetro from Michael Fersch on Vimeo.

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