Lost River

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© Tiberius Film

It’s a place where people can get wild for the night… fuck being polite.

Billy klammert sich an ihrem alten Haus fest, sie ist wild entschlossen am Ort ihrer Kindheit zu bleiben, obwohl mehr und mehr Menschen aus der Nachbarschaft wegziehen, um sie herum Häuser abgerissen oder in Brand gesetzt werden. Ihr Sohn Bones streift durch die ausgebrannten Ruinen auf der Suche nach den letzten Wertgegenständen und trifft dabei nicht nur auf besitzergreifende Psychopathen, sondern auch auf eine unheimliche Straße, die ins Wasser führt – zur Stadt im See. Seine einzige Bezugsperson ist die Nachbarin Rat, die ebenfalls mit den Geistern der Vergangenheit kämpft.

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© Tiberius Film

Ryan Goslings Regie-Debüt Lost River entfaltet einen seiner besonderen Reize gleich zu Beginn des Films: in ästhetischen Bildern werden die menschenleeren und verwilderten Settings der Geschichte ausgebreitet, die zerstörten und brennenden Häuser in den verlassenen Straßen werden eingeführt wie eine Figur – und werden im Verlauf des Films auch eine ähnliche Funktion haben. Es liegt eine unwiderstehliche Anziehungskraft in den perfekt abgefilmten Ruinen, eine Melancholie, der man sich nur schwerlich entziehen kann. In diesem teilweise unwirklich anmutenden Setting entspinnt sich die Handlung, die nach der bereits ziemlich auswegslosen Ausgangslage mehr und mehr ins Alptraumhafte abdriftet. Die Bedrohungen für die Protagonisten rücken näher und näher – sei es nun der zwielichtige Job im Nachtclub und der aufdringliche Besitzer des Etablissements oder die physische Präsenz des Kupferkönigs – die unwirtliche Umwelt scheint sich gegen die Figuren verschworen zu haben. Auch das ist wohl einer der Gründe, warum sich die Figuren immer wieder mit der Vergangenheit beschäftigen – ein roter Faden, der sich durch den Film zieht. Sei es die unheimliche, alte Frau vor dem Fernseher, die immer wieder ihre schönsten Momente betrachtet oder die Dokumentation über den Staudamm – sie alle zelebrieren die gute alte Zeit, in der das Leben noch einfach war – und die Stadt voller Menschen.

Abgesehen von den atmosphärischen Settings und den metaphorisch angereicherten Bildern, sind es vor allem die Figuren der Bösewichte, die zu faszinieren vermögen. Auf der einen Seite schlägt sich Bones mit dem absolut unkontrollierbaren und animalischen Kuperkönig Bully herum (genial gespielt von Matt Smith), der in seiner Raserei auch vor der Verstümmelung seiner Untergebenen nicht Halt macht. Seine Mutter Billy muss sich auf der anderen Seite gegen die Annäherungen des Bank-Angestellten Ben Mendelsohn wehren, der genauso gefährlich wie intelligent ist.

Insgesamt ist Lost River ein faszinierendes und überaus ästhetisches Horrormärchen, das mit einer interessanten und faszinierenden Geschichte genauso punkten kann wie mit überzeugenden Charakteren. Hinzu kommen jede Menge neuartige Ideen und Metaphern, die den Film anreichern und seine Sog-Wirkung steigern. Für mich ist Lost River eines der besten Kinoerlebnisse des Jahres und ich bin gespannt, was von Ryan Gosling noch zu erwarten ist.

Bewertung: 10/10

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© Tiberius Film

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