Long Weekend (2008)

© Tiberius Film
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Peter und Carla wollen dem Alltag entfliehen und übers Wochenende an einer mehr oder weniger geheimen, abgeschiedenen Bucht an der australischen Küste campen. Schon auf dem Weg dorthin ergeben sich einige Probleme und vor Ort schließlich ist an entspannende Idylle nicht mehr zu denken. Nicht nur tritt das Gegenteil des erhofften Effektes ein, indem Peter und Carla sich menschlich immer mehr voneinander entfernen, es scheint auch noch, als hätte die Natur sich gegen sie verschworen und würde sie angreifen.

Long Weekend ist ein Remake des gleichnamigen Films von 1978. Das Subgenre, dem er angehört und welches das Original vielleicht sogar begründet hat, ließe sich „nature revenge horror“ nennen. Die Menschen gehen achtlos mit ihrer Umwelt um und diese rächt sich nun mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln.

Auch Peter und Carla benehmen sich nicht gerade rücksichtsvoll in der Wildnis. Einmal schmeißt Carla ein Adlerei gegen einen Baum und Peter fragt sie vorwurfsvoll, wieso sie das nun getan hätte. Diese Szene ist oft Anlass für Kritik gewesen – Peter sei doch derjenige, der die ganze Zeit gegen die Natur gehandelt hätte. Ich sehe das anders. Alles was Peter bisher getan hat, war entweder achtlos (zum Beispiel die noch brennende Zigarette aus dem Autofenster werfen) oder „da passiert schon nichts“ (zum Beispiel eine Flasche ins Meer werfen und mit dem Gewehr drauf schießen). Das macht seine Handlungen nicht weniger dumm, aber im Falle des geworfenen Adlereis haben wir es das erste Mal mit einer aktiven und bewussten Tat gegen die Natur zu tun. Peter und natürlich auch Carla haben ja nicht im Sinn, der Umwelt zu schaden. Es stimmt zwar, dass Carla bereits zuvor Insektenspray gegen Ameisen einsetzt, aber da kann man nicht von einem wirklichen Angriff auf die Natur reden. Der größte Unterschied ist allerdings, dass die beiden die Folgen direkt mitbekommen. Wenn die Eierschale am Baum zerschellt und der Inhalt sich über die Rinde verteilt und herabtropft, dann bekommen sie vor Augen geführt, wie hier einem Vogel durch ihr Handeln die Chance verwehrt wurde, das Licht der Welt zu erblicken.

© Tiberius Film
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Das Wochenende war zur Entspannung gedacht und sollte dafür sorgen, dass Peter und Carla sich wieder näher kommen. Dennoch lassen sie es zu, dass die Umstände des Trips für Spannungen zwischen den beiden sorgen. Diese Streits wirken allerdings sehr forciert. Zu schnell eskaliert es jedes Mal, nur um irgendeine Grundlage vorweisen zu können, die Handlung voranzutreiben. Das reißt einen zu oft aus dem Filmerlebnis und ist besonders deshalb überflüssig, weil die Handlung durch die aufgebaute Atmosphäre fast schon ein Selbstläufer sein könnte. Denn atmosphärisch ist Long Weekend allemal. Dafür sorgt nicht nur die eingesetzte Musik, auch visuell hat der Film durch die Küste Australiens einiges zu bieten. Darüber hinaus werden die Angsträume Wald und Meer nicht umsonst seit spätestens dem Mittelalter als solche gehandelt und Regisseur Jamie Blanks nutzt sie ziemlich effektiv. Ein dunkler Schatten im Wasser als Peter nichtsahnend schwimmt und Carla panisch versucht ihn zu warnen – mehr braucht es nicht, damit sich jemand mit dieser Urangst vor dem Unbekannten sehr unwohl fühlen wird. Aber auch an Land gibt es genug zu fürchten, von einer Tarantel über Insekten bis hin zu einer Adlerattacke. Diese sieht zwar eher stümperhaft umgesetzt aus, im Making of ist aber zu sehen, dass es sich bei dem Greifvogel nicht etwa um eine Puppe, sondern einen echten Adler handelt, der dem Hauptdarsteller Jim Caviezel ins Gesicht fliegt. Unter diesen Umständen muss man wohl davon ausgehen, dass eine bessere Inszenierung kaum möglich war.

Abgesehen von den unglaubwürdigen Auseinandersetzungen der Protagonisten ist Long Weekend gut gespielt. In der zivilisierten Welt gibt es zwar noch einige andere Figuren, den Großteil des Films müssen die beiden aber alleine tragen, was ihnen auch mühelos gelingt.

Das Ende ist vorhersehbar und vielleicht sogar klischeehaft, allerdings konsequent genug als dass man das akzeptieren kann. Ganz zum Schluss sehen wir Aufnahmen, die wohl Ausschnitte aus dem Hochzeitsvideo von Peter und Carla sind. Vielleicht sollen sie zeigen, wie glücklich und harmonisch die beiden mal waren (mir fiele keine andere Erklärung ein und diese ist schon wohlwollend), für den Film aber hat es weder Relevanz noch passt es zum Rest. Am besten wäre es weggelassen worden.

Long Weekend leidet ein wenig unter narrativen Schwächen, ist aber ein gut gespielter, atmosphärischer Horrorfilm mit schönen Bildern, der neben klug abgestimmter Musik die wohl gruseligste Seekuh der Filmgeschichte enthält.

Bewertung: 7/10

horrorctober-2016

Das war ein Beitrag zur Blog-Aktion „The Ghost of Horrorctober“ der Blogger-Freunde von Cinecouch. Wir nehmen gern teil und werden deshalb den Oktober über 13 Horrorfilme schauen und besprechen. Alle anderen Teilnehmer und weitere Infos gibt es drüben bei der Cinecouch. Schaut mal rein!

4 Comments

  1. Ich glaube ich habe noch nie einen „nature revenge horror“ Film gesehen. Ich muss bei dem Genre Namen an den Kurzfilm „Treevenge“ denken, in dem Weihnachtsbäume sich an den Menschen rechen. Der ist ziemlich blutig, aber auch sehr lustig. Ich glaube einen ernst gemeinten „nature revenge horror“ kann ich mir gar nicht vorstellen. Ist das nicht irgendwie unfreiwillig komisch?

    1. Hey Sumi,

      danke fürs Lesen und deinen Kommentar.
      Den Kurzfilm kenne ich.
      Was an „nature revenge horror“ (bitte beachte, dass das möglicherweise nicht der offizielle Name des Subgenres ist, sondern ein von mir aus der Verlegenheit heraus gewählter Begriff) unfreiwillige Komik implizieren soll, erschließt sich mir nicht.
      Die in LONG WEEKEND vorkommende Seekuh, die von mir als gruselig empfunden wurde, wird in einer anderen Kritik aber als lächerlich bezeichnet, mit einer nicht ganz von der Hand zu weisenden Logik (wäre aber ein Spoiler (irgendwann werde ich noch ein Essay darüber schreiben, wieso 98,5% der als Spoiler bezeichnete Informationen keine sind)). Es liegt wie so oft im Auge des Betrachters; spricht der Rezipient auf Naturhorror an (wie ich), wirkt es natürlich anders als auf jemanden, bei dem diese Urängste nicht ausgeprägt sind.

  2. Mark

    Einer der langweiligsten filme den ich je gesehen habe. Die „Schockelemente“ sind an Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Die gestelzten Streitereien der beiden Protagonisten wirken in jeder Phase aufgesetzt und absolut unglaubwürdig. Diesem Film ein auch nur im Ansatz positives Zeugnis auszustellen, ist selbst angesichts unterschiedlicher Geschmäcker schlicht albern.

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