Love Steaks

© Hochschule für Film und Fernsehen HFF Konrad Wolf
© Hochschule für Film und Fernsehen HFF Konrad Wolf

Der 2013 erschienene Love Steaks von Jakob Lass thematisiert die konflikthafte Beziehung zwischen Clemens und Lara, die beide in einem Kurhotel an der Küste Deutschlands arbeiten. Clemens (Franz Rogowski) ist der neu eingestellte Masseur, der erst einmal im Abstellraum des Hotels unterkommt, und Lara (Lana Cooper) die Küchenhilfe, die sich in einem männerdominierten Bereich zu etablieren versucht. Beide spiegeln dabei das Gegenteil des Anderen wider, so ist Clemens unsicher und esoterisch veranlagt, wohingegen Lara selbstbewusst auftritt, gern die Kontrolle übernimmt und ein Alkoholproblem hat.

© Daredo/HFF
© Daredo/HFF

Lana Cooper und Franz Rogowski sind in diesem Film die einzigen professionellen Schauspieler, die restlichen Rollen werden von Mitarbeitern des Kurhotels übernommen. Bis auf den Koch Marcel sind sie dazu verdammt, namen- und auch farblos durch diesen Film zu wandern und vom Zuschauer vergessen zu sein, sobald sie die Szene verlassen. Dabei erfahren sie auch vom Drehbuch keine Unterstützung, das nur die Szenerie beschreibt, aber ihnen keinen Text an die Hand gibt, der sie durch die verschiedenen Situationen lotsen könnte. Stattdessen wird auf Improvisation gesetzt, was dazu führt, dass sich die Figuren häufig wiederholen, so dass das Interesse an ihren Dialogen gemindert wird, falls es überhaupt bestehen sollte. Dieser Mittel bedient sich Regisseur Jakob Lass, um das von ihm entwickelte Konzept FOGMA zu realisieren. Was es damit auf sich hat, ist hier nachzulesen, jedoch sind die 12 Regeln sehr schwammig und unpräzise formuliert, so dass es gleichzeitig alles und nichts sagt. Dies belegen beispielsweise die Regeln 1 (FOGMA ist ein Experiment für Freiheit) und Regel 7 (FOGMA ist Filmemachen und Leben). Dadurch wird auch nicht verständlich, wovon sich FOGMA abgrenzen will, was zu FOGMA gehört und was nicht.

Love Steaks versteht sich als humorvolles Drama und nimmt sich dabei Themen an, die zu groß für diesen Film sind, sodass er dazu verurteilt ist, daran scheitern zu müssen. So geht es um Suchterkrankungen, Liebe, Glück, Selbstbefreiung, Dominanz, Karriere, Diskriminierung, sexuelle Belästigung und Esoterik. Sicherlich hätte es dem Film gut getan, sich auf einzelne dieser Aspekte zu beschränken. Stattdessen werden all diese Themen stetig weitergeführt, so dass die einzelnen Entscheidungen der Charaktere sowie ihr gegenseitiges Verhalten immer unverständlicher werden. Dadurch werden sie dem Zuschauer zunehmend unsympathisch und schließlich wird es egal, was aus ihnen wird. Dies trifft insbesondere auf die Figur von Clemens zu. Der anfangs unsichere Charakter entwickelt sich zum Fürsprecher von Lara und versucht, die anderen davon zu überzeugen, sich in bezug auf sie so zu verhalten, wie er es für richtig erachtet. Dies misslingt ihm aber und trägt dazu bei, dass seine Beziehung zu Lara gefährdet wird.

© Daredo/HFF
© Daredo/HFF

Dieser Eindruck der Belanglosigkeit wird zusätzlich durch die steten Grautöne verstärkt, so dass sich irgendwann das Gefühl verliert. Es bleibt auch unklar, wieviel Zeit seit der ersten Begegnung zwischen Lara und Clemens vergangen ist, bis alles im Kurhotel und an der Küste trostlos erscheint. Wie es an solch einem tristen, namenlosen Ort dazu kommen kann, dass zwei Menschen nach Glück suchen, ist verständlich. Wie es ihnen gelingt aber nicht.

Insgesamt versucht Love Steaks vieles richtig zu machen, steht sich aber dabei selbst im Weg.  So werden die großen Themen angegangen, ohne den Schauspielern ein Drehbuch zu bieten, mit dem sie sich in kritischen Situationen bewegen können, ohne auf Binsenweisheiten und hohle Phrasen zurückgreifen zu müssen. So werden aus Situationen, die emotional sein könnten, Belanglosigkeiten, von denen sich der Zuschauer wünscht, dass diese bald enden mögen, um einer Szene zu weichen, die über etwas mehr Tiefe verfügt. Diese Hoffnungen bleiben bis zum Ende unerfüllt, so dass es schließlich der einzige postive Aspekt ist, dass es nur 89 Minuten waren, die man vergeudet hat.

Bewertung: 3/10

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.