Les Misérables

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© Universal Pictures

Der Inhalt dieses weltbekannten Musicals ist dem Einen oder Anderen sicher bekannt, allen, die nicht wissen worum es geht, seien folgende Schlagwörter eine Hilfe: Liebe, Tragik, französische Revolution, Herzschmerz, Trauer, Rache, unerwiderte Liebe, Schmerz, Aufopferung, Selbstlosigkeit, Glaube, Gnade, Güte, Gerechtigkeit, Mutterliebe, Vaterliebe, Intrigen, Freundschaft bis in den Tod, Verrat, Gesetzestreue, Elend, Leid, soziale Ungerechtigkeit, Aufstand etc. etc. Klingt nach ganz schön vielen Themen für einen 158-minütigen Film. Hängen bleiben im Grunde auch nur diese: Leid und Liebe. Und das alles verpackt in einem tränentriefenden, schmalzigen und übermäßig pathetischen Musicalfilm. Und Musik gibt es jede Menge! Den Film in der deutschen Synchronisation anzuschauen, macht im Grunde überhaupt keinen Sinn, da eigentlich dauerhaft gesungen wird und es nur wenige gesprochene Sätze gibt – und den vielen Gesang gibt es glücklicherweise auf Englisch mit deutschen Untertiteln. Ein Lesevergnügen ist also garantiert!

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© Universal Pictures

Für diesen Musicalfilm gab es die vielbeachtete und ungewöhnliche Variante der Tonabnahme live während der Aufzeichnung, was den Schauspielern eine größere Freiheit im Schauspiel und die Möglichkeit, ein eigenes Tempo zu entwickeln, geben sollte. Diese Technik erlaubt es, dass die Akteure während des Gesangs heulen und schluchzen und auch wenn das natürlich schön authentisch und total nah am Menschen ist, wurde das Ganze etwas zu stark ausgereizt. Kaum ein Akteur, der nicht mindestens einmal mit verweinten Augen und brüchiger Stimme in Nahaufnahme ein trauriges, ja sogar tragisches Lied zum Besten gibt. Allen voran natürlich Anne Hathaway, die mit ihrem Mut zur verquollenen, kahlköpfigen Hässlichkeit, einen Oscar abstauben konnte. Leider artet diese Darstellungsweise in enormen Kitsch und Pathos aus, was leider keine Gefühlsregungen beim Zuschauer auslöst, sondern teilweise lächerlich und unglaubwürdig wirken. Zu viel des Guten!

Auch die Kamera wirkt nach einiger Zeit recht einfallslos und geradezu statisch. Mit den Darstellern wird leider oft nicht mehr gemacht, als sie in extremer Nahaufnahme beim Singen zu zeigen, ab und zu wird mal hin und her gewandert oder ein kleiner Schnitt gemacht – das wars dann aber leider auch. Das ist nicht nur ziemlich langweilig, sondern auch relativ unästhetisch, denn selbst die gutaussehenden Hollywoodstars sehen mit aufgerissenen Mündern nicht so toll aus – erst recht nicht, wenn sie eher „natürlich geschminkt“ bzw. zahntechnisch ans 19. Jahrhundert angepasst wurden. Ab und zu wird dem Zuschauer ein perfekt komponiertes, perfekt durchgestyltes Bild vorgesetzt, das an ein Ölgemälde erinnert – das ist zwar schön anzusehen, wirkt aber irgendwie auch sehr steif und teilweise unpassend. Der Film schwankt bildtechnisch zwischen völlig ungeschminkter Authentizität und perfekt ausgeleuchteten Gruppengemälden, was unausgewogen und unentschlossen wirkt.

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© Universal Pictures

Die Schauspieler sind im Grunde durch die Bank weg sehr gut, die Rollen sind super gecastet und auch der Gesang ist bei allen angenehm und gut. Selbst der raubeinige Russel Crowe singt die Rolle des Javert überzeugend und macht diesen Charakter zu einem der interessantesten des Films. Außer Javert sind auch die Rollen des Herbergenbetreiberpaares, das von Helena Bonham Carter und Sacha Baron Cohen gespielt wird, charakterlich am interessantesten. Obwohl sehr gut gespielt, ist die Rolle von Hugh Jackman als gebeutelter Ex-Sträfling und später als tugendhafter Held sehr flach und alle Handlungen extrem vorhersehbar. Auch die anderen Charaktere sind (natürlich bedingt durch die Geschichte) leider klischeehaft und nicht sehr interessant.

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© Universal Pictures

Der Film bewegt sich sehr nah an der Musicalvorlage und ist durchsetzt von den Gesangsstücken derselben. Alle „Les Misérables“ Fans werden mit diesem Film sicherlich glücklich und in ihren Erwartungen bestätigt. Man hätte aber an der ein oder anderen Stelle mutiger sein und von der Vorlage abweichen können oder zumindest eine interessantere Darstellungsform wählen können. Der Film ist leider insgesamt zu kitschig, das Ganze gipfelt zu allem Überfluss auch noch in einem grauenhaften, unendlich pathetischen Ende. Positiv hervorzuheben sind trotzdem die Schauspieler, der Gesang und die Musik und die Unterhaltsamkeit der Geschichte. Trotz der fast dreistündigen Laufzeit langweilt man sich nicht und Handlung verläuft in einer angenehm straffen Erzählweise. Für Fans sicherlich ein Muss, alle anderen müssen sich überlegen, wo ihre Kitschigkeitsgrenzen überstrapaziert sind.

Bewertung: 4/10

One Comment

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